Stand: 09.08.2019 17:05 Uhr

"Produktives Lernen": Vom Problemschüler zum Gastronom

Die Schule war für ihn vor allem anstrengend, belastend, hat ihm Kopfschmerzen bereitet. Sogar der Hauptschulabschluss war für Can Tekgöz undenkbar. Inzwischen hat er seine Ausbildung zum Systemgastronom abgeschlossen. Auch seinen Realschulabschluss hat er in der Tasche. Möglich war das durch das Programm "Produktives Lernen".

Praktische Erfahrung statt Schulbank

Durch das Programm ging es für den damaligen Schüler wieder aufwärts. Zwei Jahre lang hat Can ganz unterschiedliche Betriebe kennengelernt. Seine Wochen waren klar strukturiert. Drei Tage war er in Betrieben, hat das praktische Handwerk gelernt und mitgearbeitet, zwei Tage ging er zur Schule. Sein Ziel: der Hauptschulabschluss. Stets an seiner Seite war dabei seine Lehrerin Almut Sanchez. Sie unterrichtet ihn in der Schule, besuchte ihn einmal die Woche im Betrieb. "Das PL hat mich auf jeden Fall reifer und selbstständiger gemacht. Es hat mich in die richtige Bahn gelenkt", sagt Can heute.

Prien befürwortet das Programm

Seit 2010 gibt es das Programm "Produktives Lernen" bereits an der Comenius Schule in Quickborn (Kreis Pinneberg). Im Schuljahr 2012/13 folgte auch die Gemeinschaftsschule am Lehmwoldt in Itzehoe (Kreis Steinburg). "So mancher junge Mensch, dessen Schullaufbahn vielleicht nicht immer ganz gerade verlief, hat durch dieses Projekt noch 'die Kurve gekriegt'", lobt Bildungsministerin Karin Prien (CDU) das Programm. Die Erfahrung zeige, dass mit solchen Angeboten sowohl die Quote der Schulabbrüche als auch die der Ausbildungsabbrüche deutlich gesenkt werden könne. Zum Schuljahr 2019/20 führen deshalb fünf weitere Schulen Produktives Lernen neu ein: die Schule Altstadt Rendsburg, die Heinrich-Mann-Schule Lübeck, die Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark Norderstedt, die Leif-Erikson-Schule Kiel und die Max-Tau-Schule Kiel.

Vom Hauptschulabschluss zum Management

"Für mich ist Can ein Vorbild, weil er wirklich aus einem Loch gekommen ist, aus dem er glaubte, nicht mehr rauszukommen", sagt Sanchez. In seinem Ausbildungsbetrieb, einem Schnellrestaurant, wird er mittlerweile in das Management eingearbeitet. Denn auch sein Chef ist von seiner Entwicklung begeistert. Und Can hat noch ein größeres Ziel: Irgendwann will er selbst ein Restaurant leiten. Doch bis dahin will er anderen Schülern im Programm von seiner Geschichte erzählen und ihnen Mut machen, damit auch sie einen Weg wie er gehen können.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.08.2019 | 19:30 Uhr

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