Stand: 04.08.2018 06:00 Uhr

Südholsteiner bringt König in Schweden zu Fall

von Hannah Böhme

"Früher war hier eine Wiese", sagt Boris Kaufmann aus Uetersen (Kreis Pinneberg) und zeigt auf die stark beanspruchte Fläche in seinem Garten. Jetzt ist kaum noch Gras zu sehen, dafür viel Sand. Die 5 mal 8 Meter große Fläche, die mit kleinen Hölzern abgesteckt ist, wird viel genutzt. Täglich trainiert Kaufmann hier das Wurfspiel Kubb, ein Geschicklichkeitsspiel mit strategischen Elementen. Dabei muss er mit einem Holzstab versuchen, kleine Holzklötze auf der gegnerischen Grundlinie zu treffen. Am besten schneller als sein Gegenüber. Wer am Schluss den König trifft, gewinnt. Seit fünf Jahren spielt er für das Team Kubb-SH. Die Mannschaft startet an diesem Wochenende bei der WM in Schweden und kämpft mit etwa 160 anderen Teams um den Titel. Auch seine Frau Mandy ist mittlerweile begeisterte Kubberin und spielt seit diesem Jahr mit ihrem Mann bei Kubb-SH. Bei beiden steigt die Nervosität vor der WM. Kurz vor der Abreise gibt es ein letztes Trainingsspiel im heimischen Garten.

Üben für die Kubb-WM in Schweden

Wenn der König fällt, ist das Spiel vorbei

"Kubb hat ganz viel mit Feingefühl und Präzision zu tun, das ist für mich das Faszinierende an der Sportart", erklärt Boris Kaufmann, während er im Spielfeld herumläuft und das Match gegen seine Frau vorbereitet. Auf beiden Grundlinien stellt er fünf etwa zehn Zentimeter hohe Holzklötze, die sogenannten Kubbs auf. In der Mitte des Spielfelds steht der König, eine größere Holzfigur mit roter Krone. Der muss zuletzt fallen, dann ist das Spiel vorbei. Boris Kaufmann wirkt sportlich, hat lange Bowling und Volleyball gespielt. Beides habe sein Rücken irgendwann aber nicht mehr mitgemacht und er musste aufhören.

Vor zehn Jahren dann kam er in einem Urlaub in Dänemark zum Kubb, seit fünf Jahren spielt er professionell im Team. "Das Beste ist eigentlich die Gemeinschaft. Es fühlt sich an wie eine große Familie", beschreibt er das besondere an der Sportart. Das bedeutet ihm viel. Beim Bowling sei das anders gewesen, da war man mehr für sich, sagt der 38-Jährige. Kubb - auch Wikingerschach genannt - wird in Schleswig-Holstein immer bekannter. An kaum einem Strand an Nord- und Ostsee wurde diesen Sommer nicht versucht, den König zu stürzen.

Noch zählt seine Frau ihre Siege gegen ihn

Das Tolle am Kubbspielen sei, dass man sich sehr schnell verbessere, so Boris Kaufmann. Das bekommt er im Moment selbst zu spüren: Seine Frau hat sich im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. "Am Anfang war ich nur Trainingspartnerin und es war ziemlich frustrierend, gegen Boris zu spielen. Ich hatte keine Chance." Mittlerweile hat sie gegen ihren Mann schon vier Mal gewonnen. "Noch zählt sie", sagt er und lacht. "Vielleicht kommt jetzt Nummer fünf dazu", erwidert sie und macht den ersten Wurf. Auch Mandy Kaufmann weiß das Spiel zu schätzen. Für die 38-Jährige gehört mehr dazu, als einfach nur Holzstöcke zu werfen. Sie freut sich beispielsweise, dass die Turniere immer familienfreundlicher werden, es bei den Turnieren auch ein Rahmenprogramm gibt. Das bedeutet, dass auch ihr Sohn Til immer öfter mitfahren kann. Der Fünfjährige steht jetzt am Spielfeldrand und beobachtet seine Eltern. Für seinen Vater läuft die Partie gerade besser - er liegt vorne.

Kubb-SH ist eines der erfolgreichsten Teams in Deutschland

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Die Mannschaft von Kubb-SH, die Boris Kaufmann (1.v.l.) und sein Freund Matthias Fesser (2.v.l.) gegründet haben.

Die Mannschaft Kubb-SH gibt es seit fünf Jahren. Boris Kaufmann und sein Freund Matthias Fesser haben sie gegründet. Gemeinsam spielen sie bis heute viele Turniere im Doppel - und das ziemlich erfolgreich: Im Ranking des deutschen Kubb-Bundes sind sie Zweiter von rund 170 Teams. Dass Boris gut ist, wird auch im Spiel gegen seine Frau im eigenen Garten schnell klar. Mit fast jedem Wurf fällt einer der Holzklötze um - und auch den König trifft er am Ende ohne Probleme. Sieg Nummer fünf ist für Mandy Kaufmann heute nicht drin. Aber der wird kommen, da ist sich ihr Mann sicher.

Das Ziel für Schweden: ein Platz unter den ersten 50

Bei der WM auf der schwedischen Insel Gotland spielen beide Seite an Seite in einem Sechser-Team. Eine Herausforderung für den Uetersener: "Je mehr Leute im Team, desto höher ist der Druck. Bei sechs Spielern hat pro Runde jeder nur einen Wurf, der muss dann sitzen, da ist man schon nervös." Ein Platz unter den ersten 50 wäre ein Erfolg für die Mannschaft. Es ist die erste Weltmeisterschaft für den Kubber. Am meisten freue er sich auf die besondere Atmosphäre. Beim Kubb helfe und verbessere man sich auch viel untereinander. Egal in welchem Team man sei, erklärt Kaufmann und sammelt die Hölzer vom sandigen Boden auf. "Es ist einfach eine tolle Sportart".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 04.08.2018 | 14:36 Uhr

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