Buntes Feuerwerk. © fotolia

Silvester in SH: Feuerwerk erlauben oder verbieten?

Stand: 25.11.2020 05:00 Uhr

Städte und Gemeinden warten auf Beschlüsse von Bund und Ländern. Krankenhäuser im Land sind für ein Böller-Verbot.

von Marc Kramhöft

Die Niederlande haben sich als erstes Land in Europa festgelegt: Mitte des Monats verkündete Ministerpräsident Mark Rutte, dass das traditionelle Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr verboten wird. So soll das Gesundheitsystem während der Corona-Pandemie entlastet werden. Die Sorge ist, Patienten mit Verletzungen durch Böller könnten wichtige Kapazitäten in Krankenhäusern blockieren. Inzwischen läuft die Diskussion auch in Schleswig-Holstein: Feuerwerk erlauben oder verbieten?

Innenministerin ruft zu Verzicht auf

Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) hatte bereits in der vergangenen Woche im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein an die Schleswig-Holsteiner appelliert, in diesem Jahr auf Knallkörper zu verzichten. Die Ministerin liegt damit auf dem Kurs der Union bundesweit. Denn geht es nach CDU und CSU, soll es bei einem Aufruf zum Verzicht bleiben und Verbote sollten höchstens für belebte Plätze ausgesprochen werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage für das heutige Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hervor. Die SPD-geführten Bundesländer dagegen wollen Feuerwerk untersagen.

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Kiel: Bisher kein Verbot geplant

Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein hatten das Thema bereits selbst auf der Agenda und warten nun auf die Beschlüsse von Bund und Ländern. In Kiel etwa ist bisher ein grundsätzliches Böllerverbot nicht geplant. "Ein entsprechender Vorstoß der SSW-Ratsfraktion vergangene Woche hat keine Zustimmung in der Politik gefunden", sagte ein Stadtsprecher auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. Nun werden die Karten aber eventuell noch einmal neu gemischt: "Wir beobachten selbstverständlich die Fallzahlenentwicklung, möglicherweise ergeben sich auch aus den Bund-Länder-Beratungen neue Regelungen."

Lübeck und Flensburg sind noch unentschieden

Ähnlich reagiert die Stadt Flensburg. Ein Sprecher teilte mit, dass zunächst die Beschlüsse am Mittwoch abgewartet werden. Anschließend werde man über die Umsetzung beraten. Auch im Lübecker Rathaus liefen nach Angaben einer Sprecherin bereits interne Diskussionen, eine Entscheidung war innerhalb der kommenden zwei Wochen geplant. Möglicherweise wird sie der Stadt also im Vorwege abgenommen.

Krankenhäuser wollen Böllerverbot

Deutlicher positionieren sich die Kliniken in Schleswig-Holstein. Vom Städtischen Krankenhaus in Kiel heißt es beispielsweise, dass an Silvester fünf bis sechs Menschen mit Verletzungen durch Pyrotechnik behandelt werden müssen. Diese Zahlen hätten zwar nicht das Potential, Kapazitäten für mögliche Corona-Patienten zu blockieren. Dennoch, so die Klinik, wäre ein Verbot von Feuerwerk hilfreich, "da derzeit jegliche Veranstaltungen, die mit Treffen von größeren Gruppen verbunden sind, bei denen die Einhaltung der Hygieneregeln nicht immer möglich erscheint, zu einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen führen können." Außerdem sei die personelle Besetzung an Silvester unter anderem im Bereich der Pflege noch nicht absehbar.

WKK-Sprecher: Größere Zusammenkünfte sind die Gefahr

Auch ein Sprecher der Westküstenkliniken mit Standorten in Heide und Brunsbüttel bezeichnet das Patientenaufkommen durch Böller als "überschaubar". Trotzdem appelliert auch er mit Blick auf größere Zusammenkünfte an die Schleswig-Holsteiner, den Jahreswechsel in diesem Jahr ohne Pyrotechnik zu feiern: "Eine größere Gefahr für die Kapazitäten der Kliniken ist nicht das Feuerwerk, sondern dass infolge der Feiertage die Zahl der Corona-Infektionen wieder ansteigt."

Umfrage: 64 Prozent sind für ein Verbot

Auch überregional sorgt das Thema für Diskussionen: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zweifelt an der Umsetzbarkeit eines Verbots, der Verband der pyrotechnischen Industrie warnt vor der Insolvenz einer ganzen Branche. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov sind dennoch 64 Prozent der Befragten in Deutschland für ein Verbot von Feuerwerk, 25 Prozent lehnen es ab. Einige Städte und Gemeinden haben bereits angekündigt, die Maßnahme durchzusetzen. So will Köln das Böllern zumindest in der Altstadt verbieten. Die große Silvester-Party am Brandenburger Tor in Berlin ist ebenfalls abgesagt.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.11.2020 | 17:00 Uhr

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