Die Aufschrift "Landgericht Lübeck" hinter Maschendrahtzaun. © dpa-Bildfunk Foto: Markus Scholz/dpa

Tödliche Schüsse in Lübecker Villa: Mann schweigt zu Prozessstart

Stand: 08.07.2021 19:55 Uhr

Im Prozess um die tödlichen Schüsse in einer Villa am Lübecker Stadtpark hat der Angeklagte zum Prozessauftakt geschwiegen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 57-jährigen Hausbesitzer Totschlag vor. Er soll am 30. Dezember 2020 auf zwei Männer geschossen haben, einen 38- und einen 27-Jährigen. Einer von ihnen starb. "Die beiden Männer stiegen in den frühen Morgenstunden des 30. Dezember durch ein Kellerfenster in das Haus des Angeklagten ein, um sich darin umzusehen", heißt es in der Anklage. Sie hätten die verwahrlost wirkende Villa für unbewohnt gehalten. Das war jedoch ein Irrtum. "Als sie die Treppe zum Obergeschoss hinauf kamen, stießen sie unvermittelt auf den Hausbesitzer", sagte Berkenbusch weiter. Der habe sie durch einen lauten Schrei erschreckt, so dass sie die Flucht ergriffen.

38-Jähriger bricht auf Straße zusammen

Laut Anklage feuerte der Angeklagte drei Schüsse aus einer Pistole ab, die den 38-Jährigen in den Rücken trafen. "Er schaffte es noch, auf die Straße zu laufen und um Hilfe zu rufen, während ihm der Angeklagte folgte", sagte die Staatsanwältin. Dort sei der 38-Jährige zusammengebrochen. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Der 27-Jährige konnte flüchten. "Der Angeklagte war erfahren im Umgang mit Schusswaffen, er hätte um die potenziell tödlich Wirkung seiner Schüsse wissen müssen", sagte die Staatsanwältin. Nach der Tat waren in der Villa zwei weitere Schusswaffen, eine Kiste mit Munition und eine Handgranate gefunden wurden. Zumindest für die Schusswaffen hatte er den Angaben zufolge eine waffenrechtliche Genehmigung.

Ein Absperrband der Polizei vor dunklem Hintergrund bewegt sich im Wind, Bewegungsunschärfe. © NDR Foto: Julius Matuschik
AUDIO: Prozessauftakt: Tödliche Schüsse am Lübecker Stadtpark (1 Min)

Urteil im Oktober erwartet

Die Vermutung, dass die beiden Männer in die Villa eingestiegen waren, um etwas zu stehlen, war nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits kurz nach der Tat widerlegt worden. Die beiden Männer hätten keinerlei Einbruchswerkzeug bei sich gehabt und seien mit Fahrrädern unterwegs gewesen, hatte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst von der Lübecker Staatsanwaltschaft damals erklärt. Weil sich der Angeklagte am Donnerstag weder zu dem Tatvorwurf noch zu seiner Person äußern wollte, war der erste von zehn geplanten Verhandlungstage schnell vorbei. "Mein Mandant behält es sich aber vor, sich zu einem späteren Zeitpunkt zu äußern", sagte sein Verteidiger Kai Wohlschläger. Der Prozess wird am 30. Juli mit der Befragung erster Zeugen fortgesetzt. Das Urteil wird Anfang Oktober erwartet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.07.2021 | 16:00 Uhr

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