Stand: 28.08.2019 17:55 Uhr

Senvion-Beschäftigte: Frustration und Hoffnung

von Sabine Alsleben

Tag der Entscheidung am Mittwoch bei Senvion in Osterrönfeld und Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Die rund 800 Beschäftigten der schleswig-holsteinischen Standorte wurden zur Betriebsversammlung geladen. Und sie kamen zahlreich. Um kurz vor 15 Uhr, auf dem Weg zur Versammlungshalle, reichten die Gesichter von entspannt über angespannt bis ängstlich. Was würde sie erwarten? Gerüchte wurden ausgetauscht, diskutiert und dementiert. Wird es nun endlich Klarheit über ihre Zukunft geben?

Die Aussenfassade eines Gebäudes der Firma Senvion.

Senvion wird aufgeteilt

Schleswig-Holstein Magazin -

Schlechte Nachrichten auf der Betriebsversammlung in Osterrönfeld. Der Windanlagenhersteller Senvion wird zerschlagen und muss Teile seines Geschäftsbetriebs stilllegen.

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Auch Nachbarn sind besorgt

Eine Atmosphäre, die sich offenbar auch auf die Anwohner in Osterrönfeld überträgt: "Es wäre wirklich schade, wenn das hier dicht gemacht wird. Da hängen ja ganze Familien dran. Ich drücke den Beschäftigten wirklich die Daumen", sagt eine Spaziergängerin. "Das Gebäude hier wurde uns ja extra für Senvion vor die Nase gesetzt. Was soll sonst daraus werden?"

September-Gehalt ist gesichert

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Senvion-Mitarbeiter stehen nach der Betriebsversammlung in Grüppchen zusammen und besprechen das gerade Gehörte.

Inzwischen ist klar: der Windanlagenbauer wird zerschlagen - ein Verkauf als Ganzes ist gescheitert. Ganz konkrete Neuigkeiten, speziell für Osterrönfeld und Büdelsdorf, blieben aus. Sehr zum Frust für viele der Beschäftigten. "Im Prinzip wurden wir über die gesetzlichen Grundlagen informiert. Wichtig ist, dass das September-Gehalt gesichert ist. Aber ansonsten stumpft man allmählich ab.", gesteht ein Beschäftigter, der seit elf Jahren im Betrieb ist. "Je länger der Prozess dauert, um so mehr lasse ich es abprallen. Wir müssen damit leben." Das bestätigt auch sein Kollege, der seit mehr als zehn Jahren im Qualitätsmanagement von Senvion arbeitet: "Wir haben schon einige Krisen durch, da wird man abgeklärt."

Gerüchte wurden bestätigt

Die Betriebsversammlung bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von über 30 Grad, dauerte gut eine Stunde. "Im Prinzip wurde uns nur das bestätigt, was wir in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder gemutmaßt hatten, worüber es Gerüchte gab", sagt eine Frau, als sie die Versammlungshalle verlässt.

Schlechte Aussichten für Osterrönfeld

Offiziell ist also: Es gibt potentielle Investoren, die starkes Interesse daran haben, den Standort in Büdelsdorf zu übernehmen. Für Osterrönfeld sieht es dagegen nicht so gut aus. Laut IG Metall, die auch auf der Betriebsversammlung vertreten war, könnten in Schleswig-Holstein mehrere Hundert Arbeitsplätze wegfallen. Der große Schock darüber blieb aber aus. Schließlich bangen die Senvion-Beschäftigten schon seit fast über einem halben Jahr um ihre Arbeitsplätze. Die meisten von ihnen hatten sich für diesen Mittwoch mehr Klarheit gewünscht.

"Wir sind ein gutes Team"

Einige sind bereits jetzt auf Job-Suche - für den Fall der Fälle, sagt einer der Mitarbeiter. "Klar bin ich offen für andere Jobs. Gerade wenn man eine Familie hat, muss man sehen, wo man bleibt. Aber wir sind hier ein so gutes Team und Schleswig-Holstein ist ein Windland. Ich glaube einfach an das Gute und dass es hier weiter geht."

Stichtag 10. September

Weiter geht es nun auf jeden Fall mit den Verhandlungen mit den potentiellen Investoren. Nach jetziger Planung müssen die Verträge am 10. September fertig sein. Am Tag danach entscheiden dann die Gläubiger von Senvion über den Teilverkauf. Dazu soll es eine große Versammlung in Hamburg geben. Unterdessen drängt die IG Metall weiter auf eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter, die hier in Schleswig-Holstein ihren Job verlieren. Nach einer Vereinbarung mit Senvion gibt es die aber erst, wenn es tatsächlich zu einem Teilverkauf gekommen ist.

Die Unsicherheit bei den Angestellten bleibt

Die Ungewissheit und Verunsicherung unter den Beschäftigten konnte mit der Betriebsversammlung am Mittwoch also nicht genommen werden. Einige zeigten sich frustriert, andere halten an der Hoffnung fest. So wie eine Frau, die seit zwölf Jahren als strategisch-operative Einkäuferin für Senvion arbeitet: "Das Leben besteht aus Veränderungen. Ich bin für den Service tätig - deswegen hoffe ich einfach, dass mein Job erhalten bleibt. Für die Kollegen in Bremerhaven tut es mir leid."

Erste Kündigungen im September

An diesem Mittwoch wurde auch bekannt gegeben, dass für die Turbinenfertigung von Senvion in Bremerhaven kein Käufer gefunden wurde. Der Konzern muss deshalb aufgeteilt werden, um einzelne Bereiche an Investoren zu verkaufen. Die ersten Mitarbeiter in Bremerhaven sollen laut Geschäftsleitung im September gekündigt werden. Wie viele Beschäftigte genau ihre Jobs verlieren werden, ist nach wie vor unklar.

Was bleibt, ist für die Mitarbeiter an den schleswig-holsteinischen Senvion-Standorten - nach wie vor - Hoffen und Bangen.

Weitere Informationen

Senvion: Verkauf als Ganzes gescheitert

Der Verkauf des Windanlagenherstellers Senvion ist gescheitert, jetzt geht es nur noch um Teilverkäufe. Für den Standort Büdelsdorf besteht demnach noch Hoffnung, anders sieht es für Bremerhaven aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.08.2019 | 18:00 Uhr

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