Schwedenecks Altersheim für Pferde

Stand: 10.07.2021 06:00 Uhr

Für Besitzerin Christiane Sals war es keine leichte Aufgabe, einen geeigneten Stall für ihr altes Pferd zu finden - denn das Alter hat die Bedürfnisse ihres Wallachs "Lanzelot" verändert.

von Anna-Lena Trey

Christiane Sals und ihr Wallach "Lanzelot" sind seit 22 Jahren ein Team. Das ehemalige Turnierpferd ist bis auf einige Alterswehwehchen fit für seine alten Tage. Mit der Zeit ist jedoch die Versorgung des mittlerweile 27-jährigen Pferdes für die Besitzerin aus Kronshagen aufwendiger und nur noch schwer leistbar geworden: Normal übliche Mengen Rau- und Kraftfutter reichen nicht mehr aus, damit "Lanzelot" - genannt "Plüsch" - sein Gewicht halten kann und nicht zu sehr abbaut.

Vollpension für alte Pferde

Der Pferde-Senior benötigt zusätzliches, speziell eingeweichtes Futter - mit der Zeit mehrmals am Tag. Für die Besitzerin bedeutete das tägliche Verpflichtung, Planung und auf Hilfe von anderen Einstellern angewiesen zu sein: "Ich arbeite Vollzeit und kann nicht selbst mehrmals täglich zum Füttern vor Ort sein. Ich möchte auch nicht immer jemanden bitten und dafür einspannen."

Den Anstoß, über einen Wechsel aus dem vorherigen normalen Pferdepensionsbetrieb in einen altersgerechten Stall nachzudenken, gab der langjährige Pferdezahnarzt. "Lanzelot"s Zähne wurden schlechter, die Futterverwertung dadurch schwieriger. Es zeichnete sich ein Versorgungsaufwand für die Zukunft ab, der für die Besitzerin nur schwer umsetzbar wäre. "Und dann habe ich angefangen zu suchen. Es ist wirklich schwierig - hier in der Gegend ist nicht viel, wo man sein altes Pferd in Vollpension hinstellen kann", schildert Sals ihre Herausforderung.

Anfängliche Sorgen schnell beseitigt

Lanzelot frisst aus seinem Trog, der mit speziell für ihn eingeweichtem Futter gefüllt ist. © NDR Foto: Anna-Lena Trey
"Lanzelot" benötigt speziell eingeweichtes Futter, denn mit den Zähnen bekommt er normales Rau- und Kraftfutter nicht mehr so gut zerkleinert. Nur so kann er auch in seinem hohen Alter sein Gewicht halten.

Eigentlich sollte "Lanzelot" seinen Lebensabend in seinem langjähigen Offenstall in seiner vertrauten Herde erleben. Besitzerin Christiane Sals wollte ihrem Senior dadurch Stress und Unruhe ersparen. Doch die Umstände rüttelten an ihrem Plan und sie entschied sich trotz anfänglicher Befürchtungen im Herbst letzten Jahres für "Lanzelot"s Umzug in den altersgerechten Boxenstall mit Weidegang. Plüschs vierbeiniger Senior-Kumpel "Gellert" durfte kurzerhand mit nach Schwedeneck (Kreis Rendsburg-Eckernförde) umziehen - die beiden Füchse sind nun Boxen-Nachbarn. Ihre Eingliederung in die neue Herde verläuft zur Freude und Erleichterung der Pferdebesitzerin ruhig und reibungslos. Auch die Haltungsumstellung bereitet dem in jungen Jahren am Kehlkopf operierten Wallach keine Probleme. Frische Luft und wenig Staub sind für seine Atemwege besonders wichtig. Für Sals Portmonee ist der Stallwechsel keine große Umstellung - nur das Angebot ist ein anderes.

Das Alter verändert die Bedürfnisse: Vollzeitjob Pferdealtersheim

"In einem normalem Pensionsstall hat man eine andere Zielgruppe. Dort stehen in der Regel gesunde Pferde, die, was das Futter und die Beweglichkeit angeht, nicht so eingeschränkt sind. Sie kommen mit normalem Rau- und Kraftfutter aus, das nimmt weniger Zeit in Anspruch", erklärt Besitzerin Christiane Sals. Ein altes Pferd falle dann irgendwann aus der Reihe, weil es zeitlich und logistisch mehr Bedürfnisse erfordere als ein Pferd, was zum Beispiel beim Fressen keine Probleme hat. In vielen Ställen sei das nicht leistbar und nicht im Angebot.

Individuelle Fürsorge

Das Senioren-Angebot von Nis-Hinrich Wittern ist begehrt: Alle Boxen sind voll, auf einer Wartelisten hoffen weitere Interessenten auf einen Stellplatz. Für den Landwirt in dritter Generation und sein Team ist das Pferde-Altersheim ein Vollzeit-Job. Auf dem ersten Stallrundgang am Morgen überprüft Nis-Hinrich Wittern die Gesundheit seiner vierbeinigen Bewohner. Kommt ein Pferd aus dem Liegen nicht mehr alleine hoch, hilft er wieder auf die Beine.

Dreimal täglich versorgt er Plüsch und die anderen Pferde in ihren Boxen mit individuellem Futter und Medikamenten. Jedes Pferd bekommt die Zeit, die es zum Auffressen benötigt. "Die großen Boxen bieten Rückzugsmöglichkeiten für die Pferde. Dort können sie in Ruhe schlafen oder fressen, ohne aufpassen zu müssen, dass ein anderer sie ärgert", erklärt Wittern. Bei moderatem Wetter sind die Windnetze des Stalls geöffnet, sodass auch im Stall Außenklima herrscht und eine Brise von der nahegelegenen Ostsee hineinweht. 

Pferderentner trotzen dem Wetter

Nis-Hinrich Wittern hebt einen Eimer Futter vom Futterwagen, um ihn in den Trog des Pferdes umzufüllen. © NDR Foto: Anna-Lena Trey
Dreimal täglich geht es für Nis-Hinrich Wittern mit dem Wagen durch die Stallgasse: In vielen bunten Eimern ist das Futter individuell für jedes der Rentner-Pferde vorbereitet.

Tagsüber ist "Lanzelot" bei Wind und Wetter zusammen mit der Herde auf der an den Stall angrenzenden Weide - sie sind in zwei Gruppen getrennt, sodass Ruhe zwischen den ranghohen und den rangniedrigen Pferden herrscht. Wenn es sehr nass und stürmisch oder extrem heiß ist, verkürzt sich die Weidezeit zum Schutz der Pferderentner. Während die Vierbeiner draußen grasen, schlafen oder an der Strohraufe fressen, misten Wittern und sein Team die 33 Boxen im ehemaligen Sauenstall, bereiten Futter und Medikamente vor und legen Raufutter in die Boxen.

Auch Medikamente werden verteilt

Bei Bedarf werden die Pferde auch ein viertes Mal gefüttert, weitere Male medikamentiert, ein- und ausgedeckt, dem Tierarzt vorgestellt, geputzt oder eingecremt. "Lanzelot"s Hinterbeine müssen aufgrund seiner altersbedingten Inkontinenz regelmäßig gewaschen und eingecremt werden.

"Für mich ist dieser Stall eine große Erleichterung. Ich muss mich um nichts mehr kümmern, nichts vorplanen, nichts überlegen oder besorgen. Ich komme nur noch mehrmals die Woche nach Feierabend fürs Pferde-Entertainment her sozusagen - alles andere wird hier erledigt," beschreibt Christiane Sals ihren neuen Pferde-Alltag. Für sie sei es wie Yoga. Sie freut sich den ganzen Tag drauf, genießt die Zeit vor Ort und fährt tiefenentspannt zurück nach Hause, verrät die Kronshagenerin. Ihr großer Wunsch für die Zukunft: "Ich würde mich freuen, wenn Plüsch und ich mindestens unsere 'Silberhochzeit' noch zusammen feiern."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein mittendrin | 27.03.2020 | 12:00 Uhr

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