Stand: 31.05.2020 11:46 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Pfingsten in SH: Security kontrolliert Urlauber

von Thorsten Philipps

Scheinbar 1.000 Masten ragen am Ende der Strandpromenade von Heiligenhafen in den Himmel. Auf der ein Kilometer langen Flaniermeile, die gesäumt ist von vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben, spazieren an Pfingsten mehrere Tausend Menschen pro Tag hin und her. Hier kann es schnell unübersichtlich werden - so wie am vergangenen Wochenende zu Himmelfahrt, erzählt Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt. "Da wurden die Abstände teilweise nicht eingehalten", berichtet er, "wir haben deshalb die Promenade in zwei Richtungen geteilt und extra Security-Personal für Pfingsten engagiert." Sandra Wille und Wolfgang Stark sind die beiden, die extra zu den fünf Mitarbeitern des Ordnungsamts dazukommen.

"Das System vereinfacht vieles"

Wille und Stark arbeiten in dem Job bei ihrer Sicherheitsfirma schon seit mehr als 20 Jahren. Bürgermeister Brandt erklärt ihnen zuerst die Beschilderung und die Barrieren und Trennschranken: "Rechts geht es zum Strand - links zurück in den Jachthafen." Beide hören in ihren schwarz-gelben Sicherheitsanzügen aufmerksam zu. "Ich bin ehrlich gesagt gar nicht aufgeregt, denn dieses System vereinfacht schon mal vieles", verrät Starke. "Und wie man in den Wald schreit, so schallt es heraus." Soll heißen: Freundlichkeit ist bei den Kontrollen für ihn Trumpf. Kollegin Wille stimmt ihm zu.

"Falschfußgänger" unterwegs

Auf der Promenade fällt den geschulten Security-Leuten gleich etwas auf. "Hallihallo, ihr drei, wir haben hier 'ne Einbahnstraßenregelung - geht bitte da rüber!" Stark öffnet die Absperrung, die angesprochenen Jugendlichen wechseln - ohne zu murren, still und leise - die Straßenseite. So etwas passiert pro Stunde rund zehn Mal, aber meistens sind sowohl die Tagesgäste als auch die Einheimischen sehr einsichtig. "Ich kann ja auch verstehen, dass jemand der links gehen soll, aber zu der Eisdiele auf der rechten Seite will, nicht einmal um den Block laufen möchte", sagt die Lübeckerin Wille, "aber es geht nun mal nicht anders."

Aufklärung und tatkräftige Hilfe

Auch beim Bäcker schauen die beiden rein - vorher kurz den Mundschutz auf und los: Alle Kunden halten Abstand und haben Masken auf. Draußen fällt den beiden eine Schlange vor einem Imbissladen auf. Der Abstand stimmt - doch die Schlange ist schief, macht einen Bogen, und der letzte steht in der Mitte der Promenade. Das Problem: Vor dem Geschäft fehlen die Markierungsstreifen auf dem Fußboden, die die Abstände definieren und als Orientierungssignal für die Kunden zu sehen seien sollen. Wille und Stark sprechen mit den Menschen in der Schlange, erklären das Problem und reden auch mit dem Inhaber des Geschäfts. Alle Beteiligten sind einsichtig und freundlich, die Schlange postiert sich neu. Wille besorgt Klebeband für den Inhaber - und nach einer Stunde kleben die neuen Markierungsstreifen vor dem Laden auf dem Boden. "Geht doch!", sagt Stark in zufriedenem Ton.

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Die Ordnungskräfte Sandra Wille und Wolfgang Stark kontrollieren in Heiligenhafen, ob sich Urlauber und Einheimische an die Regeln halten.
Fahrradfahrer ohne Ende

Am meisten zu tun gibt es mit Fahrradfahrern. "Dürfte ich Sie bitten abzusteigen? Hier ist Fahrradfahren verboten", wiederholt Wille mehrfach, freundlich, aber auch deutlich. Die Fahrradfahrerin sagt, sie habe es nicht gewusst - steigt ab und schiebt. Kein Kopfschütteln, kein Lamentieren. Rund 20 Mal pro Stunde muss ein Fahrradfahrer von seinem Drahtesel steigen - aber die beiden Security-Kräfte müssen keine Bußgelder verteilen.

Die Promenade gehen sie an diesem Tag mehrmals auf und ab - ganz schön anstrengend, möchte man denken. Die Ordnungshüter schütteln mit dem Kopf. "Kein Problem, wir sind gut im Training", erklärt Wolfgang Stark und stellt nebenbei noch ein umgekipptes Verkehrsschild wieder auf. Von vielen Touristen gibt es Lob für Wille und Stark: "Prima, dass sie hier aufpassen - es geht ja um unser aller Gesundheit", finden gerade die einheimischen Gastronomen. Am Ende ziehen die Sicherheitskräfte eine überraschend positive Bilanz: "Ich hätte nicht gedacht, dass die Kontrollen so reibungslos und ohne Probleme über die Bühne gehen", fasst Wille den Tag zusammen. Wolfgang Stark betont: "Bei dieser Arbeit ist ein freundliches Auftreten das A und O". Diesen Leitsatz beherzigen beide - acht Stunden am Tag.

Am Strand: Mit Abstand am liebsten

Von der Seebrücke aus schauen die beiden Sicherheitskräfte Wille und Stark immer wieder auf den Strand hinunter, aber dort sind sie nicht mehr zuständig - sondern die Strandkorbvermieter, so wie Martina Hasenpusch. Seit 20 Jahren ist sie hier in Heiligenhafen mit ihrem Mann Martin, ihren Töchtern Lea, Lina und Lara sowie Schwiegereltern Doris und Wilhelm im Familienbetrieb. Insgesamt haben sie 350 Strandkörbe auf verschiedene Abschnitte aufgeteilt. Bei ihr ist an diesem Tag alles ausgebucht.

Während ihr Mann defekte Strandkörbe wieder flottzumachen versucht, hat Hasenpusch die 90 Strandkörbe in ihrem Abschnitt gut im Blick. An einer Stelle fällt ihr eine Gruppe mit etwa zehn Personen auf. "Sind Sie alle aus einem Haushalt?", fragt die Strandkorbvermieterin. "Nee, aber aus zwei Haushalten und das ist ja auch erlaubt", lautet die Antwort. Die Zeiten sind anstrengend: Die Strandkorbvermieterin sagt, dass sie noch nie so schwer ihr Geld verdient hat wie jetzt mit Corona-Regeln: "Wir passen genau auf, dass die Abstände zwischen den Strandkörben ausreichend ist", sagt Hasenpusch, aber wenn zwei Familien zusammensitzen wollen, könne sie dagegen nichts sagen. "Abends muss ich alles wieder auseinander schieben. Ganz schön stressig und körperlich anstrengend", verrät sie. Ihr seien unter den Touristen derzeit die Strandkorbmieter am liebsten, die Abstand halten - sowohl untereinander als auch zwischen den Körben.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.05.2020 | 15:00 Uhr

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