Stand: 04.12.2018 05:00 Uhr

Schleswig-Holstein: Ein Land im Funkloch?

von Hauke von Hallern

Die offiziellen Zahlen sehen vielversprechend aus. Nach dem aktuellen Breitbandatlas vom TÜV Rheinland für das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur hat Schleswig-Holstein eine Mobilfunkversorgung von mehr als 97 Prozent. Gemeint ist der aktuelle Standard LTE, den längst nicht alle Handynutzer gebucht haben. Deutschlandweit liegt das nördlichste Bundesland damit auf Platz 3.

Überall auf dem Land Funklöcher

Doch die Sache hat einen Haken: Gemeint sind damit lediglich die versorgten Haushalte - der hohe Prozentsatz sagt nichts darüber aus, wie die zum Teil sehr dünn oder gar nicht besiedelten Flächen im Land versorgt werden. Egal ob in Norderstedt, Plön, Bad Segeberg oder Sankt Peter Ording - Funklöcher im Handy-Netz und im mobilen Internet gibt es fast im ganzen Land, vor allem außerhalb der großen Städte. Industrie- und Handelskammer, Bauernverband und Gemeindetag kritisieren die mangelnde Mobilfunkfunk-Abdeckung in Schleswig-Holstein.

Probleme vor allem an der Westküste

Nach Angaben der Verbraucherzentrale trifft es vor allem die ländlichen Regionen. Besonders schlecht sei die Versorgung zum Beispiel in den Kreisen Dithmarschen und Nordfriesland. An der Westküste seien ganze Landstriche ohne Empfang, mahnen die Verbraucherschützer. "Im Norden Schleswig-Holsteins wählen sich die Handys außerdem ins dänische Netz ein, weil das stärker ist als das Deutsche", warnt ein Sprecher der Verbraucherzentrale.

Nach Recherchen des NDR Schleswig-Holstein gibt es Probleme mit mobilem Telefonempfang und Internet auch in Sankt Peter Ording, in der Region zwischen Wanderup und Viöl, in Owschlag, Melsdorf, Felde, Schwentinental, Eckernförde und Plön. Außerdem gibt es auf der A20 zwischen Lübeck und Bad Segeberg, aber auch in Süden Schleswig-Holsteins zum Beispiel in Norderstedt immer wieder Funklöcher.

Bauernverband sieht Wettbewerbsnachteil

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Die Kreishandwerkerschaft Schleswig spricht von einem teils katastrophalen Zustand. Der Bauernverband warnt, dass das Bundesland in der modernen Landwirtschaft abgehängt werden könnte. "In der sogenannten Präzisionslandwirtschaft kommen moderne Maschinen zum Einsatz, die auf ein gutes stabiles Netz angewiesen sind", erklärt Generalsekretär Stephan Gersteuer. Dies führe zu einem echten Wettbewerbsnachteil. "Eine flächendeckende Versorgung ist wichtig, damit auch die Menschen im ländlichen Raum moderne Internetdienste nutzen können", betont Gersteuer. IHK und Gemeindetag kritisieren, dass es auch an Autobahnen und wichtigen Eisenbahnstrecken immer noch Funklöcher gebe.

Wirtschaftsminister sieht Netzanbieter in der Pflicht

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht in den betroffenen Regionen Nachholbedarf. "Natürlich kenne ich die berühmten Stellen, von denen man schon weiß: Achtung hier wird es eng, hier kommst du ins Funkloch und da kann dann die Verbindung schon mal abbrechen und das habe ich in der Tat fast jeden Tag an bestimmten Stellen im Lande", erzählt Buchholz. Der Minister sieht vor allem die Netzanbieter in der Pflicht.

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Allerdings: Die Politik könne den Anbietern nicht vorschreiben, wo genau Antennen aufgestellt werden müssten, so Buchholz. "In Zukunft kommt es auch darauf an, dass die Funkmasten mit schnellen Glasfaserkabeln verbunden werden", ist sich der Wirtschaftsminister sicher. Beim Glasfaserausbau sei Schleswig-Holstein Spitze, betonte er. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz, forderte die Bundesregierung auf, in Zukunft sicherzustellen, dass die Netzanbieter auch die ländlichen Regionen anbinden. Dies sei wichtig, damit diese nicht endgültig abgehängt würden, so von Notz.

Netzanbieter wollen nachbessern

Die Deutsche Telekom erklärte, dass im kommenden Jahr mehr als 2.000 neue Funkmasten aufgebaut werden sollen. Trotzdem werde es vereinzelt immer Gebiete geben, in denen eine Mobilfunkversorgung schwierig oder nur in geringem Maß möglich sei. Das könnten zum Beispiel Naturschutzgebiete sein, oder Kommunen, in denen Mobilfunkgegner einen Ausbau verhindern, teilte ein Sprecher mit.

Vodafone kündigte an, weitere rund 13 Millionen Euro in das Mobilfunknetz in Schleswig-Holstein zu investieren, um die Versorgung zu verbessern. Insgesamt sollen in bisher unversorgten Gebieten 130 neue LTE-Funkmasten in Betrieb genommen werden. An weiteren 100 Standorten sollen zusätzliche Antennen installiert werden, um den Empfang zu verbessern, versprach ein Unternehmenssprecher.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 04.12.2018 | 05:00 Uhr

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