Eine Schülerin der fünften Klasse hebt im Unterricht den Finger. © picture alliance/Daniel Karmann/dpa Foto: Daniel Karmann

Schleswig-Holstein plant kommendes Schuljahr wieder in Präsenz

Stand: 15.06.2021 18:34 Uhr

Nach den massiven Einschränkungen an den Schulen durch die Corona-Pandemie plant die Landesregierung für das kommende Schuljahr wieder den Regelbetrieb. Bildungsministerin Karin Prien sagte am Dienstag, man starte nach den Sommerferien in ein Präsenzschuljahr.

Unter welchen dauerhaften Hygieneregeln der Unterricht ablaufen wird, soll laut der CDU-Politikerin allerdings erst zwei Wochen vor Beginn des Schuljahres entschieden werden. Prien geht davon aus, dass zum Schuljahresbeginn voraussichtlich für zwei Wochen die Maskenpflicht bestehen bleibt und es in dieser Zeit verpflichtende Corona-Tests geben wird. Sie begründete dies mit Urlaubsrückkehrern. Noch keine konkreten Zahlen gibt es darüber, wie viele Kinder und Jugendliche das Schuljahr wiederholen werden.

Die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein Karin Prien im Portrait. © Karin Prien
AUDIO: Bildungsministerin Prien: Rückkehr zum normalen Schulunterricht (1 Min)

Prien: "Schule wird nicht mehr so sein wie vor der Pandemie"

Distanzunterricht, Wechselunterricht, Maskenpflicht, keine Wandertage - es war für Schulkinder sowie Lehrer und Lehrerinnen ein ganz anderes Schuljahr als sonst. Bildungsministerin Prien setzt darauf, dass das neue Schuljahr unter Normalbedingungen verlaufen kann. Gleichwohl machte sie deutlich: "Schule wird nicht mehr so sein, wie sie vor der Pandemie war." Der Präsenzunterricht habe vielen Schülern im zu Ende gehenden Schuljahr gefehlt. "Dabei geht es nicht nur um fehlende Lernfortschritte, sondern auch um das Fehlen von Schule als sozialem Ort."

Für das kommende Schuljahr sind neben zusätzlichem Personal an den Schulen und Förderprogrammen auch weitere Lernangebote in den Sommerferien in diesem und im kommenden Jahr sowie in den Herbst- und den kommenden Osterferien geplant. Außerdem soll es für mehr als 20.000 Schüler Bildungsgutscheine, zum Beispiel für Nachhilfestunden, geben. Laut Ministerium haben bereits mehr als 130 Schulen die Teilnahme am Programm Lernchancen.SH zugesagt. 40 weitere planen noch, wie sie teilnehmen werden.

FDP: Lernrückstände müssen in den Fokus rücken

Nach den Sommerferien werde es vorrangig darum gehen, den einzelnen Schüler in den Blick zu nehmen und Lernstände zu erfassen. Prien versprach: "Es geht darum, da wo nötig, psychisch emotionale Belastungssituationen zu erkennen und Hilfe zu ermöglichen." Nach Ansicht der FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn müssen die Lernrückstände der Kinder im neuen Schuljahr verstärkt in den Fokus rücken. "Unterrichtsausfall und Distanzunterricht wurden unterschiedlich umgesetzt und aufgenommen, daher ist es wichtig, dass wir genau schauen, auf welchem Stand die Schülerinnen und Schüler sind", sagte Klahn.

SPD und GEW unzufrieden: Konzept sei wenig konkret

Die SPD im Landtag und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind mit dem von der Bildungsministerin angekündigten Konzept für das nächste Schuljahr nicht zufrieden. SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat vermisst verbindliche Regeln und Standards für das Distanzlernen. Astrid Henke von der GEW fehlen konkrete Aussagen, wie es nach den Ferien weitergehen solle. Schulen und Schüler müssten individuell und nicht nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden, sagt die GEW-Landesvorsitzende. Dort, wo es besonders viel Unterstützungsbedarf gibt, müsse mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Und die Schulen müssten so schnell wie möglich wissen, ob und wie viele Stellen sie neu besetzen können. Das bleibt laut Henke in dem Konzept unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.06.2021 | 13:00 Uhr

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