Stand: 20.11.2018 20:00 Uhr

Sondermülldeponie: Anschuldigungen zurückgewiesen

Lübecks Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) und andere Kommunalpolitiker haben die Betreiber der Sondermülldeponie Ihlenberg zu dem jüngsten Bericht über Mängel bei der Prüfung des eingelagerten Mülls befragt. Die Geschäftsführung der Deponie hat am Dienstag im Umweltausschuss der Bürgerschaft die Anschuldigungen zurückgewiesen, weil der zugrunde gelegte Prüfbericht eines ehemaligen Mitarbeiters oberflächlich sei und schwere Fehler bei der Erstellung aufweise.

Angst vor Gift im Grundwasser

Seit Jahren sorgen sich viele Lübecker wegen der angrenzenden Sondermülldeponie Ihlenberg bei Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern. Umweltexperten befürchten, dass Gift aus der Deponie in das Grundwasser gelangen könnte.

Sporadische Prüfungen, überschrittene Grenzwerte

Dem Prüfungsbericht von Ex-Abteilungsleiter und Chef-Revisor Stefan Schwesig zufolge, sei der eingelagerte Müll lange Zeit nur sporadisch kontrolliert worden. Nur jede dreißigste Lkw-Ladung soll in der Vergangenheit untersucht worden sein. Außerdem ist dem Prüfbericht zufolge bei einigen Proben der vorgeschriebene Schwermetallgehalt deutlich überschritten worden.

Geschäftsführung: Wenige Grenzwertüberschreitungen

Die Geschäftsführung der Deponie Ihlenberg hält dagegen, dass weniger als 1 Prozent, also nur 64 von rund 13.000 untersuchten Fällen, die zulässigen Werte bei Schwermetallen überschritten hätten. Das habe der Prüfbericht des ehemaligen Mitarbeiters Schwesig verschwiegen. 99 Prozent der untersuchten Werte seien demnach gar nicht berücksichtigt worden.

Irreführende Schlussfolgerungen und Verunsicherungen?

Deshalb habe der Prüfbericht des früheren Abteilungsleiters zu irreführenden Schlussfolgerungen und Verunsicherungen bei den Mitarbeitern geführt. Ihren Angaben zufolge ist es außerdem rechtlich nicht zu beanstanden, wenn jeder dreißigste Lkw mit Sondermüll überprüft würde - eigentlich müsse nur jeder hundertste Lkw genau untersucht werden, unterstrich die Geschäftsführung.

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Landesregierung MV reagiert

Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung hat hohe Grenzwert-Überschreitungen bei Schwermetallen eingeräumt. Hochbelastete Mülllieferungen aus Italien, über die der Aufsichtsrat der landeseigenen Deponie angeblich nicht informiert war, seien vorerst ausgesetzt worden. Zudem gebe es jetzt ein strengeres Monitoring: Von jedem eingehenden Transport würden Proben genommen. Das koste 10.000 Euro pro Tag. Auch sei ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben worden, erklärte die Landesregierung in Schwerin.

Sonderbeauftragter soll aufklären

Zudem soll der ehemalige Rechnungshofpräsident Tilmann Schweisfurth jetzt als Sonderbeauftragter der Landesregierung die Vorgänge in dem landeseigenen Betrieb aufklären, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) gemeinsam mit dem Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Dienstag in Schwerin an.

Die größte Sondermülldeponie Europas

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.11.2018 | 19:00 Uhr

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