Stand: 26.10.2017 20:50 Uhr

Mutmaßlicher Schleuser aus Strande in U-Haft

Die Bundespolizei hat in Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde) einen mutmaßlichen Schleuser festgenommen. Der Mann soll mitverantwortlich für den Tod von 54 Menschen sein. Der 27-jährige Iraker bereitete mit zwei Helfern offenbar die Schleusung Hunderter Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland vor - unter anderem soll er Kontakte hergestellt, Modalitäten geregelt und den Transport zum Startort organisiert haben. Bei der Fahrt übers Mittelmeer soll das Flüchtlings-Boot zerbrochen sein.

54 der Flüchtlinge kamen bei dem Unglück vor rund zwei Jahren ums Leben. Kurze Zeit später kam der Iraker nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft nach Deutschland, um Asyl zu beantragen. Er wurde dann von den deutschen Behörden der Gemeinde Strande bei Kiel zugewiesen.

Lebte mit Aufenthaltsgenehmigung in Strande

Der Mann lebte dort mit einer Aufenthaltsgenehmigung - gemeinsam mit seiner Frau und einem Kind. Laut Strandes Bürgermeister Holger Klink war er relativ unauffällig. Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft in Neumünster. Der Iraker bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittlungen sollen laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler möglichst zeitnah abgeschlossen werden, damit Anklage gegen den Tatverdächtigen erhoben werden kann.

Staatsanwaltschaft Kiel zuständig

Obwohl die mutmaßliche Tat in der Türkei geschah - von dort aus soll der Mann die Schleusungen geplant und ausgeführt haben - sind die deutschen Behörden zuständig. Das internationale Recht sieht laut Oberstaatsanwalt Bieler mehrere Zuständigkeiten vor. In diesem Fall beruft sich die Kieler Staatsanwaltschaft auf den Wohn- und Ergreifungsort - also Strande. Bieler sagte NDR 1 Welle Nord, dass es vermutlich auch unwahrscheinlich sei, dass der Mann in der Türkei vor ein Gericht gekommen wäre.

Flüchtlinge geben Hinweise auf Iraker

In einem Bericht der "Kieler Nachrichten" hatte Bieler gesagt, dass man zwar auch im Norden mit Schleusern zu tun habe. "Aber das ist schon ein herausragender Fall für uns." Bieler begründete diese Einordnung bei NDR 1 Welle Nord damit, dass mit dem Fall nicht nur die Schleuser-Problematik, sondern auch die tödliche Katastrophe dahinter die Staatsanwaltschaft Kiel erreiche.

Die Bundespolizei hatte die Strafverfolgungsbehörde in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt nach Hinweisen von Flüchtlingen kontaktiert, die das Bootsunglück überlebten. Wird der Iraker schuldig gesprochen, erwarten ihn laut Bieler bis zu 15 Jahre Haft.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.10.2017 | 12:00 Uhr

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