Stand: 07.11.2019 20:05 Uhr

Pfleger protestieren gegen "Kammer des Schreckens"

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Rund 500 Pfleger protestierten am Donnerstag mit einer Mahnwache im Kieler Regierungsviertel.

Das Motto lautete: "Pflegekräfte entern Kiel, um die Zwangsketten zu sprengen". Rund 500 Pflegekräfte und Unterstützer haben Donnerstagnachmittag mit einer Mahnwache vor dem Landeshaus gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein demonstriert. Die Kammer sei ein zahnloser Tiger und ein Bürokratiemonster, sagte Mitorganisatorin Daniela Grabowski. Keiner wisse, wofür die Kammer Zwangsbeiträge erhebe und was sie leiste. Daher hätten sich zwei Facebookgruppen zusammengetan, um die Mahnwach zu organisieren. Die Gewerkschaft Ver.di hatte ebenfalls zur Teilnahme an der Mahnwache aufgerufen.

Sozialpolitiker zeigen Verständnis für Pflegekräfte

Pflegekräfte hielten Banner hoch, zum Beispiel "No Pflegekammer" oder "Kammer des Schreckens" war zu lesen. Den Jahresbetrag für die Pflegeberufekammer finden viele schmerzhaft hoch. So muss ein Pfleger, der 3.000 Euro brutto verdient, etwa 120 Euro für die Pflegekammer bezahlen. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) und Mitglieder des Sozialausschusses suchten am Donnerstag das Gespräch mit den Demonstranten. Die Errichtung der Kammer war 2015 mit den Stimmen der damaligen Koalition aus SPD, Grünen und SSW beschlossen worden. Garg sagte, dass seine skeptische Haltung gegen die Kammer noch immer bestehe. Gleichwohl stehe er zum Koalitionsvertrag. Ähnlich äußerte sich die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann, betonte aber auch: "Die neue Entwicklung sehen wir mit einem gewissen Maß an Besorgnis. Die Pflegeberufekammer tut gut daran, den Unmut der Mitglieder nun ernst zu nehmen und Wege zu finden, die Situation in der gebotenen Eile auch zu heilen."

Ein älterer Mann liegt in einen Krankenhausbett und lächelt

Kiel: Pflegenotstand im Städtischen Krankenhaus

Schleswig-Holstein Magazin -

Im Städtischen Krankenhaus in Kiel herrscht Pflegenotstand. Der Krankenstand ist hoch, außerdem können viele Pflegestellen nicht besetzt werden, der Markt ist leer gefegt.

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Kammer will auf politischer Ebene mitgestalten

Die umstrittene Pflegeberufekammer selbst verteidigte ihre Arbeit. Sie sei eine wichtige Interessenvertretung für Pflegekräfte, um eine sachgerechte und professionelle Pflege in Schleswig-Holstein sicherzustellen, sagte Vizepräsident Frank Vilsmeier am Donnerstag in Neumünster. "Mit ihr kann die Pflege erstmals auf politischer Ebene aktiv mitgestalten." Politische Entscheidungen, die die Berufsausübung der Pflege betreffen, könnten künftig nicht mehr ohne die Berufsgruppe selbst getroffen werden, so Vilsmeier. "Dadurch können wir wesentlichen Einfluss auf die Qualität der pflegerischen Versorgung nehmen und die Bedingungen in der Pflege langfristig verbessern."

Ein Stift mit der Aufschrift "Pflegeberufekammer SH" liegt auf Papier. © Screenshot

Pflegeberufekammer verteidigt Arbeit

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Rund 500 Pfleger haben am Donnerstag im Kieler Regierungsviertel gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Pflegeberufekammer demonstriert. Die Kammer selbst verteidigt sich.

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Neuer Streit um die Pflegeberufekammer

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Der Streit um die Pflegeberufekammer bekommt neuen Wind: In den nächsten Tagen bekommen Pflegekräfte im Land Post von der Kammer - mit der Aufforderung, ihr Gehalt anzugeben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.11.2019 | 17:00 Uhr

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