Sturz ins Meer: Der Lummensprung auf Helgoland hat begonnen

Stand: 16.06.2021 09:58 Uhr

Sie springen wieder: Auf Helgoland stürzen sich derzeit die Trottellummenküken aus bis zu 40 Metern Höhe von den Klippen, um ins Meer zu ihren Eltern zu gelangen.

Am Lummenfelsen auf Helgoland sind in der Dämmerung an Juni-Abenden immer wieder sehr hohe, zweisilbige Vogelrufe zu hören. Es sind die Küken der Trottellummen, die sich bereit machen für den Sprung von den Klippen zu ihren Eltern im Meer. Die Eltern motivieren ihre Jungtiere ebenfalls durch Rufe. Manchmal können ein paar Tage vergehen, bis sich ein Küken traut, den entscheidenden Schritt über den Abgrund zu wagen.

Zeitliche Verzögerung durch kaltes Frühjahr

Aufgrund des kalten Frühjahres haben viele Trottellummenpaare später angefangen zu brüten. Deshalb wird sich das Naturschauspiel vermutlich noch bis Mitte Juli ziehen, erklärt der ornithologische Schutzgebietsbetreuer des Vereins Jordsand auf Helgoland, Elmar Ballstaedt. Manche der Trottellummen brüteten noch das Ei aus, manche Jungtiere seien noch sehr klein, andere sprungbereit.

Sprung zu den Eltern ins Meer nach drei Wochen

Vielen Trottellummenküken sitzen auf einem Felsvorsprung. © dpa-Bildfunk Foto: Marcus Brandt
Ans Land kommt die Trottellumme nur zum Brüten.

Die Trottellumme ist als Meeresvogel gut an das Leben im Wasser angepasst. Ans Land kommt sie nur zum Brüten. Ihre Kolonien findet man an steilen Küstenklippen. In Deutschland brüten sie nur auf Helgoland. Hier legt das Trottellummenweibchen ein einziges Ei - in schwindelnder Höhe auf einem schmalen Vorsprung direkt auf dem Fels.

Mit etwa drei Wochen springen die kleinen Vögel vom Lummenfelsen entweder direkt ins Wasser oder auf den Boden - je nach Ausgangspunkt. Obwohl die Tiere noch nicht fliegen können, überstehen sie dank ihrer Fettpolsterung und ihres leichten Knochenbaus in der Regel unbeschadet auch Sprünge aus bis zu 150 Metern Höhe.

Helfer unterstützen auf dem richtigen Weg

Ziel des Sprungs ist es, zu ihren Eltern ins Wasser zu gelangen, die sie dort einfacher mit Nahrung versorgen können. Für die kleinen Vögel ist das ein großer Schritt. "Das Gefährliche ist nicht der Sprung an sich, sondern der Weg zum Wasser", sagt Ballstaedt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Manche Küken landen hinter einer - aus Küstenschutzgründen gebauten - Mauer. Sie können nicht selbstständig ins Meer gelangen und werden von Helfern der Vogelwarte Helgoland und des Vereins Jordsand auf den richtigen Weg zu ihren Eltern gebracht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.06.2021 | 16:30 Uhr

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