Perseiden über Neumünster - auf der Jagd nach Sternschnuppen

Stand: 12.08.2021 09:37 Uhr

Hobby-Fotografen der Sternwarte Neumünster haben sich am Einfelder See auf die Lauer gelegt. Ihr Ziel: Fotos von den Perseiden, einem Sternschnuppen-Schauer, schießen.

von Kai Peuckert

Kurz vor 21 Uhr am Einfelder See bei Neumünster. Auch an schönen Hochsommertagen leert sich um diese Zeit die Badestelle. Obwohl es an diesem Mittwochabend keine 20 Grad mehr sind, macht sich eine sechsköpfige Gruppe auf den Weg vom Parkplatz die Stufen hinunter zum kleinen Strand. "Heute erwarte ich ganz, ganz viele Sternschnuppen. Das Wetter ist gut und dann denke ich, da kommt auch was", sagt Stefan Bruns. Er ist Vorsitzender des Fördervereins der Sternwarte Neumünster und Mitglied der "Sternenkieker".

"Man weiß nie, wo eine Sternschnuppe zu sehen sein wird"

Vor den Fotos steht aber die Vorbereitung. Die Sternengucker verteilen sich am Strand. Sie wollen sich nicht gegenseitig im Weg stehen. Stefan Bruns bringt seine drei Kameras in Position. Jede zeigt in eine andere Himmelsrichtung: "Man weiß nie, wo eine Sternschuppe zu sehen sein wird." Am See dämmert es langsam.

Swift-Tuttle lässt Teile seines Schweifs zurück

Der Grund, warum die Gruppe heute an den Einfelder See gekommen ist, ist schon vor langer, langer Zeit an der Erde vorbeigeflogen: der Komet Swift-Tuttle. Dabei hat er Teile seines Schweifs zurückgelassen. "Die Erde kreuzt den Schweif jedes Jahr um den 12. August", erklärt Stefan Bruns. Die Folge: In mehreren Nächten sieht man besonders viele Sternschnuppen des Meteorstroms - den Perseiden. Ihren Namen haben sie, weil es so aussieht, als würden sie aus dem Sternbild Perseus kommen, erklärt der Experte.

Höhepunkt der Perseiden

Der Höhepunkt ist in diesem Jahr in dieser Nacht. Zwischen 22 und 4 Uhr sind bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen, wenn man den gesamten Himmel genau im Auge behalten könnte. Die Schnuppen entstehen, wenn die meist Sandkorn-großen Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen. Sie verglühen dann in Sekundenbruchteilen, wenn sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Sekunde oder mehr als 200.000 Kilometern pro Stunde auf die Erdatmosphäre treffen und werden für den Menschen als Sternschnuppen-Schauer sichtbar. Die Sternengucker am Einfelder See hoffen aber nicht nur auf einfache Sternschnuppen, denn der Komet hat auch zentimetergroße Meteore zurückgelassen. Wenn die auf die Erdatmosphäre treffen, entstehen sogenannte Feuerkugeln, da sie besonders hell und auffällig verglühen.

Gesteinsbrocken vom Mars

Mit Kornelia Tödt und Petra Meyer sind auch zwei Hobby-Sternenfotografinnen dabei, die nicht zur Sternenwarte Neumünster gehören. Stefan Bruns nutzt die Zeit zwischen Aufbau und den ersten Sternschnuppen, um ihnen einige Meteoriten aus der Sammlung der Sternwarte zu zeigen. Das sind Meteore, die in der Atmosphäre nicht vollständig verglüht und auf die Erde gestürzt sind. Einer der Gesteinsbrocken kommt vom Mars, erläutert Bruns: "Lange Zeit konnte man den nicht zuordnen, das ging erst, als eine Mars-Mission Messungen im Gestein gemacht hat und die Daten sind ähnlich wie bei diesem hier." Kornelia Tödt hält einen der Meteoriten in der Hand und ist sichtlich beeindruckt: "Wenn man überlegt, man hat Millionen Jahre in der Hand, wo man sonst nur hingucken kann, wo noch keiner war, finde ich das großartig!" Und die Rentnerin ergänzt: "Eigentlich bin ich mit meinem Leben stimmig. Aber ich bedauere, dass ich nie diese Chance wahrgenommen habe, dass man da hinreisen kann. Das würde ich wahnsinnig gerne noch erleben."

Permanentes Surren und Klicken

Gegen 22.40 Uhr wird die Gruppe unruhig, eine erste Sternschnuppe soll gesehen worden sein. "Jetzt ist es wohl dunkel genug", sagt Stefan Bruns. Ein Vorteil des Seeufers: Hier gibt es kaum störende Lichtquellen. Alle gehen zu ihren Kameras. Bruns selbst steht in der Mitte seiner drei Fotoapparate und ist von dem permanenten Surren und Klicken der Auslöser umgeben. Alle drei Kameras sind auf Dauerfeuer und die Belichtungszeit auf zwölf Sekunden gestellt. Mehrere Tausend Fotos wird er in dieser Nacht machen. "Nur auf einem bis fünf Prozent der Fotos sind Sternschnuppen zusehen und Feuerkugeln auf einem bis fünf Prozent davon", erklärt der Hobby-Fotograf.

Erstes Ziel erreicht

"Ich hab eine", ruft Petra Meyer. Keine 20 Minuten nach der ersten Sichtung hat sie das erste Foto einer Sternschnuppe an diesem Abend geschossen - und packt ein: "Ich muss morgen arbeiten!" Und ihr Ziel habe sie erreicht, ein eigenes Foto einer Perseiden-Sternschnuppe. Markus Bruhn, ebenfalls ein Neumünsteraner Sternenkieker, hat sich etwas abseits aufgebaut und auch keinen Fotoapparat dabei. Auf einem kleinen Tisch steht ein Laptop, daneben eine Stativ mit zwei kleinen Kameras, die an die Augen von Robotern aus Kinderfilmen erinnern. "Die decken 270 Grad ab und sind besonders lichtempfindlich", sagt er über seine Spezialkameras. Eigentlich hat er sich auf sehr kleine planetarische Nebel spezialisiert, heute will er aber Sternschnuppen filmen.

Noch keine Sternschnuppe gefilmt

Nach und nach melden alle Fotografen Erfolg, nur Markus Bruhn ist sich unsicher, ob er schon etwas gefilmt hat: "Wenn, dann eine kleine." Er kann die Aufnahme nicht einfach durchlaufen lassen, nimmt immer nur 30-Sekunden-Sequenzen auf. Und da er auch auf seine Akkus achten muss, filmt er sparsam. Gegen 23.30 Uhr startet er eine erneute Aufnahme, legt den Kopf weit in den Nacken und beobachtet selbst den Himmel über sich und sieht einen großen, hellen Schweif: "Das war ein Großer! Den müsste ich drauf haben!"

Wolken beenden das Naturschauspiel

Die Aufregung ist in seiner Stimme deutlich zu hören. Schnell wechselt er das Programm auf dem Laptop und startet die Aufnahme und tatsächlich, er hat sie erwischt - eine Feuerkugel. Auch Bruhn muss am nächsten Morgen früh raus und packt ein. Stefan Bruns und die anderen Fotografen machen noch bis 00.40 Uhr weiter. Dann beendet das Wetter die Hauptnacht der Perseiden. Es ziehen Wolken auf, keine Chance auf weitere Fotos. Die Anzahl der Sternschuppen nimmt jetzt zwar wieder ab, aber der Meteorschauer der Persiden regnet auch in den kommenden beiden Nächten noch besonders stark auf die Erde. Bruns verlädt als Letzter sein Equipment im Auto - jetzt ist auch in dieser Nacht niemand mehr am Ufer des Einfelder Sees.

Weitere Informationen
Ein Sternschnuppenschauer am Himmel bei Schaalby. © vhs-Sternwarte Neumünster Foto: Heiko Albrecht

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.08.2021 | 19:30 Uhr

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