Stand: 13.02.2017 05:00 Uhr

"Seit ich Landwirt bin, verändert sich immer alles"

von Cassandra Arden

Zum Hof von Peter und Silke Andresen in Quern (Kreis Schleswig-Flensburg) führt eine schmale Zufahrtsstraße. Seit 1756 steht er da, immer in Familienbesitz. Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern, um irgendwann zu übernehmen. Das breite Wohnhaus mit vielen Sprossenfenstern, in dem die Andresens mit ihren drei Söhnen leben, hat schon Generationen vor ihnen beherbergt. Früher wohnten Menschen und Tiere hier unter einem Dach - das geht heute nicht mehr, schon wegen der Menge an Tieren. Inzwischen ist das Haus komplett renoviert. Wo zuletzt der Schweinestall war, ist jetzt eine Ferienwohnung. Und die Technik macht es möglich, dass nur drei Leute alle rund 300 Tiere versorgen: Silke und Peter Andresen und eine Auszubildende regeln alles, was anfällt.

Landwirtschaft seit Generationen in Quern

Maschinen übernehmen das Füttern und Melken

Peter Andresen hat den Hof rund acht Jahre lang zusammen mit seinem Vater geführt, damals hatten sie etwa 50 Kühe. Nun führt er ihn schon drei Jahrzehnte mit seiner Frau. Andresen ist niemand, der sich gegen Fortschritt wehrt. Er gehört auch nicht zu denen, die nur darüber klagen, wie schwer alles ist. "Neu ist immer eine Verbesserung", sagt er. "Man muss mit Veränderungen leben lernen. Seit ich Landwirt bin, verändert sich immer alles." Und so melken seit gut acht Jahren hier zwei Melkroboter die 150 Milchkühe. Zwei Computer gesteuerte Maschinen - sogenannte "Kälber Mamas" - sorgen dafür, dass jedes Kalb genug Milch bekommt. Jedes Tier hat einen Chip, und so erkennen die Maschinen, ob das Tier, das vorbeikommt, gemolken oder gefüttert wird oder nicht.

Zwei Landwirte aus Überzeugung

Drei Männer und eine Frau sitzen in einem Hörfunkstudio und schauen in die Kamera. © NDR Fotograf: Andrea Ring

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Die Zeiten sind nicht leicht für Milchviehhöfe, die Milchpreise sind lange Zeit immer nur gefallen und der Konkurrenzdruck ist groß. Trotzdem ist Peter Andresen Optimist und Landwirt aus Überzeugung - wie sein Sohn Henning, der den Hof übernehmen möchte. Er ist 21 Jahre alt und studiert im dritten Semester Landwirtschaft in Rendsburg. Warum? "Es macht einfach Spaß", sagt er. Und während viele Laien romantische Vorstellungen haben wie "Trecker fahren und mit Kälbern schmusen", lächelt Henning Andresen und sagt: "Trecker fahren gehört natürlich auch dazu." Er mag die Arbeit, sie ist jeden Tag und je nach Jahreszeit eine andere. "Man sieht die Kühe kalben, die Kälber aufwachsen. Man sieht, was man geschafft hat", sagt er. Das war früher wie heute so.

Nicht jede Vorschrift leuchtet ein

Was anders geworden ist, ist der bürokratische Aufwand. "Manche Vorschriften machen einfach keinen Sinn", findet der angehende Landwirt. So ist vorgeschrieben, zwei Mal am Tag die Kälber im Stall anzuschauen und darüber Buch zu führen. "Dort sind wir ja sowieso drei Mal täglich." Aber auch damit muss man umgehen, seinen Weg suchen und einen Mittelweg finden. Verweigern kann man sich nicht, da stimmen Vater und Sohn überein. Den Andresens ist wichtig, dass ihre Tiere gesund und gut versorgt sind, nicht mager werden. Nur so geben sie genug Milch. Die Familie lebt von und mit den Tieren. Reich werde man nicht damit, sagt Henning Andresen, aber "Landwirtschaft ist eine Lebensart", ergänzt sein Vater.

"Man muss immer besser werden"

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Henning Andresen studiert, um irgendwann den Hof wirtschaftlich weiterzuführen.

Viele Betriebe geben auf, weil sie keinen Nachfolger finden oder weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt. Die Andresens wirken nicht so, als hätten sie Angst vor der Zukunft. "Man muss einfach immer besser werden", sagt der Junior. "Durchschnittlich sein reicht nicht mehr", stimmt sein Vater zu. "Die Produktivität muss optimiert werden." Das bedeutet für ihn: Wie kann mehr Milch erzeugt werden, bei gleichen oder gar weniger Kosten? In dieser Formel muss es den Kühen gut gehen. "Gesunde Kühe bedeuten eben auch weniger Kosten, außerdem geht es auch um die Ehre eines Landwirts", konstatiert Peter Andresen. Im Moment seien sie - wenn man Fläche, Ertrag und Kühe betrachtet - optimal aufgestellt.

Auch mal schauen, wie es woanders läuft

Wie das in 20 Jahren aussieht? Henning Andresen runzelt die Stirn "Ich glaube, dass größere Betriebe sich weiter vergrößern, aber nicht mehr so schnell." Wichtig sei, mit der Zeit zu gehen und an den Stellschrauben zu drehen, an denen man drehen kann. Zum Beispiel: die Silage verbessern. Je besser das selbst gemachte Grundfutter für die Tiere ist, desto weniger muss beigemischt werden. Das spart Geld und gutes Futter macht die Tiere zufrieden und gesund. Um solche Entscheidungen richtig zu treffen und auch in zehn Jahre noch wirtschaftlich zu arbeiten, studiert Henning. Sein Vater findet das richtig, denn Wissen und Technik werden immer wichtiger. Henning Andresen wird wohl nicht direkt nach dem Studium den Hof übernehmen. "Ich musste nach der Ausbildung gleich zurück auf den Hof - ich wurde gebraucht", erzählt sein Vater. Henning werde zwar auch gebraucht, "aber er soll ruhig erst noch gucken, wie es woanders ist".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 12.02.2017 | 18:05 Uhr

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