Der Schüler Valentin Hamami schaut in die Kamera © NDR Foto: privat

Schüler starten Petition gegen Abiprüfungen

Stand: 04.02.2021 13:20 Uhr

Abiturienten aus Schleswig-Holstein fordern eine Absage der Abi-Prüfungen. Die Jugendlichen fühlen sich wegen der Corona-Pandemie schlecht vorbereitet.

von Hauke von Hallern

Für Schülerinnen und Schüler ist es ein kompliziertes Schuljahr. Wegen Corona sind die Schulen geschlossen, es gibt Kontaktbeschränkungen, Kinder und Jugendliche lernen ohne Klassenkameraden im Homeschooling. Besonders hart trifft es Abiturienten. Denn sie müssen ungeachtet der Pandemie das Gelernte unter Beweis stellen. Dabei geht nicht um irgendeine Klausur. Das Abitur ist die wohl wichtigste Prüfung ihrer Schulzeit. Einige Jugendliche in Schleswig-Holstein fordern jetzt per Online-Petition, dass die Prüfungen abgesagt werden.

Homeschooling kein Ersatz für Präsenzunterricht

Valentin Hamami geht in die 13. Klasse der Friedrich List Schule in Lübeck. In etwa zwei Monaten soll der Wirtschaftsgymnasiast seine Abi-Prüfungen ablegen. Er fühlt sich aber nicht gut vorbereitet. "In meiner Klasse haben wir in diesem Schuljahr die Hälfte des Präsenzunterrichts verpasst", berichtet der 20-Jährige. Vom digitalen Homeschooling hält Hamami wenig. Oft streikte die Technik, ein konzentrierter Unterricht sei deshalb kaum möglich. "Zum Beispiel stürzen die Server oft ab, viele Lehrer sind mit der Situation überfordert. Homeschooling ist ganz bestimmt kein Ersatz für Präsenzunterricht."

Jugendliche fordern Anerkennungsabitur

Die Situation sei für ihn und seinen ganzen Abi-Jahrgang nur schwer zu ertragen. "Mir geht jeden Tag durch den Kopf, wie ich mein Abitur überhaupt schaffen soll. Das höre ich auch von anderen. Viele wissen nicht mal ansatzweise, wie sie das Abitur bestehen sollen", berichtet der Gymnasiast. Deshalb hat er vor rund einer Woche eine Online-Petition gestartet. Darin fordert er eine Absage der Prüfungen und eine Anerkennung als Durchschnittsabitur. Dabei wird die Abschlussnote aus dem Durchschnitt der Vornoten berechnet. Mehr als 100 Unterstützer haben die Petition innerhalb von wenigen Tagen unterschrieben.

Schülervertreter gegen eine Absage

Für die Schülervertretung der Gymnasien in Schleswig-Holstein kommt eine Absage der Abi-Prüfungen nicht infrage. "Wer garantiert uns, dass Betriebe oder Hochschulen ein Notabitur akzeptieren", gibt Schülersprecher Jonas Fischer zu bedenken. Die meisten Abiturienten würden sich Sorgen machen, es gehe schließlich nicht um irgendeine Prüfung, sondern um die wichtigste in der Schulzeit. "Ich verstehe die Sorgen der Schülerinnen und Schüler, die diese Petition gestartet haben. Trotzdem bin ich gegen eine Absage", erklärt Fischer. Seiner Meinung nach habe das Bildungsministerium schon viele Erleichterungen und Sonderregeln für die Abschlussklassen geschaffen. Rückendeckung bekommt Fischer auch von der Schülervertretung der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein.

Bildungsministerium gewährt Erleichterungen

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will die besonderen Umstände während der Coronazeit berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler können das Jahr nach einem Beschluss zum Beispiel freiwillig wiederholen. "Bis unmittelbar vor der Prüfung ist ein freiwilliger Rücktritt ohne Anrechnung auf die Höchstverweildauer in der Oberstufe möglich", erklärt die Ministerin. Außerdem bekämen die Abiturienten in den schriftlichen Prüfungen 30 Minuten mehr Zeit und könnten zwischen mehr Aufgaben wählen als sonst. Von der Idee die Prüfungen abzusagen, hält sie nichts. Für die Sorgen der Schülerinnen und Schüler äußert Prien Verständnis: "Das ist eine emotionale Ausnahmesituation, die eine sorgfältige pädagogische Begleitung durch die Lehrkräfte erfordert, mehr noch als in normalen Prüfungszeiten."

Schüler wollen nicht aufgeben

Valentin Hamami reichen diese Bekenntnisse und Sonderregeln aus dem Bildungsministerium nicht aus. Für ihn und seine Klassenkameraden sei das alles nutzlos, erklärt er. "Sollen diese Beschlüsse wirklich die Defizite von Monaten kompensieren? Also wirklich, da kann man nur den Kopf schütteln", meint Hamami. Er und seine Mitschüler wollen deshalb weiter Unterschriften sammeln. Sie hoffen, dass viele unterschreiben und das Bildungsministerium am Ende vielleicht doch noch einlenkt und die Prüfungen absagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 02.02.2021 | 20:00 Uhr

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