Stand: 22.10.2019 16:30 Uhr

Tausende Bauern protestierten gegen Agrarpaket

Mit rund 1.700 Treckern haben sich 5.000 Landwirte aus dem ganzen Land auf den Weg nach Rendsburg gemacht. Dort demonstrierten sie gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Laut Polizei waren die Bauern mit ihren Treckern von 14 Startpunkten unterwegs. Der längste Konvoi war zehn Kilometer lang. Auf den Bundesstraßen und auch in Rendsburg sorgten die Traktoren für Verkehrsbehinderungen, da sie mit 30 bis 40 Stundenkilometern deutlich langsamer als Autos sind. Außerdem war der Willy-Brand-Platz, auf dem die Demo stattfand, schnell voll. Der Grund: Die Veranstalter hatten angemeldet, dass 1.500 Trecker kommen würden. Also mussten einige der Trecker auf andere Flächen ausweichen - etwa auf den Paradeplatz.

Ein Trecker mit einem Plakat.

Sternfahrt: Bauern-Protest gegen Agrarpolitik

Schleswig-Holstein Magazin -

In Rendsburg protestieren mehr als 3.000 Landwirte gegen das geplante Argrarpaket. Sie sind mit ihren Traktoren zu einer Sternfahrt gestartet.

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Minister Albrecht will Landwirte unterstützen

Bei der Kundgebung machten die Bauern klar: Sie fühlen sich missverstanden, benachteiligt und haben Angst vor der Zukunft. "Es geht ganz schön an die Substanz, dass wir Landwirte immer die Sündenböcke für alles sein sollen", sagt Schweinezüchterin Anke Dahl aus Thumby (Kreis Rendsburg-Eckernförde). "Wir müssen einfach mal zeigen, dass wir jetzt wirklich sauer sind."

Unter dem Motto "Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch" wollen die Bauern mit der Politik ins Gespräch kommen. Auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) war bei der Kundgebung dabei. Er lobte die Aktion in Rendsburg: "Die Bevölkerung muss mal sehen, wie viele Landwirte sich darum kümmern, dass die vielen Lebensmittel, die wir täglich verbrauchen, produziert werden." Für diese Aussage gab es Applaus.

Sternfahrt mit Treckern als Protest gegen Agrarpolitik

"Bauern verlieren 300 Euro pro Hektar im Jahr"

Konkret kritisierten die Landwirte das Agrarpaket des Bundes. Es schränkt unter anderem den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein. Auch die Verschärfung der Düngeverordnung bereitet den Landwirten Sorge. "Beides lässt die Gewinne schrumpfen", sagt Landwirt Dirk Andresen. Er geht von einem Rückgang um rund 300 Euro pro Hektar im Jahr aus. "Für viele Betriebe könnte dies das Aus bedeuten", erläutert er.

Albrecht sagte, dass es Reformen in der Landwirtschaft geben müsse. Viele Jahre lang seien keine Entscheidungen getroffen worden - das sei jetzt aber mit Blick auf den notwendigen Insekten- und Gewässerschutz nun mal notwendig. Das werde für alle Beteiligten zum Problem, meint der Minister. Albrecht sagte den Bauern zu, sich für ihre Belange beim Bund einzusetzen.

Stimmung insgesamt negativ

Viele Betriebe haben laut Andresen auch Angst vor Billig-Konkurrenz aus dem Ausland. Das Handelsabkommen der EU mit vier südamerikanischen Ländern (Mercosur-Handelsabkommen) gefährdet seiner Meinung nach die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.

Andresen und seinen Kollegen fühlen sich außerdem missverstanden: "Wir sind die Buhmänner der Politik", erläutert er. "Die permanente negative Stimmungsmache führt bei uns zu Ärger und Frustration. Das gefährdet die Zukunft der Betriebe und der ländlichen Räume", meint Andresen.

Unterstützung von FDP und CDU

CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch forderte, Entscheidungen nicht ohne die Betroffenen zu fällen. Das gefährde nicht nur die Existenz der bäuerlichen Betriebe, sondern auch den sozialen Frieden im Land", sagte er. Ziel sei es, die gewachsenen Strukturen im Agrarbereich zu erhalten und die Existenz der Familienbetriebe zu sichern. Die Bauern seien angesichts des von der Bundesregierung geplanten Tierwohllabels für Fleisch, dem Umweltschutz und dem Glyphosatverbot erheblichen Belastungen ausgesetzt, sagte Koch. Die Landwirtschaft dürfe nicht der "Prügelknabe der Nation" sein.

"Wer das Land ernährt, verdient Respekt", sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky. "Anstatt Landwirte immer wieder pauschal an den Pranger zu stellen, brauchen wir auf Bundesebene endlich eine Agrarpolitik, die sich auf Wissenschaft und Sachverstand gründet, und die nicht durch Meinungsmache und Bauchgefühl bestimmt wird."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2019 | 17:00 Uhr

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