Stand: 19.06.2020 05:00 Uhr

Schleswig: Dom-Sanierung im Zeitplan - aber teurer

Im Schleswiger Dom wird mithilfe eines Gerüsts eine Deckenmalerei saniert. © NDR
Die Sanierung des Schleswiger Doms wird teurer: Bisher sind es schon 20,5 Millionen Euro.

Seit knapp drei Jahren wird der St.-Petri-Dom in Schleswig saniert. Mittlerweile sind zwei Drittel der gesamten Sanierungsarbeiten geschafft. So wurden 120.000 Ziegel wurden am Westturm ausgetauscht. Der Projektleiter der Sanierung, Andreas Hamann, musste den Turm in den vergangenen Jahren oft erklimmen: Feuchtigkeit in versteckten Hohlräumen hatten Mörtel und Ziegeln zugesetzt. Hamann wusste nie, was ihn auf der Baustelle erwartet. Bisher hat die Sanierung 20,5 Millionen Euro gekostet. Und es wird wohl noch teurer. Die Kosten teilen sich Bund, Land, Stadt und Kirche.

"Nicht einschätzbare Mehrkosten"

"Man findet in so einem großen Bau immer wieder Überraschungen", berichtet Hamann. Die Mauern sind unterschiedlich dick: von einem Meter bis zu drei Metern. Darin findet man nach knapp 180 Jahren Dinge, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. "Das war fast so eine Art Knetmasse, die sich in Hohlräumen gesammelt hatte. Die haben wir vorher nicht erkannt und die allein schon zu bergen und dann wieder vernünftig zu sanieren, das hat zu Mehrkosten geführt und Aufwendungen, die vorher nicht einschätzbar waren", erzählt Hamann.

Der Turm des Schleswiger Dom ist mit einem Gerüst umkleidet. © NDR
Bis in die Spitze des Doms wird saniert.
Schutz vor norddeutschem Wetter

Bis in die Spitze des Doms fehlen noch rund vier Meter, die in den nächsten zwei Wochen saniert werden. Dann wurde das Mauerwerk im oberen Teil einmal komplett abgerissen und wiederaufgebaut, so Hamann. Das sei ein wichtiger Sanierungsschritt und das Kernelement des ganzen Sanierungsprojektes. Dann fehlt nur noch der Turmhelm. Unter anderem größere Abstände zwischen dem Mauerwerk sollen die neuen Steine in Zukunft vor norddeutschem Wetter schützen.

Optisch neue Anmutung

Maurer, Restauratoren, Steinmetzte - mehr als 20 verschiedene Gewerke haben bisher am neuen Antlitz des Domes gearbeitet. "Der Turm wird weithin sichtbar eine ganz andere Gestalt haben als vorher. Vorher sah man bis weitem nur Backsteinmaterial. Jetzt wird man sehr markant an den Strebepfeilern, großflächig Kupferelemente sehen. Das wird optisch eine ganz andere Anmutung für alle Betrachter des Turmes sein - von der anderen Seite der Schlei wird man das sehen", erzählt Projektleiter Hamann.

Damit der Dom bald so aussieht, hatte die Nordkirche bereits zweimal zu Spendenaktionen aufgerufen. 210.000 Euro sind so zusammengekommen. Am Reformationstag 2021 möchte die Nordkirche fertig sein mit der Sanierung des Wahrzeichens der Stadt.

Rund 700 Jahre am Dom gebaut

Mehrere Generationen haben etwa 700 Jahre am Schleswiger Dom gebaut. Der Turm wurde erst 1894 fertig und schon kurz danach traten erste Schäden auf, was an den verwendeten Baumaterialien lag. Der Turm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg grundsaniert. Erst später stellte sich heraus, dass die Ziegel nicht frostsicher sind und auch der verwendete Mörtel für den Turmbau und das schleswig-holsteinische Wetter nicht geeignet war. Die Feuchtigkeit hat seitdem den Bau mürbe gemacht. Immer wieder wurde geflickt, erst im Jahr 2000 aufwendig das Dach abgedichtet. Aufhalten konnte das alles den Verfall nicht.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.06.2020 | 19:30 Uhr

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