Stand: 09.10.2018 13:00 Uhr

Politik trifft auf Realität: Soziale Ungerechtigkeit

Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein und seit 36 Jahren Mitglied seiner Partei, wartet - auf wen, das weiß er nicht. Es ist Rentnerin Jutta Jakstadt. Sie fordert mehr Gerechtigkeit für ihre Lebensleistung. Sie war alleinerziehende Mutter und kommt nun mit ihrer Grund- und Betriebsrente so gerade über die Runden. Die Reihe "Politik trifft auf Realität" hat die beiden Schleswig-Holsteiner zusammengeführt.

In SH gibt es 19 Prozent Alleinerziehende

Jakstadt kommt aus einem SPD-Haushalt und fragt sich, warum es den Sozialdemokraten nicht gelungen ist, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Bei der Rente ginge es ja auch um Gerechtigkeit und Würde. "Ich fühle mich nicht gewürdigt", betont die Rentnerin. In Schleswig-Holstein gibt es 19 Prozent Alleinerziehende, davon sind 39 Prozent von Armut bedroht. "Vielleicht könnte man Alleinerziehende bei der Rente anders berücksichtigen", schlägt sie Ralf Stegner bei dem Treffen vor. Von Mütterrente hält sie gar nichts. "Mütter sind auch die, die einen reichen Mann zu Hause haben", sagt sie. "Die Mütter, die alleine sind, kommen einfach zu kurz. Es wird nicht honoriert, dass man ein Kind großgezogen hat."

Stegner: "Mehrheit der Menschen sind Normalverdiener"

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Einfach die Rente für Alleinerziehende über die Rentenformel erhöhen, das ginge nicht, betont Stegner und ergänzt: Über Steuern könne man allerdings einiges regeln. Und auch bei den Sozialbeiträgen könnte man Menschen mit geringen Renten entlasten. "Darüber wird auch geredet", sagte Stegner. Derzeit bekommen 48 Prozent der Rentner weniger als 800 Euro im Monat. "Es muss der Anspruch sein, dass man, wenn man ein Leben lang gearbeitet hat, den Lebensstandart bei der Rente nicht verliert", unterstreicht der SPD-Fraktionschef. "Mehr kann man nicht verlangen, aber weniger auch nicht." In seiner Partei werbe er für eine gerechtere Steuerpolitik. "Die Mehrheit der Menschen sind keine Millionäre. Die Mehrheit der Menschen sind Normalverdiener und Normalrentner", betont Stegner.

Jakstadt: "SPD war mal Arbeiterpartei"

Zum Ende des Treffens kommt Jakstadt noch auf das Wesen der Sozialdemokraten zu sprechen. "Früher war die SPD sogenannte Arbeiterpartei. Da haben sie sich mit den einfachen Menschen beschäftigt. Und da haben sie auch Wähler gehabt", betont sie. "Das stimmt", resümiert Stegner und ergänzt: "Das wollen wir auch wieder tun."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.10.2018 | 19:30 Uhr

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