Stand: 12.12.2018 18:29 Uhr

Tod auf dem Mittelmeer: Hohe Strafe gefordert

Im Prozess um den Tod von vier Bootsflüchtlingen hat die Staatsanwaltschaft in Kiel am Mittwoch neun Jahre und vier Monate Haft gefordert. Angeklagt ist ein 28-jähriger Mann mit irakischer Herkunft aus Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Fall ist auch für das Kieler Landgericht ungewöhnlich: Am 28. Oktober 2015 sank vor der türkischen Küste ein Holzboot. Es war auf der Fahrt nach Griechenland - an Bord waren mehr als 320 Flüchtlinge, 54 ertranken bei dem Unfall. Der Angeklagten soll für den Tod von vier Flüchtlingen - darunter drei Kinder - verantwortlich sein. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Einschleusung mit Todesfolge vor.

Verteidigung fordert Freispruch

Der Mann habe sich bei dem Schiffsunglück Ende Oktober 2015 der vierfachen versuchten gewerbs- und bandenmäßigen Schleusung mit Todesfolge schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt. Die Verteidigung dagegen kam zu einem gänzlich anderen Schluss. Sie forderte für den Angeklagten Freispruch und beantrage die Aufhebung des Haftbefehls sowie Haftentschädigung. Im Verfahren hätten sich keine sicheren Beweise für die Tatvorwürfe ergeben - auch der Tatbestand sei nicht erfüllt.

Beweise nicht verwertbar?

Der 28-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Nach Ansicht seiner Verteidiger dürften Angaben einer von der Bundespolizei auf den Angeklagten angesetzten Vertrauensperson ebenso wenig verwertet werden wie die Aussagen das Angeklagten vor der Haftrichterin. Dort sei ihm nicht die zwingend vorgeschriebene Verteidigung an die Seite gestellt worden. Nach Darstellung des Anklägers ergab die Beweisaufnahme "ohne Zweifel", dass der Iraker sich vor 2015 einer Schleuserorganisation in der Türkei anschloss, Schleusungen maßgeblich mitorganisierte, dafür kassierte und bis zur Überfahrt nach Griechenland auch Wohnungen an Fluchtwillige aus Irak und Syrien vermittelte. Das Schwurgericht will sein Urteil am 20. Dezember verkünden.

Weitere Informationen

Tod auf dem Mittelmeer: Angeklagter schweigt

Ein 28-Jähriger aus Strande soll Menschen über das Mittelmeer geschleust haben und für den Tod von vier von ihnen verantwortlich sein. Der Iraker hat zum Prozessauftakt in Kiel seinen Anwalt sprechen lassen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.12.2018 | 20:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:13
Schleswig-Holstein Magazin

FDP-Parteitag: Europawahl im Fokus

23.03.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:11
Schleswig-Holstein Magazin

Grünen-Parteitag: Pläne für Europa und Jamaika

23.03.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
00:42
Schleswig-Holstein Magazin

Demo in Kiel gegen Uploadfilter

23.03.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin