Stand: 31.10.2017 06:00 Uhr

"Politik, Kirche, Schule - finde ich cool"

von Cassandra Arden

Gut gelaunt und lächelnd öffnet Ann-Kathrein Gräning die Tür. Sie ist gerade 18 Jahre geworden und für den Bürgerpreis Schleswig-Holstein nominiert. Was viele Teenager verstaubt und langweilig finden, findet Gräning hochspannend: Schule, Kirche und Politik - alles Bereiche, in denen sie sich ehrenamtlich engagiert. Sie ist Schülersprecherin, Mitglied im Niebüller Kinder- und Jugendbeirat und engagiert sich im evangelischen Kinder- und Jugendbüro (EKJB) Nordfriesland.

Der Spaß, etwas auf die Beine zu stellen

"Gerade im EKJB sind so viele tolle Leute - das macht mir einfach mega Spaß, mit denen was auf die Beine zu stellen. Über das EKJB bin ich auch auf das ganze Thema rund um den Klimawandel aufmerksam geworden, und da ist mir eigentlich erst klar geworden, wie wichtig das ist," erzählt Gräning begeistert.

Ihre Begeisterung hat Gräning - neben zwei weiteren Kandidaten - die Bürgerpreis-Nominierung in der Kategorie U 21 eingebracht. Außerdem gibt es noch die Kategorien Lebenswerk und Alltagshelden. Die drei Gewinner in Schleswig-Holstein nehmen automatisch am Rennen um den bundesweiten Bürgerpreis teil. Das ist die wichtigste Auszeichnung für Ehrenämtler in Deutschland.

"Ich will die Leute aufklären statt belehren"

Für Ann-Kathrein Gräning sind die Themen Fair Trade und Nachhaltigkeit ein Herzensanliegen. "Ich habe jetzt auch in meiner Schule das Projekt 'Fair-Trade-Schule' angeschoben. Das bedeutet, dass es einige fair gehandelte Produkte geben muss, dass die Thematik in verschiedenen Fächern auf den Lehrplan kommt und ein Projekt dazu organisiert werden muss. Ich finde das wichtig, und es macht einfach auch Spaß, sich damit auseinanderzusetzen." Sie selbst isst überwiegend vegetarisch, "eigentlich immer, nur wenn Mama kocht, dann will ich da keine Extrawurst", lächelt sie.

Besser Leute bestätigen, als sie kritisieren

Missionarisch ist Gräning aber nicht unterwegs: "Wenn jetzt jemand mit den Themen nichts anfangen kann, dann soll er mir Argumente liefern, beziehungsweise dann ist das für mich auch okay. Ich sag jetzt auch keinem 'Du sollst kein Fleisch essen'.  Aber wenn ich Leute mit einem Fair-Trade-Logo auf der Jacke sehe, dann gehe ich auch hin und sage denen, dass ich das cool finde." Sie hat ein einfaches Prinzip für sich entdeckt: "Ich finde es besser, Leute zu bestätigen, als sie auf Fehlverhalten hinzuweisen."

Natürlich kann man was bewirken

Auch Kommunalpolitik schreckt sie nicht ab. Im Gegenteil, ihre Augen fangen an zu leuchten, wenn sie darüber spricht: "Manchmal dauert es, aber wenn man dran bleibt und dahinter steht, dann bewirkt das auch was. Und wenn man erst mal ein Projekt umgesetzt hat, dann spornt das an weiterzumachen." So hat sie vor den Sommerferien eines ihrer Projekte erfolgreich abgeschlossen: Ein heruntergekommenes Gartenhäuschen in einem Park in Niebüll ist dank ihres Engagements wieder sehr hübsch. Zusammen mit einer Malerin und Kindern und Jugendlichen hat sie aus einem Schuppen ein kleines Schmuckkästchen gemacht. "Es gab eine kleine Party, als es dann fertig war, und alle haben gesagt, wie schön es geworden ist. Das ist dann schon toll, man freut sich, etwas beendet zu haben, wo auch andere Leute Freude dran haben."

Immer vorne mit dabei

Ihre Mutter hat längst den Überblick über die Projekte und Termine ihrer Tochter verloren. Sie ist sehr stolz auf ihre engagierte Tochter, aber so richtig verwundert ist sie nicht über deren Tatendrang: "Sie war schon als kleines Kind immer vorne mit dabei. Wenn jemand auf der Bühne gebraucht wurde, sei es bei der Piraten-Show im Hansa Park oder bei einer Papageien-Vorführung, klein Ann-Kathrein war immer bereit. Da hatte sie nie Hemmungen." Seit Kurzem ist Ann-Kathrein Gräning 18 Jahre alt, für ihre Mutter bedeutet das: "Nun kann sie überall alleine hinfahren, das habe ja ich vorher immer gemacht." Mehr Freiheit für ihre Tochter, aber auch für sie als Mutter.

Manchmal muss man die Dinge von oben betrachten

Wenn sie nicht in der Schule ist, nicht im evangelischen Kinder- und Jugendbüro und auch nicht in einem Ausschuss oder im Beirat sitzt, dann hebt sie ab. Ann-Kathrein Gräning hat einen Segelflugschein gemacht. Sie verbringt ihre restliche freie Zeit also auf dem Flugplatz. "Ich weiß nicht, woher das Kind die Zeit für das alles nimmt, aber so lange sie glücklich und zufrieden ist, finde ich es super", sagt ihre Mutter. Obwohl sie zugeben muss: "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn du eine SMS bekommst mit: 'Mama geh mal in den Garten und wink mal'." 

Weitere Informationen

Bürgerpreis für Mitmach-Zirkus und Co.

Der Bürgerpreis Schleswig-Holstein ist vergeben worden. Ein Mitmach-Circus, eine Flüchtlingshelferin und ein Runder Tisch wurden ausgezeichnet. (02.11.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.11.2017 | 19:30 Uhr

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