Verschieden große Blasen mit Wassserstoffmolekülen © picture-alliance/Zoonar Foto: Alexander Limbach

Schleswig-Holstein will Vorreiter beim grünen Wasserstoff werden

Stand: 18.03.2021 16:31 Uhr

Schleswig-Holstein setzt auf grünen Wasserstoff. Das Land hat die besten Voraussetzungen eine Vorreiterrolle bei der Erzeugung und Verteilung des Stoffes einzunehmen. Das belegt eine Studie.

Saubere Energie aus Windkraft, gespeichert als Wasserstoff für Industrie und Verkehr. So sieht die Vision von Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) aus. Aus einem Gutachten, dass sein Ministerium am Donnerstag vorgelegt hat, geht hervor: Das Land ist bestens für eine groß angelegte Produktion von grünem Wasserstoff geeignet. Auch bei der Verteilung und Nutzung des Stoffes kann Schleswig-Holstein eine internationale Vorreiterrolle einnehmen, heißt es in dem Gutachten weiter.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter, sogenannter "grüner" Wasserstoff, ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

Schleswig-Holstein als Drehkreuz für Wasserstoff-Importe

Ein zentrale Rolle spielt dabei die Windkraft. So soll mit überschüssigem Windstrom grüner Wasserstoff erzeugt werden. Schleswig-Holstein habe hier einen geografischen Vorteil, den es zu nutzen gelte, so Minister Albrecht. "Zudem hat Schleswig-Holstein durch Häfen, Speicher und Pipeline das Potenzial zum Drehkreuz für Wasserstoff-Importe zu werden", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums zusammen mit der Wirtschaftsförderung des Landes (WTSH).

Nach dem vorgestellten Gutachten könnte es bis 2030 möglich sein, Wasserstoff im Land kostendeckend zu produzierten. 30 Millionen Euro stellt das Land für die Entwicklung der Technologie zur Verfügung.

Ein Ziel: umweltfreundlicher Flugzeug-Treibstoff

Mit dem Fördergeld werden zahlreiche Projekte unterstützt. Eine eigene Landeskoordinierungsstelle Wasserstoffwirtschaft wurde eingerichtet. Geld soll zum Beispiel an das Projekt "Westküste 100" an der Raffinerie Heide (Kreis Dithmarschen) fließen. Dort soll eine Elektrolyse-Anlage gebaut werden, die grünen Wasserstoff produziert. In einem zweiten Schritt soll dort dann auch umweltfreundlicher Flugzeug-Treibstoff erzeugt werden.

Grüner Wasserstoff für die Kunststoff-Produktion

Fördergeld erhoffen sich auch die Firmen E.ON, Hansewerk und Covestro. Sie wollen ebenfalls eine Elektrolyse-Anlage bauen. Covestro benötigt für die Herstellung von Anilin - einem Grundstoff für die Kunststoffproduktion - große Mengen an Wasserstoff. Wenn dieser mit überschüssigem Windstrom produziert werde, werde die Produktion klimafreundlicher, so Convestro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.03.2021 | 14:00 Uhr

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