Blick in den leeren Saal eines Landgasthofs. © NDR/7 Tage

Sorgentelefon für Gastwirte geht an den Start

Stand: 06.09.2021 17:03 Uhr

Die Corona-Pandemie trifft auch jetzt noch viele Landgasthöfe schwer. Zahlreiche Wirte wissen zudem nicht, wer den Betrieb später mal übernimmt. Ein Sorgentelefon soll jetzt Abhilfe schaffen und die Landgastwirte vernetzen.

von Christian Nagel

Jedes Jahr nimmt die Zahl der Landgasthöfe in Schleswig-Holstein ab. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schätzt, dass die Zahl der Betriebe in den vergangenen 15 Jahren um etwa 35 Prozent zurück gegangen ist. Die Gründe dafür sind oft die gleichen: Die nächste Generation möchte den traditionellen Familienbetrieb nicht übernehmen oder die Gäste bleiben aus. Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Lockdowns verschärften die Situation vor allem für die Betriebe im Binnenland laut Dehoga noch mal deutlich. "Während die Gastronomen an den Küsten inzwischen wieder viele Gäste begrüßen konnten, kämpfen die Betriebe auf dem Land noch immer mit ausbleibender Kundschaft", meint Dehoga Geschäftsführer Stefan Scholtis.

Landgasthöfe sollen sich vernetzen

Die Akademie für ländliche Räume Schleswig-Holstein hatte nach eigenen Angaben schon vor der Corona-Pandemie die Idee, betroffene Gastwirte mit einem Hilfsangebot zu unterstützen. "Daraus ist das Sorgentelefon für landgastronomische Betriebe entstanden", sagt der Akademie-Vorsitzende Hermann-Josef Thoben. "Ich glaube, wenn wir nichts täten, dann würden wir Gefahr laufen, dass noch viele gastronomische Betriebe schließen würden", so Thoben. Neben der Beratung der Wirte setzt das Sorgentelefon auch darauf, dass sich die Landgasthöfe in Schleswig-Holstein vernetzen.

Sorgentelefon berät auch anonym

Betreut wird das Sorgentelefon vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, kurz KDA. Beraterin Maike Hagemann-Schilling erwartet in der Anfangszeit etwa sechs telefonische Anfragen in der Woche. "Neben wirtschaftlichen Sorgen wird es in den Gespräch auch um die familiären Folgen gehen", ist sich Hagemann-Schilling sicher. Sie stammt nach eigenen Angaben selbst aus einer schleswig-holsteinischen Gastronomie-Familie. "Die Hilfesuchenden müssen ihre Namen nicht nennen. Alles was sie sagen, unterliegt der Schweigepflicht", ergänzt sie.

Am Freitag soll das Sorgentelefon unter der Rufnummer 0431-557 794 40 starten. Die Gespräche werden zunächst von einem Anrufbeantworter entgegen genommen. Für die Beratungsgespräche rufen die Mitarbeiter des KDA dann zu einem Wunschtermin zurück.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.09.2021 | 17:00 Uhr

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