Stand: 24.04.2017 15:52 Uhr

So sollen Schweinswale nicht im Netz landen

Jedes Jahr folgen Hunderte Schweinswale großen Herings- und Makrelenschwärmen und gelangen so bis vor die Ostseeküste Schleswig-Holsteins. Das Problem: Zwischen 50 und 200 von ihnen landen unfreiwillig in Stellnetzen von Fischern. Denn die Meeressäuger können die feinen Maschen der Netze mit ihrem Biosonar nicht erfassen. Ein neu entwickelter Sender könnte das Problem nun lösen, glaubt der Meeresbiologe Professor Boris Culik aus Heikendorf.

Sender imitieren natürlichen Warnruf der Schweinswale

Knapp neun Jahre hat Culik an seiner Erfindung gearbeitet: Sogenannte PAL-Sender sollen die Signale eines Schweinswals unter Wasser imitieren. Alle 8 bis 24 Sekunden löst der Sender ein Klickgeräusch aus - für die Schweinswale klingt das nach einem Artgenossen, der sie davor warnt, näherzukommen. "Bisher gab es Geräusche, die unangenehm für die Tiere waren und sie weiträumig vertrieben haben, also so eine Art 'Schweinswal-Scheuchgeräusche'", erklärt Culik. "Wir wollen jetzt aber, dass sie mit ihrer Echo-Ortung ein Netz als Gefahr erkennen." Die Wale sollen die Netze mit dem Warngeräusch zusammenbringen und sie langfristig meiden.

Fischer sollen Sender einsetzen

Dass das Geräusch wirklich dazu führt, dass die Wale einen Bogen um die Netze machen, hat das Thünen-Institut für Ostseefischerei in den letzten drei Jahren umfangreich mit Fischern bei Tests in der westlichen Ostsee nachgewiesen. Dort sei die Beifangquote von Schweinswalen um bis zu 70 Prozent verringert worden, sagt Culik. Jetzt gehen die Sender großflächig in den Einsatz. Ingesamt mehr als 1.600 PAL-Sender sollen an schleswig-holsteinische Fischer ausgegeben werden. Die ersten hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Flensburg verteilt. Das Umweltministerium fördert das Projekt mit rund 430.000 Euro.

Bild vergrößern
Schweinswale sind die einzigen Wale, die in der Ostsee heimisch sind.
Umweltverbände fordern wissenschaftliche Beobachtung

Die Naturschutzverbände WWF, BUND, NABU und LNV sind noch nicht überzeugt, dass der PAL-Sender das Beifangproblem wirklich lösen wird. Sie fordern, den Praxistest eng wissenschaftlich zu beobachten und zu vergleichen, ob mit den Sendern mehr oder weniger Schweinswale gefangen werden als vorher. "Wir müssen ausschließen können, dass die Warnsignale Schweinswale aus dem für sie geschützten Lebensraum vertreiben", erklärt Ragnar Schaefer vom Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein. Neben Schweinswalen würden sich außerdem zahlreiche Tauchenten in den Stellnetzen verfangen, die von den PAL-Sendern nicht profitieren würden. Deshalb fordern die Naturschutzverbände, fischereifreie Gebiete einzurichten.

Weitere Informationen

Großer Lauschangriff auf Schweinswale

Ein internationales Forschunsgprojekt will neue Erkenntnisse über Schweinswale in der Ostsee gewinnen. Dazu werden 300 Schalldetektoren am Meeresgrund verankert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.04.2017 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:11
Schleswig-Holstein Magazin

Spitzenkäse aus Itzehoe

16.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:09
Schleswig-Holstein Magazin

Göteborger Freizeitpark wird zur Weihnachtsstadt

15.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:11
Schleswig-Holstein Magazin

Operette in Lübeck nimmt Topmodel-Wahn aufs Korn

15.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin