Stand: 09.06.2019 22:38 Uhr

Quidditch: Sport ganz ohne Zauberei

von Jelto Ringena

Einen Plastikstiel fest mit einer Hand umklammert und zwischen seine Beine geklemmt, rennt ein junger Mann über ein Spielfeld, an dessen Ende jeweils drei Ringe stehen. Was sich komisch anhört, konnte man hundertfach im Torneum Fußballpark in Tornesch (Kreis Pinneberg) beobachten, denn dort kämpften rund 400 Sportler in 35 Quidditch-Teams um die deutsche Meisterschaft. Sie spielten eine Muggel-Variante des Zauberersports, der durch Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Romane weltberühmt wurde. "Muggels" sind in der Sprache der Bücher ganz normale Menschen ohne Zauberkräfte.

Kiel Kelpies spielen gegen Basilikum Bielefeld

Großes Wiedersehen auf dem Quidditch-Feld

Mit von der Partie waren, in ihren blauen Trikots, die Kiel Kelpies. Die Mannschaft aus Schleswig-Holstein feuerte sich und die anderen Teams beim Turnier an, was das Zeug hält. Natürlich hofften die Kelpies auch auf den Sieg. Aber damit sah bereits nach den ersten Spielen der Meisterschaft schlecht aus. "Wir haben in der Vorrunde den vierten von fünf Plätzen belegt", sagt Kapitänin Nele Jacobsen und schmunzelt trotzdem. Denn den Quidditch-Spielern aus Kiel kommt es vor allem auf den Spaß an und darauf, die anderen Teams wiederzusehen. Am Ende reichte es für die Kelpies zu Platz 26 von 35.

Auch die Zuschauer waren neugierig auf den kuriosen Harry-Potter-Sport. Hunderte aus der Umgebung waren gekommen, um sich das Spektakel einmal genauer anzusehen. "Ich finde das alles ziemlich cool", sagte ein Zuschauer am Spielfeldrand. Das Turnier in Tornesch gewannen die Athenas aus Darmstadt, gefolgt von Rheinos Bonn und den Heidelberger Hellhounds.

Eine Mischung aus Völkerball, Handball und Rugby

Gespielt wird mit vier unterschiedlichen Positionen und drei verschiedenen Ballarten, in jeder Mannschaft müssen Männer und Frauen sein. Die Jäger versuchen den sogenannten Quaffel in einen der drei gegnerischen Ringe zu werfen - dafür gibt es zehn Punkte. Die Treiber versuchen, sie daran zu hindern und werfen sie mit drei "Klatscher" genannten Bällen ab - ähnlich wie beim Völkerball.

Wer getroffen wird, muss dann zurück zu seinen Torringen laufen. Und dann gibt es noch die Sucher. Diese kommen gegen Ende des Spiels auf das Feld und halten Ausschau nach dem "Goldenen Schnatz". Dieser wird von einem unparteiischen Spieler verkörpert. Für das Team, das diesen einfängt, gibt es 30 Punkte extra und das Spiel ist vorbei. Am Ende gewinnt die Mannschaft, die mehr Punkte hat.

Besonders kompliziert wird das Spiel durch die "Besen", die die Spieler zwischen die Beine geklemmt haben. Diese werden durch eine Plastikstange symbolisiert und müssen von den Spielern während des gesamten Spiels zwischen den Beinen gehalten werden. Es muss komplett einhändig gespielt werden.

Es gibt sogar Weltmeisterschaften

In den Harry-Potter-Büchern spielen Harry und seine Freunde Quidditch in der Zauberschule Hogwarts. Im Gegensatz zu den Muggels fliegen sie dabei auf Zauberbesen mit Namen wie "Nimbus 2000" und "Feuerblitz".

Die Nichtzauberer-Variante wurde dann 2005 von zwei amerikanischen Studenten entwickelt. Inspiriert von Rowlings Büchern überlegten sie, wie sie Quidditch auf einem Uni-Fest spielen könnten und schrieben prompt die Regeln für das reale Quidditch, wie es auch in Schleswig-Holstein gespielt wird. Deutsche Spieler sind im Deutschen Quidditch-Bund organisiert. Es gibt eine deutsche Nationalmannschaft, außerdem finden Europa- und Weltmeisterschaften statt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.06.2019 | 12:40 Uhr

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