Stand: 13.05.2017 16:50 Uhr

Strom vom Deich statt Öl vom Scheich

von Peer-Axel Kroeske
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Insgesamt 20 E-Autos auf 230 Einwohner: Damit ist Sprakebüll bundesweit die Nummer Eins.

Der kleine Weg nach Sprakebüll ist links und rechts von Windparks und Photovoltaik gesäumt. Die Region produziert viel Ökostrom - so viel, dass die Leitung Flensburg-Niebüll derzeit nur etwa ein Drittel der Energie aufnehmen kann. Mit dem Bau der Westküstenleitung bis 2019 soll sich die Lage bessern. Doch auch dann müssen die Windräder wohl noch gelegentlich abgeschaltet werden. Den Windmüllern könnte das egal sein: Sie werden in jedem Fall entschädigt. Es ist ihnen aber nicht egal.

Zuschuss für E-Autos

Es gibt einen Ausweg: Die Energie muss vor Ort verbraucht werden. Die 22 Sprakebüller, die an einem der örtlichen Bürgerwindparks beteiligt sind, haben deshalb einstimmig beschlossen, Kauf oder Leasing von E-Autos zu unterstützen. "Alles, was wir an Energie in die Autos stecken - dieser Strom braucht ja nicht weggeführt werden und entlastet das Netz. Insofern tragen wir dazu bei, dass die Abschaltung geringer werden wird," meint Geschäftsführer Hans-Christian Andresen. Das Projekt soll aber den Stein ins Rollen bringen. Wer ein E-Auto least, bekommt nun 100 Euro im Monat hinzu, finanziert aus den Gewinnen des Windparks. Damit sinkt die Leasingrate für einen Kleinwagen je nach Akkugröße auf 120 bis 170 Euro. Die Genossenschaft ee4mobile im benachbarten Enge-Sande hilft, die Preise zu drücken, indem sie die Wagen per Sammelbestellung ordert.

Fast alle machen mit

15 Gesellschafter haben sich nun für das Angebot entschieden. Sie katapultieren Sprakebüll nach Angaben der Gemeinde damit bundesweit auf Platz 1 der E-Auto-Statistik, natürlich nur im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Es ist eine neue Erfahrung: Das fast lautlose Beschleunigen, das Tanken im heimischen Carport und der Blick auf den Akkustand. Die meisten fahren nur kurze Strecken und nutzen das E-Auto als Zweitwagen. Loni Diederichsen etwa pendelt jeweils 15 Kilometer nach Niebüll und muss einmal pro Woche nachladen. Gretel Petersen berichtet: "Theoretisch haben wir eine Reichweite von 300 km. Da muss man vernünftig fahren und dann geht das. Und nicht heizen." Das gilt im doppelten Sinne: Wer hinter dem Steuer im Winter nicht frieren will, verliert an Reichweite.

Das elektrische Dörpsmobil

Die Gemeinde Sprakebüll hat sich jetzt auch ein E-Auto zum Teilen zugelegt. Zwei Ehrenamtliche kümmern sich um den Buchungskalender und die Wartung. Vereinsmitglieder und auch Feriengäste können das Dörpsmobil für günstige 2,50 Euro pro Stunde nutzen. Das Land bereitet derzeit ein Konzept vor, weitere Dörpsmobile für das Car-Sharing auf dem Land zu entwickeln, sagte Umwelt-Staatssekretärin Ingrid Nestle bei ihrem Besuch in Sprakebüll. Vorreiter ist hier die Gemeinde Klixbüll, in der schon seit einem Jahr ein Elektromobil bereit steht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.05.2017 | 17:00 Uhr

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