Stand: 08.10.2018 18:00 Uhr

Politik trifft auf Realität: Online-Spielsucht

Auf der einen Seite: Philip Segelitz, 24 Jahre, süchtig nach Computerspielen. Auf der anderen Seite: Lars Harms, 53 Jahre, Vorsitzender der SSW-Landtagsgruppe - und ein großer Befürworter der E-Sport-Förderung im Land. Die Reihe "Politik trifft auf Realität" hat die beiden Schleswig-Holsteiner im Kieler Computermuseum zusammengeführt. Harms hatte keine Ahnung, auf wen er dort trifft, welche Sorgen er hat. Es war schließlich ein junger Mann, der bald seine Entzugsreha beginnt, weil er zeitweise 16 Stunden am Tag Computer spielt. "Lars konnte verstehen, dass ich in diese Sucht gefallen bin - was bei vielen anderen Menschen nicht der Fall ist", sagt Segelitz mit ein paar Tagen Abstand zum Fernsehdreh mit dem Politiker. "Andere sagen, dass ich den Computer einfach ausmachen und rausgehen soll, um mich mit anderen Leuten zu treffen", berichtet der 24-Jährige.

Segelitz hat sein Studium wegen der Sucht abgebrochen

Während einer wie Segelitz sein Studium in Flensburg abbricht, "weil ich die Kontrolle über mein Leben verloren habe", denkt die Landesregierung an eine E-Sport-Akademie an der Westküste. Sie will dem nicht unumstrittenen digitalen Wettkampf im Internet also einen akademischen Anstrich verpassen. Segelitz will Harms warnen vor einer Spielsucht im E-Sport, die von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft wird. Bundesweit sind 5,7 Prozent der Jugendlichen online-spielsüchtig.

"Wir wollen eine Jugendkultur, die da ist, in geordnete Bahnen lenken", sagt der SSW-Politiker - und räumt ein, dass Politik in diesem Zusammenhang noch "unheimlich viel zu lernen" habe. Die Erforschung der Spielsucht müsse Teil einer E-Sport-Akademie sein. Und auch in anderen Studiengängen, die mit Medien zu tun haben, müsse das Thema sein, fordert Harms.

Trotz Vereinsleben fühlt er sich in der Spielewelt sicherer

Dass schon viel damit erreicht wäre, wenn E-Sport-Begeisterte ihrem Hobby gemeinsam mit anderen im Verein und nicht allein im verschlossenen Zimmer nachgingen, lässt Segelitz im Gespräch mit Harms nicht gelten. Der 24-Jährige selbst spielt seit Jahren in einer Mannschaft Floorball. "Wir sind ein Team, ganz real. Und trotzdem bin ich dort zwischenmenschlich schwerer klargekommen als in meiner Spielewelt." Das Ergebnis: Er rutschte ab in die Mediensucht - trotz regelmäßiger Trainingseinheiten mit Mitspielern.

Die Politik sieht auch wirtschaftliche Chancen im E-Sport

Es ist ein Spagat zwischen Politik und Realität - der im Gespräch zwischen Segelitz und Harms allerdings nicht zum Streit führt. Der SSW-Mann spricht klar an, dass man auch Chancen darin sehe, mit dem E-Sport in Schleswig-Holstein viel Geld zu verdienen, Entwickler ins Land zu holen, vielleicht sogar Profi-Spieler. Der Online-Spielsüchtige fragt nach Plänen, die dem Abrutschen von Spielern "in diese surreale Welt" entgegenwirken könnten. Segelitz fordert in diesem Zusammenhang "ein ganz, ganz rundes Konzept" - und hofft ein paar Tage später, dass er Harms "den einen oder anderen Denkanstoß gegeben" hat.

Segelitz über Harms: "Lars war nah und nicht abgehoben"

Was bei Philip Segelitz bleibt, ist "ein gutes Gefühl", nachdem das Reden "über mich und meine Probleme" schon Überwindung gekostet habe. Aber Harms habe sich mit der Thematik Online-Spielsucht ausgekannt. "Er wusste, wovon er spricht. Ich habe mich gut aufgehoben und verstanden gefühlt. Lars war sehr nah. Überhaupt nicht abgehoben, wie man das von einigen Politikern denken könnte."

Weitere Informationen

Die Idee hinter "Politik trifft auf Realität"

Spitzenpolitiker des Landes treffen gewöhnliche Menschen aus Schleswig-Holstein an einem ihnen vorher nicht bekannten Ort. Das Format "Politik trifft auf Realität" soll Mechanismen aufbrechen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.10.2018 | 19:30 Uhr

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