Detailansicht einer Erdkabeltrommel mit Stromkabeln. © NordLink

Das sind die Pläne für eine Stromautobahn von SH nach NRW

Stand: 22.10.2021 05:00 Uhr

Eine neue Stromautobahn des Netzbetreibers Amprion soll Windenergie aus Schleswig-Holstein nach Nordrhein-Westfalen liefern. Die Pläne für die Fertigstellung im Jahr 2030 wurden vorgestellt, der genaue Verlauf steht aber noch nicht fest.

von Oliver Kring

In Dithmarschen plant der Netzbetreiber Amprion im Moment mit drei möglichen Trassenverläufen: über Meldorf entweder an Sankt Michaelisdonn oder Brunsbüttel vorbei Richtung Nord-Ostsee-Kanal - oder via Hochdonn zum Nord-Ostsee-Kanal (NOK) und weiter über Wilster. Alle Varianten sollen bei Wewelsfleth im Kreis Steinburg unter der Elbe hindurch verlaufen. Zuvor soll das Kabel nach dem jetzigen Stand per Bohrung unter dem NOK durchgeführt werden. "Weil die Elbe allerdings viel breiter ist, wird dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein begehbarer Tunnel gebohrt, durch den das Kabel dann verlegt wird", sagt Arndt Feldmann, Projektsprecher von Amprion.

Noch im November Start der Bürgerbeteiligung

Noch im November sollen die ersten Termine zur Bürgerbeteiligung entlang der gesamten Strecke stattfinden. Man wolle ebenso früh mit allen anderen Beteiligten in den Dialog treten, um dann die Streckenverläufe zu finden, die am besten zu realisieren sind. Anfang kommenden Jahres will der Netzbetreiber die Anträge für die dann noch in Frage kommenden Streckenverläufe bei der Bundesnetzagentur stellen. Danach soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Der Netzbetreiber geht von einem Baubeginn ab 2026 aus. Die Leitung soll 2030 in Betrieb gehen.

Netzbetreiber hofft auf Zuspruch bei Verbänden

Durch die gewählte Kabel-Lösung hofft der Netzbetreiber auf möglichst großen Zuspruch von Umweltverbänden und öffentlichen Stellen. Erste Reaktionen von öffentlicher Seite bestätigen das: Der Landrat des Kreises Dithmarschen, Stefan Mohrdieck (parteilos), sowie die Bürgermeisterin der Stadt Meldorf, Uta Bielfeldt (SPD), begrüßten den Bau der Verbindung als Kabel-Variante in einer ersten Reaktion. Das Kabel sei dringend notwendig für den Transport von Strom aus erneuerbaren Energien. Probleme seien zu diesem Zeitpunkt der Planungen nicht bekannt, sagte Bürgermeisterin Bielfeldt. Der Nachbarkreis sowie der Kreis Dithmarschen hatten sich zusammen mit dem Land für eine Kabellösung eingesetzt. Das habe sich nun durchgesetzt, hieß es vom Kreis Dithmarschen.

Harte Verhandlungen mit Landwirten und Grundbesitzern erwartet

Mit harten aber konstruktiven Gesprächen rechnet der Netzbetreiber indes bei Landwirten und anderen Grundbesitzern. Hier gebe es häufig Sorgen, dass das Kabel den Boden oder die Arbeit beeinträchtigen könnten, so der zweite Amprion-Projektsprecher Tobias Schmidt. Das Unternehmen müsse aber aufgrund rechtlicher Bestimmungen stets sicherstellen, dass der Boden beispielsweise wieder exakt in den gleichen Schichten verfüllt werde, wie er davor entnommen wurde.

Kritik vom Landesverband Erneuerbare Energien SH

Ein Mähdrescher kommt vor den Windkraftanlagen im Kaiser-Wilhelm-Koog seiner Arbeit nach. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Der LEE SH fordert, dass alle Bundesländer zwei Prozent ihrer Landesfläche konsequent als Windkraftflächen ausweisen.

Der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (LEE SH), Fabian Faller, sieht an dem Amprion-Kabel sowie an langen Stromtrassen auch viele kritische Punkte. Grundsätzlich sei der Verband zwar auch für einen Ausbau der Netz-Infrastruktur und der Netzkapazitäten. Allerdings pocht der Verband seit Langem auf eine lokale Energiewende. Sprich: Der Strom aus Wind, Sonne, Wasser und anderen regenerativen Quellen sollte laut LEE SH in der Nähe der Erzeugung verbraucht werden. Dazu biete sich zum Beispiel die Erzeugung von Wasserstoff aus Überschuss-Windstrom an. Der Verband schlägt außerdem vor, dass alle Bundesländer zwei Prozent ihrer Landesfläche konsequent als Windkraftflächen ausweisen und bebauen. Dann seien so teure Netz-Projekte wie das sieben Milliarden Euro teure Amprion-Kabel nicht notwendig, heißt es.

Amprion: Gesetzgeber hat Kabel-Verbindung beschlossen

Projektsprecher Tobias Schmidt von Amprion sagt: "Der Bedarf für Korridor B wurde erst in diesem Jahr durch den Gesetzgeber bestätigt. Bei Korridor B geht es ganz konkret darum, auch nach dem Ausstieg aus der Kohleverstromung eine klimafreundliche Stromversorgung für Bevölkerung und Industrie im Ruhrgebiet zu ermöglichen, Deutschlands größtem Ballungsraum." Die Korridor-B-Verbindung entspricht mit seiner Kapazität von vier Gigawatt der elektrischen Leistung von fünf großen Kohlekraftwerken." Das Projekt sei nicht nur von nationaler Bedeutung für die Energiewende, sondern auch auf EU-Ebene, weil Korridor B der Versorgungssicherheit und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien diene.

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Höhere Leitungskapazität für später in der Planung

Damit bei höherem Bedarf in der Zukunft mehr Strom fließen kann, plant das Unternehmen bei den bevorstehenden Arbeiten Leer-Rohre mit ein. Wenn zum Beispiel Ideen zur Klima freundlicheren Stahlproduktion mithilfe von Wasserstoff umgesetzt werden sollen. Dann würde weit mehr grüner Strom benötigt. Aber weil immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet würden, ist nach Angaben der Amprion-Sprecher sowohl in der Industrie als auch im privaten Sektor mit wachsendem Bedarf an Windstrom und somit längeren Transportwegen aus windreichen Regionen zu rechnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2021 | 12:00 Uhr

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