Jan Rupp wird während eines Interviews gefilmt. © NDR Foto: Mechthild Mäsker

"Schleswig-Holstein-Schnack" mit Prof. Jan Rupp

Sendedatum: 06.04.2021 20:15 Uhr

Von ihm Wissen wir viel über das Coronavirus und die Infektion. Doch wer ist der Mensch hinter dem bekannten Gesicht des Infektiologen Professor Jan Rupp?

von Mechthild Mäsker

"Nicht als der Besserwisser, der den Leuten sagt, wie's zu gehen hat, sondern dazu beizutragen, dass Verständnis für die Situation entsteht." So versteht Professor Jan Rupp seine Rolle in der Pandemie. Seit dem Corona-Ausbruch, ist er ein viel gefragter Mann. Wir wissen von ihm viel über das Virus und die Infektion - aber was wissen wir eigentlich über ihn? Grund genug, mit dem 48-jährigen Experten einmal ausführlich ins Gespräch zu kommen, im Schleswig-Holstein Schnack.

Jan Rupp lächelt in die Kamera. © NDR Foto: Mechthild Mäsker
AUDIO: "Schleswig-Holstein-Schnack" mit Prof. Jan Rupp (35 Min)

Klare Message nötig

Ohne das Thema Virus aber kommt natürlich kein Interview aus. Und es beherrscht oft auch zu Hause im Privaten das Familienleben, berichtet der Vater dreier Kinder. Seine Frau ist ebenfalls Medizinerin, die Kinder sind zwischen 8 und 15 Jahren alt und werden in unterschiedlichen Formen des Homeschooling und in der Notbetreuung beschult. Und der Familienvater muss auch im Freundeskreis immer wieder Fragen zu Corona beantworten. Was er gern tut, aber auch er braucht abends Zuhause mal Abstand von Pandemie und Corona-Maßnahmen, wie er erzählt.

Staatliche Maßnahmen treffen aber natürlich auch seinen privaten Alltag, und sie müssten immer gut begründet sein, findet der Experte: "Dann würden die Leute auch mehr mitmachen, wenn sie verstehen würden, warum das so ist. Das geht mir als Wissenschaftler genauso wie als Familienvater, der da einfach gern eine klare Message hätte."

Wenig Zeit für Hobbys

Aufgewachsen in Esslingen bei Stuttgart hat es den Mediziner während des Studiums nach Lübeck verschlagen. Geblieben ist er nicht nur wegen der guten Bedingungen an der Uni, sondern auch, weil er hier seinem Lieblingssport nachgehen kann: Surfen. Nur hat er dafür seit Monaten kaum Zeit. Gerade erst hat er wieder mit dem Joggen angefangen, immerhin. Sportlich ist gerade vor allem sein Arbeitspensum, denn neben Forschung und Lehre ist er als Experte ständig gefragt: mal im Beratergremium des Landes, das die Regierung in Kiel zur Pandemiebekämpfung befragt, mal in Interviews für Hörfunk, Fernsehen und Printmedien.

Gefragter Experte

Auf Letzteres, sagt er, könnte er eigentlich auch gut verzichten. Aber er findet es wichtig, dass den Bürgerinnen und Bürgern die wissenschaftlichen Zusammenhänge mit dem Virus erklärt werden. Dass er das in klaren und verständlichen Worten tut und kann, hat ihn auch für den NDR Schleswig-Holstein zu einem gern gesehenen Gesprächspartner gemacht. Auf die Frage, ob er denn gern mit den Politikerinnen und Politikern, die über die Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen entscheiden, tauschen möchte, kommt ein spontanes "Nein!". Kein einziges Mal sei ihm das in den Sinn gekommen, schiebt er nach. "Ich beneide die Politiker auch nicht darum, weil alle die auf sie einprasselnden Fragen und Zwänge ja immer größer wurden in den vergangenen Wochen und Monaten."

Die Zeit nach Corona

Jan Rupp ist über die Kardiologie zur Infektiologie gekommen. Schon früh hat er sich für Entzündungen und Infekte, für Viren und Bakterien interessiert. Eine Fachrichtung, die aber eher ein Schattendasein führte. Jetzt hofft er, dass seine Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) bald zu einem eigenständigen Institut wird. Das würde mehr Chancen für die Forschung bringen, davon ist er überzeugt - im Bereich Corona, aber auch bei HIV-Infektionen oder anderen schweren Erkrankungen. Als Klinikdirektor und Wissenschaftler arbeitet er daran in einem großen Team. Und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem richtigen gemeinsamen Fest einladen zu können, wie es das vor der Pandemie gab, das ist sein größter Wunsch für die Zeit nach Corona. Und dann mal eine Woche raus aus dem pandemischen Hamsterrad und zur Ruhe kommen.

Erste positive Anzeichen

Wann das sein wird, kann auch ein Wissenschaftler nicht vorhersagen. Aber Prof. Jan Rupp sieht positive Anzeichen darin, dass nach Ostern mit einer bald schneller vorankommenden Impfung in der Bevölkerung eine gewisse Normalität möglich sein wird. Und wenn dann seine Kinder alle drei wieder richtig zur Schule gehen können - aber auch erst dann - will er übrigens zum Friseur gehen. So lange bleibt die unverwechselbare und zusehends länger gewordene Haartolle auf dem Kopf ungeschoren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Schnack | 06.04.2021 | 20:15 Uhr

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