Stand: 15.01.2019 15:21 Uhr

Sanierung der "Peking": "So was erlebt man nur einmal"

von Peter Bartelt

Seit gut einem Jahr hat Schweißmeister Horst Müller von der Peters Werft in Wewelsfleth (Kreis Steinburg) an der Stör nur eines im Kopf: die Sanierung der stählernen Viermastbark "Peking". Als der historische Großsegler nach mehr als 80 Jahren nach Deutschland zurückkehrte und er ihn zum ersten Mal auf der Stör sah, war er schockiert: "Da habe ich gedacht, das schaffen wir nie", sagt Müller. "Das Schiff war in einem derart desolaten Zustand, da wusstest du gar nicht, wo du anfangen sollst. Besonders die unzähligen Löcher im Rumpf waren eine Herausforderung."

Auch das Hauptdeck war unter der alten Holzverkleidung völlig durchgerostet. Alle Stahlplatten mussten raus. Und vor allem: "Wir wollten ja die unzähligen Nieten, mit denen die Platten befestigt waren, nicht wegschmeißen. Die sind ja noch original und wir verwenden die weiter", begeistert sich der Schweißmeister. Dann muss er zu einer der zahlreichen Arbeitsstellen und die Naht seines Kollegen kontrollieren.

Schweißen mit Herzblut

Horst Müller nimmt die Kontrollen der Schweißnähte sehr ernst. Er kniet sich hin, untersucht mit der Taschenlampe die frische Schweißnaht und nickt zufrieden. Auch ein Ungeübter sieht sofort: Hier wird akribisch, fast schon liebevoll gearbeitet. Jede neue Stahlplatte, die an Bord gehievt wird, wird genau an ihren Platz manövriert. Allein 30 bis 40 Platten werden auf dem Hauptdeck ausgetauscht. Wenn sie nicht passen, fliegen so lange die Funken, bis es passt.

Jens Marjanczik hat die Bauaufsicht über das Projekt "Peking". Ihm ging es erst genauso wie seinem Schweißmeister. Auch er hatte zunächst die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und Bedenken, ob eine Restaurierung der "Peking" überhaupt möglich und sinnvoll sei. "Und jetzt? Gucken Sie sich das an", freut sich Marjanczik. "Mit jedem Tag sieht man neue Fortschritte und das motiviert alle, die hier arbeiten. Das ist wirklich erstaunlich!"

Historische Gedanken im Arbeitsalltag

Die Arbeiten an der "Peking" sind laut, staubig, körperlich anstrengend und teuer. Denn es wurden damals beim Bau und den Reparaturen teilweise giftige Substanzen wie Blei verwendet. Die Entsorgung sowie bauliche Veränderungen, um die "Peking" zum Beispiel barrierefrei zu machen, haben die Kosten deutlich in die Höhe getrieben. Sie liegen inzwischen bei 35 Millionen Euro. Ein Aspekt, der für Horst Müller und Jens Marjanczik nur am Rande eine Rolle spielt. Sie ertappen sich regelmäßig dabei, dass sie in dieser historischen Umgebung sentimental werden.

Als Marjanczik zum Beispiel die Mannschaftsräume zum ersten Mal betrat und die Einträge der Belegung der Betten sah, da wurde ihm die Bedeutung seiner Aufgabe noch einmal bewusst. "Das ist alles so um die 100 Jahre alt und wenn man bedenkt, was dieses Schiff so alles erlebt hat, welche Schicksale sich hier abgespielt haben, da wird man dann schon nachdenklich", sagt der Bauaufsichtsleiter. Müller ist auch immer wieder davon fasziniert, wie präzise die Schiffsbauer damals gearbeitet haben: "Die hatten keine technischen Hilfsmittel wie wir. Die haben zum Beispiel damals die Masten in drei Lagen Stahl zusammen genietet, nicht geschweißt. Das würde mit dieser Präzision heute niemand mehr so hinkriegen", ist sich der Schweißmeister sicher. "Das ist wirklich faszinierend."

Stolz auf die bisherige Arbeit

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Der erste große Test für die geleistete Sanierungsarbeit war im vergangenen Spätsommer. Denn die "Peking" musste das Trockendock verlassen, um kurzfristig für ein anderes Schiff Platz zu machen. Bis dahin musste das Unterwasserschiff wasserdicht sein. "Vorsichtshalber haben wir kurz davor noch mal Wasser ins Dock gelassen, um nach undichten Stellen zu suchen. Und ganz ehrlich: Wir haben eine einzige Stelle gefunden, die noch undicht war - bei einer Rumpflänge von etwa 115 Metern! Und darauf bin ich richtig stolz", erzählt Müller begeistert.

Die Arbeiten an der "Peking" sieht er als sein Lebenswerk. "Wann hat man schon mal die Möglichkeit, so ein historisches Schiff von Grund auf zu sanieren? Das erlebt man einmal im Leben, wenn überhaupt", sagt der Schweißmeister. "Und deshalb ist das auch kein Job wie jeder andere. Das sehen die meisten meiner Kollegen genauso, da bin ich von überzeugt." Und dann rückt er seinen Schutzhelm zurecht und macht sich erneut auf den Weg. Eine weitere Schweißnaht muss kontrolliert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.01.2019 | 19:30 Uhr

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