Stand: 18.05.2020 09:42 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Restaurants in SH öffnen: Speisen mit Distanz

von Anne Passow

Mundschutz auf, die Hände mit dem Desinfektionsmittel am Eingang einreiben, dem Gastwirt winken, bloß keine Hände schütteln - Restaurantbesucherin Ilona Münstermann ist etwas unsicher, als sie am Montagmittag mit ihrem Mann Niemann's Gasthof in Reinbek (Kreis Stormarn) betritt. "Mach ich das denn auch alles richtig?", will sie wissen. "Alles richtig!" Die Gastwirte Joachim und Edith Niemann sind froh, ihre ersten beiden Gäste seit Wochen zu begrüßen. "Es ist so schön, dass ihr da seid", sagt Edith Niemann und begleitet das Paar an den Tisch. Auch ihre Stammgäste sind froh. "Das ist für mich, wie bei Freunden zu Mittag zu essen", sagt Ilona Münstermann - und bestellt dann ein Roastbeef. Wochen hat sie sich darauf gefreut. "Das Beste weit und breit", schwärmt die 64-Jährige.

Stammgäste auf Eröffnung hingefiebert

Als Ende vergangener Woche klar wurde, dass Restaurants ab Montag unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen dürfen, war für die Niemanns klar, dass sie die Chance nutzen. "Viele unserer Stammgäste haben uns in den letzten Wochen immer wieder angerufen, um zu fragen, wie es uns geht. Und immer wollten sie wissen, wann wir wieder öffnen", erzählt Rebecca Niemann, Küchenchefin und eine der beiden Töchter der Gastwirte. Sie genießt es wieder im Bratdunst zu stehen und Kartoffelplätzchen zu braten. Ganze zehn Reservierungen hat das Team an diesem Montag für den Mittagsbetrieb. Abends sind es nochmal 28. "Das ist ordentlich für unseren ersten Tag", bilanziert Joachim Niemann.

Ersparnisse sind jetzt wichtig

Die coronafreie Zeit haben er und seine Familie genutzt, um den Dachboden auszumisten und aufzuräumen. "Da kam einiges zusammen", so der 68-Jährige. "Wir haben noch nie so viel geputzt und aussortiert." Der Betrieb im angeschlossenen Hotel lief im kleinen Umfang weiter - mit einigen, wenigen Geschäftsreisenden. "Wir haben eine Soforthilfe vom Land bekommen - und halten uns ansonsten mit unseren Ersparnissen über Wasser", so Joachim Niemann. Da der Gasthof in Familienbesitz ist - seit 1854 - müssen die Niemanns keine Miete zahlen. "Vergleichsweise stehen wir noch ganz gut da", so Niemann.

Kunststofftrennwand am Tresen

Dass die Regeln, die nun für den Restaurantbetrieb gelten, umgesetzt wurden, darum kümmerte sich die zweite Tochter, Dorothea Niemann. "Da war einiges zu tun", erzählt die 36-Jährige. Am Wochenende hat die Familie das Restaurant sozusagen coronagerecht umgestaltet. Hat Tische und Stühle gerückt, den Boden beklebt, eine Kunststofftrennwand im Tresenbereich angebracht. "Die ist für mich wichtig, damit ich dahinter ohne Mundschutz arbeiten kann", erklärt Edith Niemann.

Daten nach sechs Wochen in den Schredder

Am Eingang steht eine Flasche mit Desinfektionsmittel, womit sich die Gäste die Hände einreiben sollen. Ein Plakat macht die Gäste mit den Regeln vertraut - auch damit, dass sie Mundschutz tragen müssen. "Wenn sie am Tisch sitzen, dürfen sie ihn abnehmen", erklärt Dorothea Niemann, während sie einen Tisch eindeckt. Mit einer Speisekarte als Platzunterlage. "Die haben wir mehrfach drucken lassen", so Niemann. Besteck wird hinter Kunststoffscheiben aufbewahrt. Gäste müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, um im Fall der Fälle eine Infektionskette zurückverfolgen zu können. "Die Zettel bewahre ich sechs Wochen in einem geschlossenen Umschlag auf. Danach stecke ich sie in den Schredder", sagt Dorothea Niemann.

Tische mit Abstand

Am Boden weisen blaue Pfeile zu Ein- und Ausgängen des Restaurants und den Toiletten. Denn auch beim Hinein- und Hinausgehen sollen sich Gäste möglichst nicht begegnen. Von den etwa 90 Plätzen, die zu normalen Zeiten zur Verfügung stehen, dürfen nur noch die Hälfte angeboten werden. "Wir haben uns gegen die Trennwände entschieden. Da fühlen sich unsere Gäste eingesperrt. Wir ziehen die Tische lieber auseinander", erklärt Joachim Niemann und weist auf die luftig eingerichteten Speiseräume.

Leere Räume

"Es ist schon etwas kahl hier", meint Gast Ilona Münstermann. "Vorher gab es Tischdecken, Blumen, Salz und Zucker auf den Tischen." Das fällt auch Barbara Stadie und Ursula Schneider auf. Die beiden Damen aus Glinde bestellen an diesem Mittag Spargel und Leber. "Es sieht anders aus, leerer. Aber neue Stühle haben sie angeschafft. Sehr bequem", meint Ursula Schneider, während sie den Zettel mit den Kontaktdaten ausfüllt. "Das muss jetzt eben sein", kommentiert die 82-Jährige das - und betont: "Es ist schön, wieder hier zu sein und schön, dass man jetzt wieder raus kommt. Dieses Leben ohne Kontakte geht einem doch so allmählich auf den Wecker."

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.05.2020 | 05:00 Uhr

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