Stand: 17.04.2019 15:29 Uhr

Rückläufige Anmeldezahlen an Gymnasien

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Die Anzahl der Neuanmeldungen an den 99 Gymnasien variiert stark von Kreis zu Kreis.

Nach der vierten Klasse steht für alle Grundschüler und ihre Eltern eine große Frage im Raum: Gymnasium oder Gemeinschaftsschule? Lange ist die Zahl der Schüler, die sich in Schleswig-Holstein für das Gymnasium entschieden haben, immer weiter angestiegen. Inzwischen gibt es aber einen gegenläufigen Trend - das belegen Zahlen aus dem Bildungsministerium. Im vergangenen Jahr wechselten 46 Prozent der Kinder von ihrer Grundschule an ein Gymnasium, dieses Jahr sind es nur noch 44 Prozent.

Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe gefragt

Die Rückkehr zu dem Abitur nach neun Jahren hat, vielen Erwartungen zum Trotz, nicht mehr Grundschüler an die Gymnasien gelockt. Die Gemeinschaftsschulen dagegen erleben im Vergleich zum Vorjahr einen Zulauf. Dabei gibt es zwei Varianten: die Gemeinschaftsschule mit einer Oberstufe und solche, die keine Oberstufe anbieten. Die Gemeinschaftsschulen, die das Abitur ermöglichen, haben mehr Zulauf als die Schulen, auf denen die Schülerinnen und Schüler nach der 10. Klasse fertig sind. 4.578 Schüler und damit 4,3 Prozent mehr Mädchen und Jungen lernen von August an auf einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe verbuchen ein Plus um 3,4 Prozent auf 8.604.

Besser beratene Eltern

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) begründet den Rückgang der Anmeldungen an den 99 Gymnasien zum einen mit der neu eingeführten, verpflichtenden Beratung zur Schulartenempfehlung an Grundschulen. Zum anderen mit dem Bewusstsein der Eltern, dass das Schulsystem durchlässig ist und die Entscheidung über die Schulart nach der vierten Klasse den Bildungsweg des Kindes nicht auf Dauer festlegt. "Die Eltern haben aber immer noch einen Spielraum und die freie Schulwahl gibt es ja nach wie vor", sagte Prien. "Ich bin den Lehrkräften ausdrücklich dankbar dafür, dass sie die Beratungsleistung wieder so beherzt angegangen sind, nachdem es jahrelang auch eine Verunsicherung gegeben hatte, ob überhaupt eine Empfehlung abzugeben war."

Starke Unterschiede in den Kreisen

Die Entwicklung der Neuanmeldungen variiert sehr nach Region in Schleswig-Holstein. Im Kreis Plön, in Kiel und in Neumünster waren die Rückgänge klar zweistellig, in Schleswig-Flensburg und Steinburg stiegen die Anmeldezahlen dagegen sogar. "Das zeigt, dass die Eltern von ihrem Wahlrecht weiter munter Gebrauch machen", sagte die Ministerin.

SPD: Müssen über weitere Oberstufen an Gemeinschaftsschulen nachdenken

Der Verband der Gymnasiallehrer hält den Rückgang bei den Anmeldungen für diese Schulart weder für beunruhigend noch für spektakulär. Sichtbar seien die ersten Auswirkungen einer richtigen und kindgerechten Schulpolitik, sagte der Vorsitzende des Philologenverbands, Jens Finger. Einen einheitlichen Trend nach der Wiedereinführung von G9 an Gymnasien gebe es bisher nicht, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Bei einem anhaltenden Trend zu den Gemeinschaftsschulen werde man über weitere Oberstufen an einzelnen Gemeinschaftsschulen nachdenken müssen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.04.2019 | 12:00 Uhr

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