Sammlung aus Lübeck gewährt Einblick in Geschichte ferner Länder

Stand: 21.08.2021 05:00 Uhr

Unter der Leitung von Ethnologe Lars Frühsorge ist derzeit im Zeughaus in Lübeck eine Sammlung für Völkerkunde untergebracht. Mehr als 30.000 Exponate führen durch die Geschichte fremder Länder und Kulturen.

Lars Frühsorge ist täglich auf Spurensuche durch Kulturen und Jahrhunderte. Seit 2018 leitet der Ethnologe die Völkerkundesammlung in Lübeck. Aktuell sind über 3.600 neue Stücke aus einem Nachlass dazu gekommen: afrikanische Kunst aus zwei Jahrtausenden. "Eine Vision eines afrikanischen Künstlers, ein bisschen parodistisch. Wie man sich Europäer vorgestellt hat, wie man die Kolonialherren erlebt hat", erzählt der Völkerkundler. Es handle sich um Objekte, die das Thema Kolonialismus auch einmal vor der anderen Seite zeigen. "Das ist uns sehr wichtig", so Frühsorge.

Jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte

Frühsorge arbeitet wie ein Profiler und Forensiker: Jedes Stück erzählt seine eigene Geschichte. Eines seiner liebsten Exponate ist ein Stein vom Turm zu Babel, der in einer ägyptischen Zigarettenschachtel aufbewahrt wurde und in chinesisches Zeitungspapier eingewickelt war. "Das war so ein bisschen Liebe auf den ersten Blick", schwärmt er. "Das hat in mir sofort Assoziationen geweckt. Ich habe mir einen Menschen vorgestellt, der biblische Archäologie interessant findet, der christlich erzogen ist, der raucht, der um die Welt gereist ist - weil er auch in China war." Man habe dann festgestellt, dass das Ausstellungsstück einem Herren namens Gustav Pauli gehörte, ein früherer Weltreisender aus Lübeck.

Herausforderung: Wenig Personal und Sensibilität gefragt

Personell ist Frühsorges Völkerkundesammlung schmal ausgestattet. Neben dem Ethnologen forscht nur noch eine indische Doktorandin 20 Stunden die Woche, Dipeka Nadkarni. Ethnologen wie Frühsorge und Nadkarni sammeln Kulturinformationen und die dazu passenden Exponate. Der Umgang damit verlangt Sensibilität. So gehört zur Sammlung eine Rüstung aus Kokosfasern von der Insel Kiribati im Pazifik. Auf dieser sind Haare von den Frauen der Krieger eingenäht. "Das war ein magischer Schutz, um den Träger unverwundbar zu machen", erklärt Frühsorge. Häufig bekäme er die Frage zu hören, ob solche Stücke zurückgegeben werden sollten. In diesem Fall nein: "Kiribati ist eine Inselgruppe, die ganz akut vom Klimawandel bedroht ist - ein Staat, der sich in Auflösung befindet. So ist diese Sammlung vielleicht auch ein kleiner Baustein, um für die Weltgemeinschaft ein Back-up zu schaffen", so Frühsorge.

Arbeitsalltag ist tägliche Entdeckungsreise

Frühsorges Alltag bleibt auch weiterhin eine tägliche Entdeckungsreise - zwischen altafrikanischer Kunst, geschichtsträchtigen Steinen und vom Klimawandel bedrohten Inseln.

Weitere Informationen
Blick auf das Buddenbrookhaus in Lübeck © die LÜBECKER MUSEEN Foto: Thorsten Wulff

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.08.2021 | 19:30 Uhr

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