Stand: 06.09.2018 05:00 Uhr

Schafe, Deiche, E-Sport: SH als Gamer-Paradies?

Fußball mit Controller vor dem Bildschirm statt mit Ball auf dem Rasen: Die "Jamaika"-Koalition will E-Sport künftig fördern. Einen entsprechenden Antrag haben CDU, Grüne und FDP zusammen mit den Abgeordneten des SSW ausgearbeitet. Heute ist dieser Thema im Landtag. "Wir werden Schleswig-Holstein zum Gaming- und E-Sport-Land machen", sagte Rasmus Andresen von den Grünen. Mittlerweile besuchten 350.000 Menschen die Videospielmesse Gamescom in Köln, E-Sport sei ein Wirtschaftsfaktor.

In dem Antrag geht es unter anderem um die Förderung von E-Sport-Veranstaltungen im Land sowie eine neue E-Sport-Akademie an der Fachhochschule Westküste in Heide im Kreis Dithmarschen. Desweiteren soll die Gemeinnützigkeit von E-Sport in Vereinen anerkannt werden, um sie finanziell zu entlasten. Für eine entsprechende Änderung solle sich die Landesregierung auf Bundesebene einsetzen, heißt es in dem Antrag.

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Joshua Begehr: Der Schleswig-Holsteiner gewann zahlreiche E-Sport-Titel.

"Das finde ich sehr wichtig", sagt Joshua Begehr. Der 30-Jährige aus Kronshagen bei Kiel gewann in der Fußballsimulation FIFA 2009 den Weltmeistertitel, wurde drei Mal Europa- und acht Mal Deutscher Meister. Mit seinem Nickname "Kr0ne" spielte er für die FIFA-Mannschaft des FC Schalke 04. Heute arbeitet er für eine Vermittlungsagentur, die 50 professionelle E-Sportler unter Vertrag hat. Sie spielen für Vereine auf der ganzen Welt. Im Interview mit NDR.de verrät Begehr, warum er die Pläne der "Jamaika"-Koalition für sinnvoll hält.

Herr Begehr, bei E-Sport denken einige Laien an Menschen, die den ganzen Tag auf der Couch und vor dem Bildschirm hocken. Ist denn dieses Bild gerechtfertigt?

Joshua Begehr: Nein, definitiv nicht mehr. Das ist ein veraltetes Klischee. Es ist kein Gedaddel, sondern konzentriertes Üben von Spielen. Da geht's um Wettbewerb, da geht's um Strategie, um eine Community, die weltweit mehr als 200 Millionen E-Sports-Enthusiasten umfasst.

Wo steht da Deutschland? Und wer sind die Vorreiter im E-Sport?

Begehr: Deutschland war ursprünglich ein Vorreiter. Ganz vorne sind alle asiatischen Länder, vor allem die E-Sportler aus Korea, die das schon seit 15 Jahren sehr professionell betreiben. In Deutschland ist es kontinuierlich gewachsen, wie auf der ganzen Welt - in den USA sehr stark. Wir sprechen hier von einer der größten Sportarten der Welt.

Es gibt Menschen, die sagen: "Das ist doch nur Rumsitzen und auf einen Bildschirm gucken." Warum ist es in Ihren Augen Sport?

Begehr: Neben der Strategie braucht man eine sehr gute "Hand-Auge-Koordination". Man braucht eine gute und vor allem lange Konzentrationsfähigkeit. Es sind professionelle Strukturen, die sich im Training und Coaching entwickeln. Gute Spieler wissen, dass sie neben E-Sport auch anderen Sport machen müssen, um sich fit zu halten.

Was kann E-Sport Kindern bringen?

Begehr: Es ist ja so, dass viele Kinder mit einer E-Sport-Übertragung konfrontiert werden, bevor sie eine klassische Sport-Übertragung im Fernsehen schauen. Wir sehen es im Fußball: Die ins Stadion gehende Zielgruppe ist immer älter - deutlich über 30. Die Kids haben ganz andere Interessen. Ich sehe das positiv. E-Sport macht man nie allein, sondern zusammen mit anderen.

Ist denn da nicht die Gefahr, dass sich Kinder weniger bewegen, wenn sie nur noch E-Sport machen?

Begehr: Beim E-Sport ist es notwendig, dass die klassische Bewegung immer hinzugenommen wird. E-Sport und Nicht-Bewegen schließen sich eigentlich aus. Wenn man FIFA zockt, ist klar: Man geht danach raus und spielt klassisch Fußball. Dieser Austausch muss immer da sein. Wenn man im Spiel Tricks, beispielsweise von Ronaldo, gesehen hat, will man die ja auch ausprobieren.

Die "Jamaika"-Koalition hat angekündigt, den E-Sport fördern zu wollen. Was halten Sie davon?

Begehr: Das finde ich sehr gut und sehr wichtig. Man kann nicht die Augen verschließen und sagen "Das interessiert mich nicht." Sehr viele Kinder und Jugendliche bewegen sich im E-Sport. In den letzten zwei Jahren sind weltweit 200 Fußballvereine in das Thema eingestiegen, haben sich mit eigenen Spielern und Teams aufgestellt. Ich bin dafür, dass E-Sport in gesunde Bahnen gelenkt und begleitet wird.

Das Interview wurde gekürzt. Das Gespräch führte Rafael Czajkowski, NDR.de.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.09.2018 | 17:00 Uhr

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