Stand: 06.04.2020 13:19 Uhr

Statt Fahrverbot: "Sauberer Diesel" aus SH?

von Torben Dreyer und Christoph Klipp

Es liest sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Films: Ein ehemaliger Juwelier, ein Ingenieur und ein Unternehmer aus Siblin (Kreis Ostholstein) wollen die Mineralöl-Branche revolutionieren. Schon vor eineinhalb Jahren hat das Unternehmen HEION bewiesen, dass es Diesel herstellen kann, der nachweislich weniger Rußpartikel und Stickoxide bei der Verbrennung freisetzt. Nun soll das Produkt in Serie gehen. Teil 1 unserer Serie über den "sauberen Diesel" aus Siblin.

VIDEO: Die Diesel-Revolution (1) (5 Min)

Diesel-Revolution aus Reihenhauskeller

Knapp 500 Kilometer südlich von Siblin - im Rheinland bei Bonn - quetschten sich zwei Männer in einem Keller vor eine Metall-Fräse. Unzählige Reagenzgläser, kleine Kanister und Flaschen umringen sie. "Wir müssen alles alleine machen. Selbst zeichnen, drehen und zusammenbauen", sagen die Erfinder Anton Ledwon und Waldemar Lewtschenko. Dann schaltet der gelernte Juwelier Lewtschenko seine Fräse an. Ein lautes Rasseln schallt durch den Raum. Die Ideen für ihre Erfindungen kommen vor allem von Lewtschenko. Der Ukrainer habe schon in seiner Kindheit Physik-Lehrbücher verschlungen wie andere Märchen, erzählt er schüchtern. "Ich brauche keine Formel. Ich sehe einfach, wie etwas passiert und warum."

Ungefähr 2012 hatte er die ersten Ideen für den "sauberen Diesel". 2014 folgten die ersten kleinen Reaktoren. Sozusagen die ersten "Gehversuche", um mit wenig Energie einen Synthese-Vorgang zu starten. Denn genau darauf basiert das Grundprinzip ihrer Erfindung. In der neuen Anlage will HEION nicht einfach Diesel und Wasser vermischen, sondern durch einen Synthese-Prozess die Struktur des Diesels verändern. Also einen neuen Stoff herstellen.

Jedes Teil Handarbeit

Jetzt ist das Rasseln verstummt, Lewtschenko reicht Ledwon ein kleines goldenes Teil. Es ist eine von vielen Düsen. Sie verteilen die Gase und Flüssigkeiten im Reaktor so, dass die Synthese für den sauberen Diesel gelingt. Doch bis ihr neuer Reaktor fertig ist, fehlen noch Hunderte solcher kleinen selbstgefertigten Teile. Und das kann noch mehrere Monate dauern, erzählen die Erfinder.

Was passiert genau im Reaktor?

HEION mischt nicht einfach Diesel und Wasser, das Sibliner Start-up verändert durch einen Synthese-Prozess die Strukturen des Diesels. Dazu verwenden sie neben herkömmlichem Diesel im bestimmten Verhältnis Wasser als zweites Edukt. Das Wasser wird als Sauerstoffspender für den Synthesevorgang verwendet. Zuerst werden der Diesel und das Wasser im richtigen Verhältnis vorgeclustert bzw. vermischt. Danach wird diese Flüssigkeit unter bestimmten Parametern wie Volumenstrom, Druck und Temperatur in den Reaktor geleitet. Durch eine bestimmte Einstellung im Reaktor werden die Flüssigkeit und entsprechende Bauteile in Schwingung gebracht. Durch die Schwingung werden die Moleküle angeregt. Dieser angeregte Zustand der Moleküle führt zu einer Art Ungleichgewicht der Molekularstrukturen mit anschließender Stabilisierung durch Hydroxylionen aus dem aufgespalteten Wasser. Bei diesem Prozess bilden sich in gewissem Umfang Estermoleküle im Diesel, die letztendlich zur saubereren Verbrennung des neuen HEION-Diesels führen.

Teil 2 und 3
(14) Anton Ledwon und Waldemar Lewtschenko stehen in ihrer Werkstat an einem computergesteuerten Reaktor. © NDR Foto: Christoph Klipp

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(37) Anton Ledwon und Waldemar Lewtschenko beglückwünschen sich in einer Halle. © NDR Foto: Christoph Klipp

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Schleswig-Holstein Magazin | 06.04.2020 | 19:30 Uhr

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