Stand: 22.10.2019 07:37 Uhr

Sternfahrt: Landwirte protestieren gegen Agrarpolitik

von Christian Nagel

von Christian Nagel

Sie fühlen sich missverstanden, benachteiligt und haben Angst vor der Zukunft: Viele Landwirte im Norden wollen ihrem Ärger Luft machen und nehmen am Dienstagmorgen an der Aktion "Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch" teil. Mit einer landesweiten Sternfahrt mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu einer Kundgebung in Rendsburg wollen die Bauern auf sich und ihre Situation aufmerksam machen.

Vorbild ist eine Großdemo vor wenigen Tagen in den Niederlanden. Mehr als 2.000 Landwirte hatten mit ihren Treckern ein Verkehrschaos rund um Den Haag verursacht. Die schleswig-holsteinischen Bauern beginnen ihre Trecker-Sternfahrt an insgesamt 14 Startpunkten im ganzen Land - von Husum, über Eckernförde bis nach Preetz. "Wir erwarten bis zu 1.500 Trecker", sagt Dirk Andresen vom Organisationsteam. Bedeutet für Autofahrer: Auf einigen Straßen wird es nur im Schneckentempo vorangehen.

Mit 30 km/h nach Rendsburg und wieder zurück

Ziel der Sternfahrt ist eine Kundgebung, die ab 11 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz in Rendsburg stattfinden soll. Da die Traktoren nur etwa 30 bis 40 km/h schnell sind, rechnet die Landespolizei mit teils erheblichen Verkehrsbehinderungen im Berufsverkehr. Vor allem der Rendsburger Kanaltunnel könnte zu einem Nadelöhr mit langen Wartezeiten werden. Laut den Organisatoren werden die Landwirte gegen 12 Uhr wieder ihre Heimreise antreten.

Karte: Die Routen der Sternfahrt

Auf der Fläche vor der Nordmarkhalle wollen die Landwirte ihre Kritik deutlich machen. Dabei geht es vor allem um das Agrarpaket des Bundes. Es schränkt unter anderem den Einsatz von Planzenschutzmitteln ein. Und auch die Verschärfung der Düngeverordnung bereitet den Bauern Sorgen. "Beides lässt die Gewinne schrumpfen", sagt Landwirt Dirk Andresen. Er geht von einem Rückgang von rund 300 Euro pro Hektar im Jahr aus. "Für viele Betriebe könnte dies das Aus bedeuten", erläutert er.

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Stimmung insgesamt negativ

Viele Betriebe haben laut Andresen auch Angst vor Billig-Konkurrenz aus dem Ausland. Das Handelsabkommen der EU mit vier südamerikanischen Ländern (Mercosur-Handelsabkommen) gefährdet seiner Meinung nach die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.

Andresen und seinen Kollegen fühlen sich außerdem missverstanden: "Wir sind die Buhmänner der Politik", erläutert er. "Die permanente negative Stimmungsmache führt bei uns zu Ärger und Frustration. Das gefährdet die Zukunft der Betriebe und der ländlichen Räume", meint Andresen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2019 | 17:00 Uhr

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