Stand: 16.10.2019 20:53 Uhr

Geduld ist gefragt: Glasrestaurierung im Schleswiger Dom

von Lukas Knauer

Ein großes Gerüst umgibt den Kirchturm - und Baumaschinenlärm: Bereits seit zwei Jahren wird der St. Petri Dom in Schleswig saniert. Mehr als 20 Millionen Euro kostet das Bau-Projekt. Im Moment werden die riesigen Kirchenfenster restauriert. Vier Fensterelemente sitzen jetzt wieder an alter Stelle, 29 müssen noch überarbeitet werden.

Ein noch nicht eingebautes Domfenster.

Restaurierte Fenster zurück im Schleswiger Dom

Schleswig-Holstein Magazin -

Nach vielen Monaten der Sanierung kehren die ersten Glasfenster in den Schleswiger Dom zurück. Mit erneuerter Leuchtkraft tauchen sie das Dominnere in farbigen Glanz.

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Spezialist sorgt für bunte Farben

Es ist ein trüber Tag in der Stadt an der Schlei, aber die wenigen Sonnenstrahlen schaffen es trotzdem, die bunten Fenster im Dom in Szene zu setzen. 125 Jahre sind sie alt - und nun haben vier von ihnen ihren Glanz zurück. Restaurator Frank Schneemelcher und sein Team haben ganze Arbeit geleistet. Die Schleswiger Domfenster hat der Spezialist über 400 Kilometer weit nach Quedlinburg (Landkreis Harz) in seine Glaswerkstatt transportiert.

Restauration in Handarbeit

Drei Arbeitstage pro Scheibenelement, jede Lötstelle wurde geöffnet, jede Glasscheibe getrennt, jede Ungleichmäßigkeit nachgemalt und jeder Sprung mit kleinsten Kupferstreifen gekittet. "Jetzt wirken die Fenster strahlender und natürlich farbintensiver als vor der Restauration - im Grunde genommen ist das jetzt der Zustand, wie sie damals Ende der 1890er auch hier reinkamen", meint Schneemelcher. In den 1980er-Jahren sei schon einmal restauriert worden, aber eher schlampig, ergänzt der Experte. Die Restaurateure hatten damals kurzerhand transparente Glasscheiben auf kaputte Buntglas-Elemente geklebt. Der Klebstoff ist im Laufe der Zeit milchig geworden. Dadurch verloren die historischen Fenster an Strahlkraft.

Schleswiger Domfenster erstrahlen in neuem Glanz

Fenster-Paten gesucht

Allein für die Restauration der Kirchenfenster belaufen sich die Kosten auf rund 750.000 Euro. Dafür sammelt die Nordkirche seit Ende August Spenden. Laut einer Sprecherin habe man bis dato von rund 2.000 Spendern etwa 125.000 Euro gesammelt. In Zukunft soll es auch möglich sein, eine Patenschaft für die Kirchenfenster zu übernehmen. Später sollen Kirchenbesucher auch Fenster-Patenschaften übernehmen können. Die Arbeiten am St. Petri Dom in Schleswig dauern voraussichtlich noch bis Ende 2021.

Auch Mauerwerk brüchig

Aber nicht nur die Fenster müssen in Teilen erneuert werden, sondern auch das Mauerwerk. Mittlerweile wirkt sich die Feuchtigkeit auf den gesamten Dom sowohl innen als auch außen aus. Immer wieder bröckeln Steinteile ab. Um die Besucher zu schützen, steht bereits seit 2004 ein Gerüst im Innenraum. Die wertvollen Kunstgegenstände wie etwa der Brüggemann-Altar werden in Mitleidenschaft gezogen. Korrosion beeinträchtigt verbaute Metallteile.

Rund 700 Jahre am Dom gebaut

Mehrere Generationen haben etwa 700 Jahre am Schleswiger Dom gebaut. Der Turm wurde erst 1894 fertig und schon kurz danach traten erste Schäden auf, was an den verwendeten Baumaterialien lag. Der Turm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg grundsaniert. Erst später stellte sich heraus, dass die Ziegel nicht frostsicher sind und auch der verwendete Mörtel für den Turmbau und das schleswig-holsteinische Wetter nicht geeignet war.

Die Feuchtigkeit hat seitdem den Bau mürbe gemacht. Immer wieder wurde geflickt, erst im Jahr 2000 aufwendig das Dach abgedichtet. Aufhalten konnte das alles den Verfall nicht.

Im Herbst 2021 soll die Sanierung des Wahrzeichens der Stadt abgeschlossen sein. Die Kosten von rund 20,5 Millionen Euro für das gesamte Projekt teilen sich Bund, Land, Kirche und Stadt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.10.2019 | 19:30 Uhr

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