Stand: 13.08.2019 14:28 Uhr

Pflegefreie Gräber auf Friedhöfen gefragt wie nie

Sarg oder Urne - wie soll die letzte Ruhestätte aussehen? Nach Angaben des Landesverbandes der Friedhofsverwalter entscheiden sich mittlerweile bis zu 80 Prozent der Schleswig-Holsteiner für ein Urnengrab.
Der Vorteil für die Angehörigen: die Gräber sind kostengünstiger und pflegeleichter. Die Friedhöfe stehen damit aber vor einem Problem - denn die Einnahmen sinken. Dazu nimmt die Konkurrenz von sogenannten Friedforsten oder Bestattung auf See zu.

Ein Kreuz steht auf einem Friedhof mit Bäumen im Vorder- und Hintergrund. © NDR

Grabpflege: Friedhöfe brauchen neue Konzepte

Schleswig-Holstein Magazin -

Auf vielen Friedhöfen gibt es vernachlässigte Gräber, auch auf dem Friedhof in Uetersen. Deswegen sucht die Friedhofsverwaltung nach neuen Konzepten für die Grabpflege.

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Pflegeleichte Rasenurnengräber im Trend

Der Friedhof in Uetersen (Kreis Pinneberg) geht deshalb neue Wege. Auf den vielen frei stehenden und verwilderten Flächen säen Mitarbeiter Gras. "Die Nachfrage nach pflegeleichten Rasenurnengräbern steigt seit 2004 kontinuierlich", sagt Friedhofsverwalter Helmut Keßler. "Viele Angehörige haben einfach keine Zeit mehr, die Gräber zu pflegen - oder sie wohnen zu weit weg", sagt Keßler. Vor 40 Jahren wurde noch fast jeder Verstorbene in einem Sarg beigesetzt - heute ist es nur noch jeder Dritte.

Auf dem Friedhof in Uetersen gibt es noch eine Besonderheit: Seit vergangenem Jahr werden dort Rosenurnengräber angeboten. Die Grabsteine befinden sich direkt an Rosensträuchern. Weil diese Bestattungsvariante so stark nachgefragt wird, sollen die Plätze dafür jetzt erweitert werden.

Nachfrage für "RuheForst" steigt

Das steigende Interesse an neuen Grab-Konzepten merkt auch Klaus-Dieter Schmidt. Er hat vor drei Jahren den sogenannten RuheForst Kummerfeld (Kreis Pinneberg) mit aufgebaut. Jetzt macht er dort Führungen durch den Laubmischwald und ist für die Auswahl der Ruhestätten zuständig. Die Nachfragen steigen jedes Jahr. "Wir hatten im vergangenen Jahr 40 Beisetzungen im gesamten Jahr. Jetzt liegen wir Anfang August schon bei 60. Für die Führungen kommen die Menschen sogar bis aus Hamburg, um sich anzusehen, was wir hier machen." In dem "RuheForst" gibt es zahlreiche Ruhe-Biotope. Dort kann die letzte Ruhestätte ausgewählt werden. Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt. Blumen und Kerzen sind im "RuheForst" nicht gestattet.

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Förderverein setzt sich für Friedhof ein

In Tornesch (Kreis Pinneberg) wurde ein Förderverein gegründet, da es immer weniger "normale" Gräber gibt und die Angst vor einem Sterben der Friedhöfe wächst. Der Vorsitzende Manfred Irgens sagt: "Das oberste Ziel ist, diesen Friedhof langfristig zu erhalten - mindestens die nächsten 100 Jahre. Damit man hier auch weiter eine Ruhestätte und einen Naturpark findet."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.08.2019 | 08:00 Uhr

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