Am Beltringharder Koog geht die Sonne auf, während mehrere Vögel vorbei fliegen. © Peter Kuhr Foto: Peter Kuhr

Schleswig-Holstein will mehr Wildnis

Stand: 01.08.2021 06:00 Uhr

In mehreren Modellgebieten will das Umweltministerium erproben, wie sich Wildnis entwickeln lässt. Das Ziel: zwei Prozent "wilde Natur" bis 2035. Tiere, Pflanzen und Menschen sollen davon profitieren.

von Julian Marxen

Städte, Dörfer, Strände, Straßen, Felder und sogar Wälder - fast alles um uns herum haben wir Menschen erschaffen oder zumindest nach unseren Wünschen und Bedürfnissen gestaltet. Doch das Land Schleswig-Holstein will jetzt "mehr Wildnis wagen". Mit diesem Slogan auf einer neuen Info-Broschüre wirbt das Umweltministerium für sein Ziel, in den nächsten Jahren mehr Gebiete zwischen Nord- und Ostsee sich selbst zu überlassen. Wie das genau funktioniert und welche Folgen das hat, soll nun erst einmal getestet werden. Und zwar in neun sogenannten Modellgebieten. Dazu gehören zum Beispiel der Beltringharder Koog in Nordfriesland, das Naturschutzgebiet Barkauer See in Ostholstein, die ehemalige Baggergrube Basedow im Lauenburgischen sowie die Wälder und Moore der Fröruper Berge zwischen Schleswig und Flensburg.

Eine Lichtung in den  Fröruper Bergen. © NDR Foto: Sebastian Parzanny
AUDIO: Mehr Wildnis in Schleswig-Holsteins Landschaft (1 Min)

Wildnis wieder herstellen

Bis zum Jahr 2035 will Schleswig-Holstein zwei Prozent der Landesfläche in Wildnis umwandeln. "Dabei sollen etwa trockene Moore wieder vernässt werden", erklärt Jürgen Gemperlein vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Es könne auch sein, dass, wenn nötig, der ein oder andere Wanderweg geschlossen oder auch mal eine Badestelle gesperrt werde, damit die Natur zur Ruhe komme. Dafür könnte an anderer Stelle aber ein Aussichtspunkt oder eine Art Lehrpfad entstehen, der die Wildnis nicht stört und sie gleichzeitig erlebbar macht. "Denn wir wollen den Besuchern ja zeigen, was Wildnis bedeutet und sie außerdem über Naturschutz informieren", berichtet Gemperlein.

Gespräche mit Eigentümern

"Insgesamt", so Gemperlein, "haben wir 220 wildnisgeeignete Gebiete in Schleswig-Holstein ausmachen können." Diese seien teilweise auch im Privatbesitz. Ob alle Eigentümer zustimmen, dass ihr Land in Wildnis umgewandelt wird, soll noch in Gesprächen erörtert werden. Sicher ist: Mancherorts wird es auch Widerstand geben. Kritik könnte etwa von Naturschützern kommen, die Wälder, Wiesen und Feuchtgebiete durch Hege und Pflege aktiv schützen. Wird nämlich so ein Naturraum zur Wildnis, soll sich der Mensch heraushalten. Jürgen Gemperlein vom LLUR betont deshalb, wie wichtig auch unberührte Natur ist: Sie sei nicht nur ein optimales Zuhause für Lebensgemeinschaften unterschiedlicher Tierarten. Auch der Mensch soll ganz konkret profitieren. So können laut Gemperlein naturbelassene Flächen bei Starkregen viel Wasser aufnehmen und intakte Moore als wichtige CO2-Speicher beim Klimaschutz helfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.08.2021 | 12:00 Uhr

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