Stand: 14.11.2018 10:43 Uhr

Streit über Hotelneubau am "Flensburger Forst"

von Lukas Knauer

In Flensburg diskutieren Anwohner derzeit heftig: Es geht um den geplanten Hotelneubau in der Nähe des Bahnhofs, direkt neben der Hauptpost. Ein rund 45 Millionen Euro teures Projekt von zwei Flensburger Unternehmern. Auch ein Parkhaus mit 320 Plätzen ist vorgesehen. Doch Anwohner laufen Sturm gegen diese Pläne: Sie befürchten, dass für den Neubau 140 Jahre alte Bäume gefällt werden müssen, Fledermäuse und andere Tiere dadurch ihre natürliche Umgebung verlieren.

Vogelperspektive auf ein Waldgrundstück in Flensburg © Jara Immobilien Foto: Jara Immobilien Vogelperspektive auf ein Waldgrundstück mit Hotelneubau in Flensburg © Jara Immobilien Foto: Jara Immobilien

Weil für das Hotelprojekt - wie hier zu sehen - viele alte Bäume hätten weichen müssen, hat der Investor seine ursprünglichen Pläne überarbeitet.

Online-Petition für "Flensburger Forst"

"Wir wünschen uns, dass das Projekt nochmal überdacht wird und diese grüne Lunge in Flensburg erhalten bleibt", sagt Thomas Gädecke. Er wohnt in der Schleswiger Straße, oberhalb des geplanten Hotels. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben die Kritiker eine Online-Petition gestartet, mehr als 60.000 Menschen aus ganz Deutschland haben bereits unterzeichnet.

Investoren bessern nach

Den Vorwurf, den Wald zu gefährden, will Investor Ralf Hansen so nicht stehen lassen: Im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein verspricht er, dass das betroffene Waldstück erhalten bleibt. Man habe die Pläne für das Bauvorhaben nun noch einmal so abgeändert, das auch das geplante Parkhaus nicht in den angrenzenden Hang hineinragt. Laut einem Gutachten müsse lediglich ein Baum aus dem Wald gefällt werden, so Hansen.

Nur noch wenig Platz für neue Bauvorhaben in der Stadt

Doch noch ein weiterer Punkt ist strittig: Damit die Fläche überhaupt bebaut werden kann, muss sie auf dem Papier ihren Waldstatus verlieren. Denn laut Gesetz müssen Neubauten mindestens 30 Meter Abstand zu Wäldern haben. "Wir sind eine Stadt, die nicht mehr so viele Lücken zu bieten hat, wo Hotels oder Wohngebäude gebaut werden können", sagt Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD). "Natürlich berühren wir immer an irgendeiner Stelle grüne Bereiche - aber wir sollten nun die Köpfe zusammenstecken und gemeinsam darüber beraten, wie wir in diesem Fall Naturschutz und Hotelbau vereinen können."

Mögliche Entscheidung am 13. Dezember

Am 20. November planen deshalb die Stadt Flensburg und die beiden Hotelinvestoren eine Informationsveranstaltung, auf der sie die überarbeiteten Baupläne vorstellen wollen. Am gleichen Tag kommt auch der Umwelt- und Planungsausschuss der Stadt zusammen, um über das Projekt zu beraten. Am 13. Dezember wird dann in der Ratsversammlung die endgültige Entscheidung fallen, ob das Hotel gebaut werden kann oder das Projekt eingestampft werden muss.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.11.2018 | 07:00 Uhr

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