Schülerinnen arbeiten über Tablets. © Gregor Fischer/dpa Foto: Gregor Fischer

Schulabschlüsse in Zeiten von Corona: Das plant SH

Stand: 28.01.2021 20:46 Uhr

Was machen die Schüler, die in Corona-Zeiten einen Abschluss machen müssen? Ministerin Prien hat jetzt über die Pläne in Schleswig-Holstein informiert.

Ein Weg zurück zum Präsenzunterricht für so viele Schüler wie möglich - darum geht es bei der Weiterentwicklung des Corona-Reaktionsplanes, der zum 15. Februar in Kraft tritt. Am Donnerstag hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) über die konkreten Pläne informiert. Sie betonte, dass bei der Rückkehr zum Präsenzunterricht die Inzidenzwerte für das gesamte Land und die Dynamik des Infektionsgeschehens miteinbezogen würden. Die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 stelle eine wichtige Zäsur dar: Werde dieser Wert unterschritten, sei wieder Präsenzunterricht im Corona-Regelbetrieb unter Beachtung der Hygieneregeln in allen Jahrgangsstufen vorgesehen. In den Jahrgangsstufen 7 bis 13 jedoch zunächst als Wechselunterricht, soweit es sich nicht um Abschlussklassen handelt. Es werde in jedem Fall für die Abschlussklassen Präsenzangebote geben, so Prien.

Bildungsministerium will Stufen rechtzeitig bekannt geben

Die Bildungsministerin betonte, dass über die Stufen mit wissenschaftlicher Beratung entschieden werde und die Entscheidung über das Inkrafttreten einer Stufe des Corona-Reaktionsplans werde eine Woche vor deren Inkrafttreten durch das Bildungsministerium bekannt gegeben.

Schleswig-Holstein hält an Prüfungen für ESA fest

Auch über die Anpassungen bei den Abschlussprüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA), zum Mittleren Schulabschluss (MSA) und zum Abitur informierte Prien die Schulen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) habe in der vergangenen Woche einen Rahmen für die Abschlussprüfungen 2021 verabredet. "Für die Abiturprüfungen nutzen wir in Schleswig-Holstein den Maßnahmenkatalog, der in der KMK beschlossen worden ist", sagte Prien und fügte an: "Schleswig-Holstein hält im Gegensatz zu anderen Ländern wie Hamburg, Bremen oder Mecklenburg-Vorpommern an den Prüfungen für den ESA fest."

Für den ESA und den MSA sollen die Schülerinnen und Schüler ab dem 1. März eine intensive und gezielte Vorbereitung auf die schriftlichen Prüfungsfächer bekommen. Außerdem reduziere man die Anzahl der schriftlichen Prüfungen, verlängere die Bearbeitungszeit und ermögliche auf Wunsch eine weitere mündliche Prüfung, durch die ausschließlich eine Verbesserung erreicht werden kann.

Gezielte Vorbereitungszeit für Abiturienten

Auch für die Abiturienten sei zusätzliche Unterstützung vorgesehen. Dazu gehöre beispielsweise eine gezielte Vorbereitungszeit auf die Prüfungen. Die Auswahlmöglichkeit der Aufgaben werde vergrößert, und eine Verlängerung der Bearbeitungszeit in den Prüfungen sei geplant. "Aber wir dürfen auch jene nicht aus dem Blick verlieren, die durch die Pandemie unter hohen psychischen Belastungen leiden. Für diese Schüler werden wir ein freiwilliges Wiederholen im Einzelfall und nach Beratung für alle Jahrgänge ermöglichen. Das Corona-Wiederholungsjahr wird nicht mitgezählt, es hat also keine Auswirkungen auf die Höchst-Verweildauer insbesondere in der Oberstufe", sagte Prien.

Bei den Abschlussprüfungen zum Abitur gilt:

  • Die Frist für die Anmeldung zum Abitur wird um rund sieben Wochen auf den 19. März 2021 verschoben.
  • Bis unmittelbar vor der Meldung zum Abitur ist ein freiwilliger Rücktritt ohne Anrechnung auf die Höchstverweildauer in der Oberstufe möglich.
  • Melden sich Schüler im Einzelfall nach verpflichtender Beratung nicht zur Prüfung an, wechseln sie in den Abiturjahrgang 2021/22.
  • Im Einzelfall können Schüler entscheiden, ob sie ihre schriftliche Abiturprüfung in einzelnen Fächern am Nachschreibtermin statt am Haupttermin ablegen.
  • Die Sprechprüfungen als Prüfungsteil im schriftlichen Abitur in Englisch werden durch eine Anerkennungslösung ersetzt.
  • In den schriftlichen zentralen Prüfungsfächern erhalten Schüler eine erhöhte Auswahlmöglichkeit unter den zu bearbeitenden Aufgaben.
  • Die Arbeitszeit in den zentral geprüften schriftlichen Fächern wird um 30 Minuten erhöht.
  • Die Wahlmöglichkeiten der Prüflinge im Fach Sport werden angepasst: Die vorgesehenen Praxisprüfungen in zwei im Unterricht behandelten Sportarten können wahlweise in zwei Individualsportarten, einer Individualsportart und einem Rückschlagspiel oder einer Individualsportart und einer Mannschaftssportart abgelegt werden.

Bei den Abschlussprüfungen zum ESA und zum MSA gilt:

  • In den schriftlichen zentralen Prüfungsfächern Deutsch, Mathematik und Englisch wählen die Schüler zwei von drei Fächern, in denen sie an der schriftlichen Prüfung teilnehmen. In dem Fach, in dem keine Prüfung abgelegt wird, geht die Jahresnote in das Abschlusszeugnis ein.
  • Die Arbeitszeit in den zentral geprüften schriftlichen Fächern wird um 30 Minuten erhöht.
  • Die Sprechprüfung als Prüfungsteil im schriftlichen ESA/MSA in Englisch entfällt. Dies gilt entsprechend für den mündlichen Teil der Herkunftssprachenprüfung, wenn diese als Ersatzprüfung für Englisch gewählt wurde.
  • Die zentrale Klassenarbeit im Jahrgang 9 entfällt.
  • Im Einzelfall können Schüler entscheiden, ob sie von der Teilnahme am MSA oder von der Teilnahme an der Prüfung zum ESA zurücktreten. Gleiches gilt für die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe. Diese Erklärung kann bis zum 19.03.2021 erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler treten dann sofort in den darunterliegenden Jahrgang ein.
  • Sollten die Prüfungsergebnisse aller Schüler in einem Prüfungsfach im Vergleich zu den letzten drei Vor-Pandemie-Jahre deutlich nach unten abweichen, kann die Schulaufsicht eine Anpassung der Noten vornehmen

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.01.2021 | 19:30 Uhr

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