Menschen demontrieren mit einem Banner auf dem geschrieben steht: Ausbeutung von Mensch & Tier, solang hier leid herrscht kämpfen wir.

Nach Protestaktion: Tönnies will Schadensersatz von Demonstrantin

Stand: 22.04.2021 15:02 Uhr

Im Prozess gegen eine Frau, die im Oktober 2019 an der Blockade des Kellinghusener Schlachthofs beteiligt war, hat das Kieler Landgericht die Schadensersatzforderungen als berechtigt eingestuft.

Der Schlachthof in Kellinhusen, der zum Tönnies-Konzern gehört, war vor etwa anderthalb Jahren von 26 Mitgliedern der Klima- und Tierschutzgruppe "Tear Down Tönnies" blockiert worden. Am Donnerstag begann der Prozess gegen eine 21-jährige Frau, die an der Blockade beteiligt war. Das Kieler Landgericht hat bestätigt, dass es die Schadensersatzforderungen des Unternehmens für berechtigt hält. "Die Meinungsfreiheit findet ihre Grenzen im Eigentumsrecht der Klägerseite auf deren privatem Grundstück", sagte Richterin Katharina Castringius.

Tönnies: Verluste durch Blockade

Das Unternehmen Tönnies verlangt von der Frau 15.000 Euro. Der Fleisch-Konzern argumentiert, dass ihm durch die Blockade ein Verlust von 40.000 Euro entstanden sei. Das Gericht sieht bei der Höhe des Schadensersatzes noch Klärungsbedarf. Auch Martin Bocklage, Geschäftsführer Tönnies Central Services, gab vor Gericht an, dass diese nicht "schlüssig dargestellt" seien.

Proteste zum Prozessauftakt

Begleitet wurde der Auftakt des Verfahrens von Protesten - unter anderem von Mitgliedern der Aktionsgruppe "Tear Down Tönnies", die 2019 den Schlachthof blockiert hatte. "Kriminell ist das System Tönnies, nicht der Widerstand dagegen", so das Motto der Demonstration in der Nähe des Landgerichts im Kieler Schützenpark. Laut Polizei nahmen daran in der Spitze 30 Menschen teil.

Urteil im Juni

Das Urteil gegen die 21-jährige Demonstrantin wird für den 3. Juni erwartet. Sollte sie zu Schadensersatz verurteilt werden, wird sie nach Angaben der Aktionsgruppe ebenfalls in Berufung gehen. Im März hatte das Kieler Landgericht einen anderen Teilnehmer der Blockade-Aktion erstinstanzlich zu fast 16.800 Euro Schadenersatz plus Zinsen verurteilt. Er hat bereits Berufung eingelegt. Vergleichbare Verfahren gibt es in Aachen, Ingolstadt, Braunschweig und Berlin.

Protest gegen Betrieb und Fleischindustrie

Im Oktober 2019 hatten 26 Aktivisten den Schlachthof Thomsen in Kellinghusen blockiert. Sie drangen auf das Gelände ein. 16 Demonstranten ketteten sich an Rampen, über die Schweine in den Schlachthof transportiert werden. Zehn weitere Demonstranten besetzten das Dach. Die Aktion richtete sich - nach Angaben der Aktivisten - gegen den Betrieb und die Fleischindustrie als Ganzes.

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Aktivsten stehen mit Rauchbomben auf dem Dach des Schlachthofs Thomsen und halten ein Transparent mit der Aufschrift "Fight for all Beings and our Planet - Until all are free". © dpa-Bildfunk Foto: Bodo Marks

Tönnies-Schlachthof: Polizei beendet Protestaktion

Die Polizei hat die Blockade des Schlachthofs Thomsen in Kellinghusen beendet. Der Hof, der zum Unternehmen Tönnies gehört, konnte den Betrieb wieder aufnehmen. Die Aktivisten wurden abgeführt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.04.2021 | 12:00 Uhr

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