Stand: 08.08.2020 18:20 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Strandwetter: Ordnungskräfte im Dauereinsatz

Das Sommerwetter zieht die Menschen an die Küsten. In Corona-Zeiten dürfen aber nicht alle an die Strände, die das wollen. Mitarbeiter der Ordnungsämter haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Corona-Regeln eingehalten werden. Wenn die Strände zu voll sind, müssen sie den Menschen den Zutritt verbieten – und werden dafür nicht selten beschimpft. Thorsten Philipps hat eine Ordnungshüterin in Timmendorfer Strand begleitet.

Timmendorfer Strand 10.30 Uhr: Ordnungsamtsmitarbeiterin Bianca Streich kontrolliert vor einer der öffentlichen Toiletten am Strand die Maskenpflicht, bevor die Strandgäste reingehen. Eine Frau will ohne Maske auf die Toilette. Keine Chance bei Bianca Streich: "Bitte ziehen Sie eine Maske auf, das ist Pflicht!" Die Frau erwidert: "Ich hab aber keine." Doch die 31-jährige Mitarbeiterin vom Ordnungsamt Timmendorfer Strand bleibt hart: Die Besucherin müsse sich erst eine Maske holen. Die Frau geht mit wütendem Gesicht zurück an den Strand. Dennoch: Ein Großteil der Badegäste halte sich an die Vorschriften.

VIDEO: Sommerwetter: Volle Strände und lange Schlangen (1 Min)

Volle Strände schon am Vormittag

11.00 Uhr: An den Eingängen zum Strand sind Baken aufgebaut. Die Vermieter fangen die Tagesgäste ab. Die Strände sind so voll, wie sie unter Einhaltung der Abstandsregeln sein dürfen. An manchen Stellen wird der Abstand von den Gästen aber auch unterschritten. An den Strandeingängen beobachtet Bianca Streich schon lange Schlangen von Wartenden. "Die Strandkorbbesitzer bekommen wie wir natürlich den ganzen Frust der Tagesgäste ab", erzählt die junge Frau. In den vergangenen Wochen musste sie viel einstecken, wurde stark bepöbelt - heute geht es. Dennoch hat Streich Verständnis: "Ich kann das schon verstehen, wenn man mit kleinen Kindern zwei Stunden lang im Stau gestanden hat und nun nicht an den Strand darf und da in einer Schlange steht."

Tagesgäste sind größtenteils einsichtig

11.30 Uhr: Der überwiegende Teil der Gäste wartet zunächst geduldig, bis ein Gast den Strand verlässt und einer aus der Schlange rauf darf. Viele verstehen aber nicht, warum aus ihrer Sicht nur so wenige Menschen ans Wasser dürfen. So wie Katrin Grimm aus Hamburg, sie steht hinter sechs Familien in der Schlange - will mit ihrer Freundin und den Kindern im Schlepptau nicht warten und geht weiter. "Wir sind lange im Stau gewesen und nun irren wir hier rum", sagt sie sichtlich wütend.

Strandkorbvermieter Thorsten Sick befürchtet eine Katastrophe: "So schnell wie heute war es noch nie voll, die meisten kommen ja erst später." Auch Strandkorbvermieter Stephan Muuss in Niendorf erzählt, dass sich einige trotz der Ansagen an den Strand durchmogeln: "Ich sage 'voll' heißt nicht 'halbvoll' sondern 'voll' - aber einige schleichen sich über die Dünen vorbei." Das weiß auch Bianca Streich. Bei Tausenden Gästen könnten acht Ordnungskräfte nicht verhindern, das Hunderte über Absperrungen und Dünen unerlaubt an den Strand gelangen.

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Ordnungskräfte am Limit

14.00 Uhr: "Kommen Sie mal bitte da wieder zurück!", ruft Bianca Streich einem Mann zu, der mit Handtuch bewaffnet über die Absperrung und die Düne an den Strand will. Doch sie kommt zu spät und am Strand ist sie nicht mehr zuständig. Strandkorbvermieter Stephan Schröter sagt mit resignierender Stimme: "Was wir hier leisten sollen, ist eigentlich nicht möglich!" Bianca Streich stimmt zu: "Das Amt und gerade die stellvertretende Bürgermeisterin Puschaddel-Freitag machen, was sie können. Aber: Wir sind für solch einen Ansturm einfach zu wenige!"

Zwischen Parkplatz und Promenade

14.30 Uhr: Auch auf den Straßen vor den Promenaden muss die Frau vom Ordnungsamt aufpassen: "Letzte Woche kam ein Rettungswagen nicht durch, weil alles zugeparkt war. Das geht natürlich gar nicht." Auch heute stehen Hunderte Autos im eingeschränkten, aber auch im absoluten Halteverbot. Bianca Streich schreibt Strafzettel. "Ich muss gleich wieder auf die Promenade - da ist heute zuviel los", sagt Streich, die inzwischen ihre 1,5-Liter-Flasche Wasser leergetrunken hat. Die Hitze macht den Job für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht einfacher. "Es ist schon eine große Herausforderung für uns", sagt die junge Frau und zieht weiter.

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