Stand: 07.08.2020 18:56 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Prozess um Autohändler-Mord vor 25 Jahren gestartet

25 Jahre nach dem Mord an einem Autohändler hat am Freitag in Lübeck der Prozess gegen einen der beiden Tatverdächtigen begonnen. Der heute 56-Jährige aus Litauen soll im Juli 1995 in Lübeck einen 44 Jahre alten Gebrauchtwagenhändler erstochen und beraubt haben. Zu Prozessbeginn ließ der Angeklagte über seine Verteidigerin erklären, er habe mit der Tat nichts zu tun. "Was geschehen ist, tut mir aber sehr leid", heißt es in der Erklärung.

VIDEO: Prozessauftakt um Autohändler-Mord vor 25 Jahren (2 Min)

Zweiter Angeklagter erscheint nicht

Sein ebenfalls aus Litauen stammender mutmaßlicher Mittäter war gar nicht erst zum Gerichtstermin erschienen. In einem Brief, den der Richter zu Beginn der Verhandlung verlas, entschuldigte sich der 46-Jährige Mann mit seiner angegriffenen Gesundheit und damit, dass Litauen seine Auslieferung nach Deutschland verweigert habe. Das Gericht beschloss deshalb, das Verfahren gegen den heute 46-Jährigen abzutrennen und vorläufig einzustellen.

17 Messerstiche

Den Männern wird Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer anderen Straftat vorgeworfen. Laut Anklage sollen der 56-Jährige und sei mutmaßlicher Mittäter in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1995 ihr Opfer in dessen Wohnung mit insgesamt 17 Messerstichen und einem Schraubendreher getötet haben. Dabei sei von vornherein geplant gewesen, das Opfer zu berauben und es notfalls auch zu töten, um an seine Einnahmen aus dem Gebrauchtwagenhandel zu gelangen, sagte die Staatsanwältin. Es soll dabei um 20.000 Deutsche Mark gegangen sein. Alle drei Männer kannten sich aus dem Hafen von Neustadt in Holstein, der in den 90er-Jahren Drehscheibe des Gebrauchtwagenhandels mit Osteuropa war.

Angeklagter: abscheuliche Tat

Er habe das spätere Opfer flüchtig gekannt und sei auch mal mit in dessen Wohnung gewesen, sagte der 56-Jährige. Nach 25 Jahren habe er keine Erinnerung mehr daran, was da gesprochen worden sei, sagte er mithilfe einer Dolmetscherin aus. Von dem Mord habe er erst 2016 erfahren, als plötzlich zwei Polizisten in Irland vor seiner Tür standen. Dorthin sei er im Jahr 2006 gezogen, nachdem er in Litauen wegen versuchten Mordes siebeneinhalb Jahre im Gefängnis gesessen habe, sagte er. Doch mit der "abscheulichen Tat in Lübeck" habe er nichts zu tun.

Nach dem Mord an dem Autohändler in Lübeck hatten sich die beiden Tatverdächtigen zunächst ins Ausland abgesetzt. Erst 2015 brachte ein automatisierter Abgleich mit DNA-Datenbanken im Ausland die Ermittlungen ins Rollen.

Der Prozess am Lübecker Landgericht geht am 12. August weiter. Ein Urteil soll voraussichtlich Anfang November fallen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.08.2020 | 16:00 Uhr

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