Stand: 08.07.2019 18:56 Uhr

Sea-Watch: Fragwürdige Vorwürfe und Hetze im Netz

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Kapitänin Rackete hat sich nach der Freilassung aus dem Hausarrest an einen geheimen Ort zurückgezogen.

Die gesamte Rettungsaktion der "Sea-Watch 3" wird in den sozialen Medien und in den Kommentaren zur medialen Berichterstattung sehr kontrovers diskutiert, wobei auch viele unbewiesene Behauptungen und unsachliche Vermutungen die Runde machen.

Ganz offen wird der Hilfsorganisation und der Kapitänin Carole Rackete etwa vorgeworfen, zu lügen, sich nur als Retter zu tarnen und tatsächlich als Partner von Schleusern Flüchtlinge direkt an der Küste aufzunehmen.

War die "Sea-Watch 3" in einem Libyschen Hafen?

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Zuletzt wurde der Kapitänin und ihrer Crew vorgeworfen, sie hätten die Flüchtlinge direkt in Libyen abgeholt oder sie dort nicht abgeliefert - obwohl sie doch den Hafen von Bouri in Libyen angelaufen seien.

"Das stimmt nicht", dementiert ein Sprecher der Sea-Watch-Zentrale in Berlin entschieden solche Gerüchte. Der angegebene "Hafen von Bouri" sei "ein Ölfeld auf hoher See in internationalen Gewässern", das offiziell zu Bouri gehört, so der Sprecher, der den Vorwurf schon häufiger gehört hat.

Tatsächlich kursieren im Netz viele Links zu der Schiffs-Tracking-Website "vesselfinder.com". Den Links zufolge ist die "Sea-Watch 3" am Abend des 12. Juni - dem Tag, an dem die Flüchtlinge an Bord genommen wurden - als einlaufendes Schiff in dem libyschen Hafen Bouri registriert worden.

Angeblicher Hafen ist ein Offshore-Ölbohrfeld

Laut Sea-Watch hat sich ihr Rettungsschiff an dem Tag in internationalen Gewässern aufgehalten und etwa 47 Meilen vor der libyschen Küste 53 Flüchtlinge in einem nicht seetauglichen Schlauchboot entdeckt und an Bord genommen. Auch auf anderen, kostenpflichtigen Schiffs-Tracking-Websites mit etwas genauerer Auflösung wird diese Darstellung von Sea-Watch eindeutig bestätigt. Dort ist zu sehen, dass die "Sea-Watch 3" am Nachmittag den Kurs Richtung Lampedusa geändert hat und am Abend um 21.06 Uhr das Ölfeld "Bouri" passiert hat - rund 75 nautische Meilen von der Küste entfernt.

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Die Grafik zeigt den Kurs der "Sea Watch 3" am 12. Juni - dem Tag, an dem das Schiff laut Online-Kommentatoren den Hafen von Bouri angelaufen sein soll.

Schon durch eine einfache Suche des Hafens von Bouri im Internet oder nur genauerem Hinsehen auf der oft zitierten Website "vesselfinder.com" kann dies ganz einfach verifiziert werden: Schon ein Klick auf die Koordinaten von Bouri öffnet eine Karte mit der Position des angeblichen "Hafens von Bouri" - 75 Meilen vor der Küste, bestehend aus zwei Bohrplattformen und einer Öl-Verladestation.

Ein anderes Rettungsschiff, das aktuell in den Schlagzeilen ist - die "Alan Kurdi" -, ist laut "vesselfinder" gleich an zwei Tagen hintereinander als einlaufendes Schiff in Bouri registriert worden - allerdings nie als auslaufendes Schiff. Allein das könnte Leser von Schleuser-Theorien im Zusammenhang mit Rettungsschiffen schon stutzig machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.07.2019 | 15:00 Uhr

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