Stand: 16.08.2019 08:29 Uhr

Ralf Stegner: Mit Ecken und Kanten an die Parteispitze

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Seit Anfang 2008 ist Ralf Stegner Fraktionsvorsitzender der Nord-SPD.

Es ist ein ungewöhnlicher Sommer für die SPD. Seit mehr als zwei Monaten ist sie mit sich selbst beschäftigt, sucht mal wieder eine neue Führung. Während sie in Umfragen weiter Kurs Einstelligkeit nimmt, bewerben sich Kandidaten, die selbst SPD-Experten, kaum bekannt sind. Die, die eigentlich Verantwortung für die erneute Führungskrise aus der ersten Reihe tragen, tauchten dagegen ab. Das ärgerte auch einen der bekanntesten Sozialdemokraten: Ralf Stegner aus Schleswig-Holstein. Er halte nichts davon, immer zu erklären, was man nicht tue, sagte er in der vergangenen Woche NDR Schleswig-Holstein.

Im Urlaub fällt eine wichtige Entscheidung

Ralf Stegner verbrachte diesen Sommer im Norden. Er besuchte die Hansestadt Wismar, Freunde auf Sylt und machte dort einen langen Spaziergang durch das Wattenmeer. Ralf Stegner brauchte diese Ruhe, die Gespräche mit Familie und Freunden, um mit ihnen eine Entscheidung zu treffen - und zwar: für den Vorsitz der SPD zu kandidieren.

Politik ist auch Kampfsport

Stegner weiß um seine Außenwirkung - und dass er polarisiert. Allen gefallen will er gar nicht. Er setzt auf ein klares Profil mit Ecken und Kanten. Es gebe wenig "Grauurteile" über ihn, sagt Stegner. Die einen würden ihn mögen, die anderen klar ablehnen. Daran habe er sich gewöhnt. Wer eine Partei führe, wie er es lange Jahre getan habe, der müsse auch in Kauf nehmen, dass es nicht jedem gefalle. Weil man es nicht jedem recht machen könne. Wer Harmonie wolle, so Stegner, müsse in einen Gesangverein gehen. Politik sei auch Kampfsport, ist er überzeugt.

Ralf Stegner: Seit 30 Jahren im Politikbetrieb

Weg aus Rheinland-Pfalz nach Kiel

Ralf Stegner wird 1959 im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim geboren. Karriere macht der Harvard-Absolvent allerdings in Schleswig-Holstein: 1990 kommt der in Hamburg promovierte Politikwissenschaftler als Pressesprecher von Sozialminister Günther Jansen in die Kieler Politik, wird Staatssekretär und schließlich der Nachfolger von Claus Möller - erst 2003 als Finanzminister und 2007 als Parteivorsitzender. Von 2005 bis 2008 ist er Innenminister in der Großen Koalition. Seit 2008 führt er auch die SPD-Fraktion im Landtag.

2014 wird er stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Seinen Traum vom Amt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten muss Stegner im Vorfeld der Landtagswahl 2012 ad acta legen: Im erstmals durchgeführten Mitgliederentscheid für die Spitzenkandidatur der SPD unterliegt er dem damaligen Kieler Oberbürgermeister und dem späteren Ministerpräsidenten Torsten Albig.

Landesvorsitz verloren

Seit der Landtagswahl 2017 ist Stegner wieder Oppositionsführer im Landtag. Im März dieses Jahres musste er sich dem Veränderungswillen in seiner Partei beugen und seinen geliebten Vorsitz der Landespartei an die damalige Fraktionsvize Serpil Midyatli abgegeben. Er hatte sie einst gefördert. Sie hatte ihn im vergangenen Sommer mit ihrer Ankündigung, für den Vorsitz kandidieren zu wollen, überrascht. Tagelang ging Stegner auf Tauchstation. Dann setzte er sich an die Spitze der Bewegung.

Niederlage fürchtet er nicht

Stegner weiß, dass er im Rennen um den Bundesvorsitz auch scheitern kann. Er will mit seiner Bewerbung aber das Zeichen setzen, dass er die Niederlage nicht fürchtet. Die Krise seiner SPD ist existenziell, da gehört es für ihn dazu, dass man die Bereitschaft zeigt, Verantwortung zu übernehmen und auch Risiken eingeht. Die Termine für die 23 Regionalkonferenzen hat er bereits in seinen Kalender übertragen. Ein- bis zweimal wird er wohl fehlen - seiner Familie zu liebe. Stegner wird im Oktober 60 Jahre alt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.08.2019 | 12:00 Uhr

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