Ein Mann in Handschellen und Mütze wird von einem Polizisten in einen Gerichtssaal geführt. © NDR

Todesschüsse von Meldorf: Neun Jahre Haft gefordert

Stand: 09.04.2021 16:29 Uhr

Vor neun Monaten wurde in Meldorf im Kreis Dithmarschen ein Mann auf offener Straße erschossen. Im Prozess vor dem Landgericht Itzehoe wurden die Schlussplädoyers gehalten.

Die Staatsanwaltschaft hat am Freitag vor dem Landgericht Itzehoe für den 50-jährigen Angeklagten eine Haftstrafe von neun Jahren wegen versuchten Totschlags gefordert. Die Nebenklage plädierte auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Die Verteidigung beantragte eine dreijährige Haftstrafe für den Beschuldigten und plädierte auf Notwehr. Der Angeklagte äußerte sich im Prozess nicht. Das Urteil soll kommende Woche gesprochen werden.

Schuss in Kopf auf offener Straße

Unstrittig ist, dass der Angeklagte dem 40 Jahre alten Opfer, dem Sohn seiner ehemaligen Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin, am 16. Juni 2020 auf offener Straße in den Kopf geschossen hatte. Allerdings war der 40-Jährige schon zuvor bei einem Streit mit dem Beschuldigten und dessen neuer Lebenspartnerin durch einen Schuss in den Oberkörper tödlich verwundet worden.

Nicht klar, wer ersten Schuss abgegeben hat

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft könne nicht eindeutig belegt werden, wer den ersten Schuss abgegeben hat. Der zweite Treffer habe den Tod höchstens beschleunigt, hieß es. Deshalb sah die Staatsanwaltschaft keinen Ansatz für einen vollendeten Totschlag.

Der Anwalt der Mutter des Opfers sah einen Mord aus niedrigen Beweggründen. Der Ablauf sei erst plausibel, wenn der 50-Jährige auch den ersten Schuss abgegeben habe.

Verteidigung: Schuss aus Angst

Die Verteidigung stützte sich in ihrem Plädoyer darauf, dass das mehrfach vorbestrafte Opfer sowohl den Angeklagten als auch dessen neue Lebensgefährtin im Jahr 2012 krankenhausreif geschlagen hatte und dafür 2013 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war. Den unbestrittenen zweiten Schuss hätte der Angeklagte aus Angst abgegeben. Deshalb sei von einem versuchten Totschlag in einem minderschweren Fall auszugehen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.04.2021 | 15:00 Uhr

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