Stand: 08.03.2018 16:58 Uhr

Stickoxide in Kiel: Gutachter soll Gutachten prüfen

Damit die Stickoxidbelastung weniger und die Luft in Kiel besser werden kann, hatte der Volkswagen-Konzern der Stadt Kiel angeboten, ein Gutachterbüro zu beauftragen und die Studie auch zu bezahlen. Die Gutachter der PTV Group sollen Modelle berechnen und Verkehrskonzepte entwickeln. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) nahm das Angebot an, forderte aber, dass dieses Büro unabhängig sein müsse. Er war davon überzeugt, dass die PTV Group unabhängig ist. Zweiflern begegnete er mit der Aussage: "Am Ende ist es mir lieber, die Autokonzerne bezahlen all die Dinge, die wir jetzt machen müssen, um die Grenzwerte einzuhalten, und nicht die Steuerzahler." Nun aber hört sich das ganz anders an, weil jetzt herauskam, dass die PTV Group im vergangenen Jahr von der Porsche Holding übernommen wurde.

Studie der PTV Group wird trotzdem erstellt

Das sei nun eine ganz neue Situation, so Kämpfer: "Für mich heißt das zunächst einmal, dass wir, wenn wir die Ergebnisse haben, sie auch mit einem weiteren, externen Experten auf ihre Brauchbarkeit anschauen werden. Das ist das, was ich erstmal heute spontan dazu sagen kann." Die Studie wird also erst einmal erstellt.

"Von der Expertise und der Fachlichkeit glaube ich, ist dieses Unternehmen absolut unverdächtig. Aber in dieser speziellen Gemengelage werden wir da nochmal drauf schauen, diese neue Information bewerten und uns nochmal doppelt absichern, dass wir am Ende nur verwertbare Modelle und Daten bekommen", sagt der Kieler Oberbürgermeister.

Weiteres Gutachten zum Gutachten

Also sucht sich die Stadt nun ein weiteres Gutachterbüro und lässt auf eigene Rechnung eine zweite Studie erstellen. Das andere Gutachten zahlt VW. Beide will die Stadt dann dem Umweltministerium zur Verfügung stellen – das am Ende dann den Luftreinhalteplan für die Stadt erstellt. Lob für die Entscheidung kommt von der FDP, die es für richtig hält, dass die Stadt eine unabhängige Expertise einholen will. Die CDU dagegen sagt: Kämpfer habe dem Druck nicht standgehalten.

Umweltminister Habeck hat große Bedenken

Die Studie sollte Teil eines sogenannten Luftreinhalteplans sein, den das schleswig-holsteinische Umweltministerium erstellt. Minister Robert Habeck (Grüne) sagte, er bezweifle, dass es Vertrauen schaffe, wenn ausgerechnet die Verursacher des Dieselskandals für Städte Gutachten bezahlen und dann bei ihren eigenen Firmen in Auftrag geben. "Wir werden den Luftreinhalteplan für Kiel unabhängig davon vorantreiben", teilte Habeck mit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.03.2018 | 19:00 Uhr

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