Stand: 24.12.2018 12:00 Uhr

Mit dem Rad nach Peking: Weihnachtspause in Istanbul

von Christine Pilger

Für die Tour von Nono Konopka aus Eckernförde und Kumpel Max Jabs aus Duisburg gibt es zahlreiche Beschreibungen: Fahrrad-Weltreise. Abenteuerurlaub. Kulturaustausch. Spendenfahrt. Nach den ersten 16 Wochen lautet das Fazit: Es ist von allem ein bisschen. Die beiden sind unter dem Motto "Biking Borders" - übersetzt etwa "Grenzen radeln" - am 2. September 2018 in Berlin gestartet. Ihr Ziel ist die chinesische Hauptstadt Peking. Mit der 15.000 Kilometer langen Tour wollen sie Aufmerksamkeit schaffen, um Spenden für einen Schul-Neubau in Guatemala zu sammeln. Zu Weihnachten gönnen sie sich eine kleine Verschnaufspause in der türkischen Metropole Istanbul. "Heiligabend gibt es Geflügel, Klöße, Rotkohl - da freuen wir uns schon die ganze Zeit drauf. Unsere Freundinnen besuchen uns, von unseren Eltern bekommen wir zum Beispiel Wein und Bratensoße als Weihnachtsgeschenk per Post", freut sich Konopka. Er ist sich sicher, dass "wird ein anderes, aber sicher sehr gemütliches Weihnachtsfest".

15.000 Kilometer mit dem Fahrrad - bis Peking

Berge, ein überflüssiger Espressokocher und gemeinsames Schweigen

Der 24-Jährige ist vor dem Start in Berlin nie groß Fahrrad gefahren. Und jetzt gleich Tausende Kilometer - Spaß macht es selten, erzählt er beim Telefonat via Skype. Schon jetzt steht für ihn fest: "Nach dieser Reise mache ich nie wieder eine Fahrradtour." Die körperlichen Folgen sind deutlich: Eine Hose, die zu Beginn noch recht weit saß, platze bald an den Oberschenkeln, sagt Konopka.

Der Start war besonders hart, weil die Route von Tschechien über Österreich und Slowenien nach Kroatien extrem bergig ist. Es sei insgesamt eine sehr intensive Art des Reisens: "Zum einen kostet es uns morgens echt Überwindung, immer wieder aufs Rad zu steigen. Aber zum anderen nimmt man auf dem Rad jedes Land viel besser wahr. Jede holprige Straße prägt sich ein, wir riechen jedes blühende Feld und hören jede einzelne Autohupe in einer lauten Innenstadt."

Schon allein wegen der ganzen Eindrücke würden die beiden oft nur fünf Sätze am Tag reden. "Reicht manchmal aber auch", sagt der Radler aus Eckernförde lachend. Die beiden haben alles zusammen geplant - und das offenbar sehr gut. "Es läuft so, wie wir uns das vorgestellt haben. Uns fehlt eigentlich nie was - nur den Espressokocher haben wir aussortiert. Morgens erst noch Kaffee kochen, da fehlt uns dann doch die Zeit", meint Konopka.

Abenteuerurlaub oder: Wie vertreibe ich einen Braunbären?

Die Straßen sind manchmal gefährlich kurvig, die Nächte oft ziemlich kalt - davon können aber wohl die meisten Fahrrad-Urlauber und Camper ein Lied singen. Das heftigste Abenteuer erleben Konopka und Jabs aber in Kroatien, nahe der bosnischen Grenze: Es wird langsam dunkel, ein Wildcamping-Platz ist nicht in Sicht - also suchen sich die beiden irgendwo im Wald einen Schlafplatz. Während Jabs schon schläft, hört Konopka von draußen Geräusche. Er schaut schließlich nach. Vor dem Zelt steht ein ausgewachsener Braunbär. "Wir waren so unter Andrenalin", erzählt der 24-Jährige. "Irgendwie mussten wir den Bär vertreiben. Also haben wir laut Musik angemacht, Luftballons platzen lassen - gut, dass wir die vorbereitet hatten." Außerdem befestigen sie an ihrem Selfie-Stick Papier und zünden es an.

Der Braunbär verschwindet, die beiden rennen nur mit ihrem Schlafsack zur Hauptstraße, um irgendwo anders zu schlafen. Plötzlich taucht die Polizei auf, notiert die Personalien und schickt die beiden zum Schlafen in eine Fischerhütte. Morgens um 5.30 Uhr werden sie dann von den Fischern rausgeschmissen. Glücklicherweise steht aber ihr Zelt im Wald noch genauso da, wie sie es nach dem Bärbesuch verlassen haben.

Weitere Informationen

Eckernförder radelt 15.000 Kilometer bis Peking

12.08.2018 11:40 Uhr

Der 24 Jahre alte Nono Konopka aus Eckernförde und sein Kumpel Max Jabs sind zehn Monate mit dem Fahrrad unterwegs. Sie wollen Spenden für einen Schul-Neubau in Guatemala sammeln. mehr

"Menschen, die am wenigsten haben, geben am meisten"

Es gibt aber nicht nur die angstmachenden Geschichten, sondern auch die unvergessenen Begegnungen mit Einheimischen. "Wir wurden in Albanien, in der Türkei, in Griechenland so oft von Menschen angesprochen und nach Hause eingeladen, das war unglaublich", schwärmt Konopka. Der Eckernförder berichtet von einer albanischen Familie, die darauf bestanden habe, dass die beiden ihre ganze Familie kennenlernen und mit ihnen zusammen Abendessen. "Der Vater des Hauses sagte uns, dass es ein Privileg und eine Ehre sei, wenn wir bleiben würden. Dabei waren es keine Menschen, die viel hatten - deswegen war uns das zu Beginn zunächst unangenehm. Aber sie wollten uns unbedingt was geben, dass war wirklich unglaublich." Die Verständigung klappt auch dank der Englischkenntnisse der beiden Söhne, die zum ersten Mal mit Nicht-Albanern sprechen. "Das war die prägendste Erfahrung. Aber wir haben viele ähnliche Geschichten erlebt." Allein in der griechischen Stadt Thessaloniki bekommen die beiden sieben verschiedene Schlafmöglichkeiten angeboten.

"Seid Ihr denn verrückt?"

Auch für ihre Weiterfahrt ab dem 3. Januar durch die Türkei bis zur iranischen Grenze haben die beiden schon jetzt Übernachtungsangebote bekommen. Wie das funktioniert? Dank Social Media: Durch ihre Blogs, Fotos und Videos bei Instagram und auf ihrer Homepage erfahren immer mehr Leute von ihrem Projekt und bieten ihre Hilfe an, wie Konopka berichtet. Die Reaktionen, sowohl im Netz als auch persönlich, auf die 15.000 Kilometer lange Reise seien überall gleich, erzählt der 24-Jährige: "Fast immer kommt als erstes die Frage: 'Seid Ihr denn verrückt? Das wird doch kalt.' Aber den Hintergrund unserer Reise finden immer alle wichtig und spannend."

Spendenfahrt: Strampeln, um Bildung in Guatemala zu ermöglichen

Die große Online-Präsenz von "Biking Borders" hilft Konopka und Jabs nicht nur bei der Übernachtungssuche, sondern auch bei ihrem Spendenziel. Mindestens 50.000 Euro sollen für die Hilfsorganisation "Pencils of Promise" zusammenkommen, damit davon in Guatemala eine Schule gebaut werden kann. Fast die Hälfte des Geldes ist bis Dezember schon gespendet worden. "Bestenfalls kommen noch mal 20.000 Euro mehr zusammen, damit 400 Kinder davon ein gesamtes Jahr zur Schule gehen können", betont er. Die beiden sind optimistisch, dass das Geld zusammenkommt - und dass sie ihre Radtour mit immer noch mehr als 10.000 Kilometern schaffen: Im Sommer wollen sie in Peking ankommen.

Karte: 15.000 Kilometer für den Guten Zweck

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 26.12.2018 | 15:40 Uhr

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