Stand: 19.08.2019 17:56 Uhr

Prozess: Mutter soll Kindern Krankheiten eingeredet haben

Eine Frau aus dem Kreis Ostholstein soll vier ihrer fünf gesunden Kinder als krank dargestellt haben, um Sozialleistungen zu beziehen. Deshalb muss sich die 49-Jährige seit Montag vor dem Lübecker Landgericht verantworten. Angeklagt ist sie wegen gewerbsmäßigen Betruges und der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Es geht um insgesamt 140.000 Euro. "Meine Mandantin will sich zu den Vorwürfen nicht äußern", sagte Verteidiger Frank Eckhard Brand gleich zu Prozessbeginn.

Vorwurf: Hüftschäden, Rheuma, Asthma vorgetäuscht

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, zwischen 2010 und 2016 unter anderem Arztberichte gefälscht und Medizinern falsche Krankheitsbilder ihrer Kinder geschildert zu haben: von Hüftschäden über Rheuma und Asthma bis hin zur Bluter- und die Glasknochenkrankheit. Die Frau wollte laut Anklage eine Pflegestufe für ihre Kinder bekommen und sich so Sozialleistungen erschleichen.

Auch Kindern selbst offenbar die Krankheiten eingeredet

"Wir gehen davon aus, dass die Frau über Jahre ihren vier eigenen Kindern sowie Behörden Krankheiten ihrer Kinder vorgetäuscht hat", sagte die zuständige Staatsanwältin NDR Schleswig-Holstein. Dies habe dazu geführt, dass die Kinder selbst auch annahmen, schwer erkrankt zu sein, sich dem Willen der Mutter beugten und halbtags im Rollstuhl saßen, so die Staatsanwältin.

Kindern wurden Schulbetreuer an die Seite gestellt

Laut Staatsanwaltschaft mussten die heute zwischen zehn und 18 Jahre alten Kinder unnötige medizinische Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihnen wurden offenbar sogar Schulbetreuer an die Seite gestellt. Dadurch, dass sie nicht laufen durften, bauten die Kinder laut Anklage Muskeln ab und litten auch seelisch. So soll die 14 Jahre alte Tochter der Frau unter Depressionen gelitten haben, nachdem ihre Mutter ihr offenbar die Glasknochenkrankheit eingeredet hatte. Nachdem der Kreis Ostholstein Unstimmigkeiten entdeckt hatte, erstattete er Anzeige gegen die Frau. 2016 wurden die Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen.

Tochter sagt vor Gericht aus

Die Frau hat noch eine weitere Tochter, die von dem mutmaßlichen Betrug ihrer Mutter nicht betroffen war. Die heute 27-Jährige sagte am Montag auch als Zeugin aus. "Meine Mutter hat den Kindern erzählt, ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen", sagte sie und fügte an: Sie selbst habe sich dem Ansinnen der Mutter widersetzt, als die ihr einreden wolle, sie litt wie ihre Brüder an Rheuma und der Glasknochenkrankheit. Die 27-Jährige, die seit 2014 nicht mehr im Elternhaus lebt, war als einziges der Kinder zur Aussage bereit. Ihre Schwester verweigerte die Aussage, ihre Brüder waren gar nicht erst vor Gericht erschienen.

Das Strafmaß liegt nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein zwischen 1 und 15 Jahren. Für das Verfahren vor der Jugendkammer des Lübecker Landgerichts sind 43 Zeugen und sechs Sachverständige geladen. Ein Urteil soll im Oktober fallen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.08.2019 | 18:00 Uhr

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